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Saat statt Staat Eine ungewöhnliche Griechenlandhilfe

Nach den Neuwahlen in Griechenland geht der Kampf gegen die Staatspleite in die nächste Runde. "Wirtschaftswachstum mit sozialen Vorzeichen" versprach Alexis Tsipras nach seiner Wiederwahl.

Von: Bärbel Bielek und Andrea Mirbeth

Stand: 27.09.2015 | Archiv

Ernte auf dem Feld | Bild: BR

Um Griechenland ist es still geworden in letzter Zeit. Aber nicht besser.

"Das ist jetzt die Steuererklärung, die jeder bringen muss, wo draus hervorgeht dass er kein Einkommen hat - oder fast kein Einkommen."

Alexandros Jazakis

Sein Hilfsprojekt: eine Farm. Wer nichts hat, ist hier willkommen und darf ernten. Aber er muss auch mitarbeiten. Zusätzlich bekommt jeder hier 50 Euro im Monat von deutschen Spendern. Und Alexandros Jazakis? Ohne den würde es das alles nicht geben. 100 Leute werden mittlerweile unterstützt. Sein neuer Vollzeitjob.

Geldtransport aus Deutschland

Und hier kommt der Geldtransporter aus Deutschland. Mit sehr viel Geld diesmal. Das liegt an Tausenden quer-Zuschauern. Im Juli hat quer das Projekt vorgestellt – und die Zuschauer fanden es einfach richtig gut und spendeten: Saat statt Staat.

Alexandros Jazakis

Rainer Dietz und Werner Meier kommen aus Franken und liefern bar, weil Abheben in Griechenland mühsam ist. Die drei gehören zu einem Freundeskreis, der sich auch so nennt, und aus dem heraus vor zweieinhalb Jahren diese Griechenlandhilfe entstand. Seit dem quer-Film und den Zuschauerspenden spielt der Freundeskreis in einer ganz neuen Liga. Und das ist nur die Tranche für einen Monat. Geld, das Alexandros in den nächsten Tagen persönlich verteilen wird.

Mit EU-Hilfspaketen werden hauptsächlich Kredite getilgt und Banken gerettet – mit dem Geld hier wird Erste Hilfe geleistet – direkt für die Menschen dort. Jetzt kann Alexandros Jazakis loslegen. In Griechenland ist jeder Vierte arbeitslos. Ein Jahr zahlt der Staat Arbeitslosenhilfe. Danach ist Schluss. Gnadenlos. Der Staat hat einfach kein Geld. Sozialhilfe gibt es nicht.

Kein soziales Netz

Alexandros Jazakis

Dimitris Giorgiopoulos ist von Anfang an im Hilfsprojekt. Früher war er Fußballprofi, danach kam der Job in der Fischfabrik. Bis Juli konnte er immerhin noch auf der Autobahnbaustelle arbeiten. Für drei Tage die Woche gab’s 400 Euro im Monat. Das ist vorbei. Nicht einmal Arbeitslosenhilfe bekommt er im Moment. Ein Mann mit Verantwortung für drei Kinder. Er sitzt zuhause – untätig. Er möchte arbeiten, aber es gibt nichts für ihn. Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist doppelt so hoch wie vor den ganzen EU-Hilfspaketen.

"Das Sparen dreht Griechenland meiner Meinung nach total das Wasser ab, das Sparen. Die müssten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen machen, aber nicht das Sparen."

Alexandros Jazakis

Brücke geschlossen – solche Schilder sieht man hier oft: verlassene Baustellen, die Arbeiten einfach eingestellt. Sinnbild der Krise. Dimitris mit seinem Sohn Jannis auf seiner letzten Baustelle. Als im Juli das Referendum und die Kapitalverkehrskontrollen kamen, war von heute auf morgen hier Baustopp. Kein Geld, kein Material, keine Arbeit.

Eine Farm der Solidarität

Und jetzt stellen wir uns mal eine ganz andere Welt vor: Man bringt zusammen, was Griechenland im Überfluss hat: tolles Klima, fruchtbare Böden und jede Menge Leute, die arbeiten wollen – und schon bewegt sich was. Und so hat es Alexandros Jazakis in Aigion bei Patras auf dem Peloponnes gemacht: 4000 Quadratmeter Gemüseacker. Er nennt es seine "Farm der Solidarität".

Alexandros Jazakis im Garten

Jazakis lebt seit 30 Jahren hier – er hat alles Deutsche abgelegt: Zumindest seinen deutschen Namen und seinen deutschen Pass. Sonntagmittag auf der Farm: 40 Neue hätten heute kommen und mitarbeiten sollen. Wo sind sie? Die Regeln sind klar: wer unentschuldigt fehlt, fliegt – ein strenges Hilfsprogramm.

Das Besondere an dieser Griechenlandhilfe ist auch, dass nicht nur Geld fließt, sondern dass auch genau geschaut wird, was damit passiert. Man muss es ja nicht gleich Troika nennen.

Und wenn die Arbeit vorbei ist, geht keiner gleich nach Hause. Die Farm ist viel mehr. Sie ist auch das Café, in das sie nicht mehr gehen können – ohne Geld.

Einzelkämpferin Maria

Maria Karmanou

Auch Maria Karmanou gehört von Anfang an zum Hilfsprojekt, eine Einzelkämpferin. Ihr Mann hat Krebs und liegt im Krankenhaