ARD-alpha - Campus Cinema


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Filme - politisch „Moonjourney“ und „I Come From Syria“

Campus Cinema zeigt mit „Moonjourney“ und „I Come From Syria“ zwei politische, aktuelle Filme von Studentinnen der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Beide setzen sich mit dem Thema Syrien und den Flüchtlingen von dort auseinander.

Von: Florian Kummert

Stand: 11.04.2017

Campus Cinema stellt zwei Studentinnen der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) vor, die auf sehr unterschiedliche Weise zwei hochpolitische Film gedreht haben. „Moonjourney“ arbeitet mit den Mitteln des Werbefilms, der andere „I Come From Syria“ ist ein Dokumentarfilm, der die Sichtweise dreier Flüchtlinge aus Syrien einnimmt.

„I Come from Syria“ von Franziska Brozio

"Ich schau nicht wie ein Deutscher aus. Ja. Alle können mich als Flüchtling erkennen."

Rony in „I Come from Syria“

Die Bilder, die wir seit Jahren aus Syrien sehen, zeigen - in den Nachrichten, den Berichten der Kriegsberichterstatter - eine westliche Sicht der Geschehnisse im Nahen Osten. Franziska Brozio hat mit ihrem Film einen Perspektivwechsel versucht.

"Mir ging es vor allem darum, in die Zukunft zu blicken. Wie kann unsere Gesellschaft diese Leute aufnehmen, und wer sind diese Leute? Mir ging es darum, die Persönlichkeiten dieser drei Flüchtlinge herauszustellen. Was bei mir vor allem herausgekommen ist: man kann nicht über syrische Männer im Allgemeinen sprechen, das sind einzigartige individuelle Menschen. Wenn das beim Zuschauer hängen bleibt, dann bin ich glücklich."

Franziska Brozio

Syrien und die Flucht aus Sicht der Fliehenden

Franziska Brozio fragt in ihrem Film aus der Perspektive der Flüchtlinge: Wie sehen drei syrische Männer die Deutschen? Können und wollen sie Deutsche werden? Eine Annäherung an die Gedanken und Gefühle dreier ganz unterschiedlicher Männer auf der Suche nach einer neuen Heimat. Ein Film, nicht ganz in schwarz-weiß, sondern eine Dokumentation der Einzigartigkeit jedes Menschen.

"Es geht schon lange um die Flucht, den Syrienkonflikt, aber wenig um die Menschen. Mich hat das Thema Migration und der Umgang mit den Menschen interessiert. Ich hab selbst einen Migrationshintergrund und erlebt, wie das für meine russische Mutter ist. Sie ist Russlanddeutsche.   Für mich war das lange kein Thema. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das ein unglaubliches Geschenk ist, aus dem man auch schöpfen kann."

Franziksa Brozio

„I Come From Syria“ lässt drei syrische Männer zu Wort kommen, zwischen 18 und 45, die Regissseurin Franziska Brozio bei Vorrecherchen in der Münchner Bayernkaserne kennengelernt hat. Ali, aus Salamia, zwischen Hama und Homs, im Westen Syriens, der Buchhalter war; Yousef aus Damaskus hat 15 Jahre im Tourismus gearbeitet. Jetzt hofft er, in die deutsche Gesellschaft integriert zu werden und da ist der 18jährige Rony, der Medizin studieren und Leben retten will.

"Das Leben für mich ist Hoffnung. Ohne Hoffnung und Ziel können wir nicht weiterleben. Und wir werden merken, dass das Leben dumm ist." Youssef in „I Come From Syria“

Die drei Syrer sprechen in die Kamera, ohne weiteren Off-Kommentar, erzählen von ihrem bisherigen und ihrem neuen Leben, nur unterbrochen von Texttafeln mit Zitaten aus den Interviews wie „In Deutschland ist jeder unabhängig“, „Es ist immer noch da“.

"Alle drei haben mir gesagt, dass sich manchmal allein fühlen. Unser Sozialleben sieht anders aus als in Syrien, man geht nicht einfach aufeinander zu hier in der Stadt. Auch unter Freunden sieht es anders aus. Man besucht sich nicht so oft. Gerade Youssef hofft, mit Filmprojekten wie diesem Brücken zu bauen. Wenn der Film ein paar Leute überzeugt, dass es gut ist auf Syrer zuzugehen und mit ihnen zu reden, dann hat er schon sein Ziel erreicht."

Franziska Brozio

Franziska Brozio studiert Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF München. Vorher hat sie als freie Journalistin gearbeitet und einen Abschluss in Politik und Ethnologie erworben. Jetzt erforscht sie neue Darstellungsformen, während sie sich weiterhin mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigt.

LOVE DATA

LOVE DATA so heißt das Folgeprojekt an dem Franziska zusammen mit ihrem Kommilitonen Moritz Müller-Preißer arbeitet. In dem Dokumentarfilm sind sie Freiheitskämpfer im Internet auf der Spur:

„Moonjourney“ von Chiara Grabmayr

Der Film „Moonjourney“ von Chiara Grabmayr dreht sich auch um das Thema Flucht und Syrien, ist aber kein Dokumentarfilm, sondern ein zweieinhalbminütiger Werbefilm.

An der HFF München kann man sich für vertiefende Bereiche bewerben. Grabmayrs Film ist in einem Werbefilm-Seminar entstanden. Ohne kreative Einschränkungen dreht man am Ende einen Werbespot für eine Marke. In Chiara Grabmayrs Fall hat sie den Film für eine Menschenrechtsorganisation gedreht, in der Hoffnung, im kleinen etwas bewirken zu können. Die Idee zum Film ist der gebürtigen Wienerin gekommen, als sie öfters zwischen Deutschland und Österreich mit dem Zug pendelte. Bereits Anfang 2016 merkte sie, dass viele unbegleitete Jugendliche mit dem Zug unterwegs sind und dabei viel Angst empfinden und nicht wissen was passiert, wenn sie ankommen.

"Damals habe ich im Zug zwei Jungs kennengelernt, die mir ihre Geschichte erzählt haben und ihren Weg. Diese persönliche Begegnung hat in mir etwas bewegt. Da dachte ich mir, OK, genau so müssen die Menschen da draußen angesprochen werden, auf persönliche, emotionale Weise, ohne Schuldvorwürfe, ohne belehrt zu werden. Man muss versuchen, den Menschen die Herzen zu öffnen, damit man offen ist, die Nachricht zu empfangen."

Chiara Grabmayr

Ein hartes Thema poetisch verpackt. In zweieinhalb Minuten erzählt „Moonjourney“ von einer angeblichen Mondreise, die ein Vater mit seiner Tochter unternehmen will. Eigentlich ist es eine Fluchtgeschichte. Doch der Vater will die Tochter vor dem Trauma der lebensgefährlichen Reise beschützen, versucht alles so gut und angenehm wie möglich zu machen, und erzählt ihr vom Abenteuer, als Astronautin zum Mond unterwegs zu sein.

Der Film endet mit den Worten: „Jede Reise erzählt eine Geschichte. Lass uns ihr glückliches Ende sein.“ und ist verknüpft mit dem Hashtag „#astronautswelcome“.

"Es gibt ein Bild, das mich zu der Geschichte inspiriert hat. Es zeigt die Retter im Mittelmeer, die die Flüchtlinge von den Booten holen. Dabei tragen sie weiße Anzüge, um sich vor Krankheiten und Infektionen zu schützen. In diesem Bild ziehen zwei Offiziere in weißen Anzügen und Mundschutz einen Flüchtling aus dem Wasser von einem sinkenden Boot. Ich dachte mir, da nimmt man so eine weite Reise auf sich, stirbt fast und wird dann gerettet von Menschen die man gar nicht identifizieren kann, die wie Mondmenschen oder Astronauten wirken. Diese Idee hat meinen Film vorangetrieben. Die Fluchtreise ist auch so ein anstrengendes Vorhaben, und man weiß nicht ob man es schafft, wie eine Reise zum Mond." Chiara Grabmayr

Der Film wurde teils in München gedreht, teils in Spanien, in einem Nationalpark in Pamplona und in Barcelona am Strand.  

Die Flüchtlingsorganisation „Perspektiven für jugendliche Flüchtlinge e.V.“ in München, die „Moonjourney“ unterstützt, hat durch den Film viele neue ehrenamtliche Helfer gewonnen.

Die Regisseurin

Chiara Grabmayr wurde 1988 in Wien geboren. Nach der Matura schloss sie 2010 das Bachelorstudium der "Digitalen Medien" in Salzburg ab. Seit 2011 studiert Chiara Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Im Jahr 2015 absolvierte sie die Masterclass "Werberegie", in deren Rahmen der Socialspot „Moonjourney“ entstanden ist. Seit Sommer 2015 schreibt und inszeniert Chiara die Webserie "Fett und Fett“, welche die Generation Y portraitiert und parodiert. Eine Generation auf der Suche nach….ja nach was eigentlich?

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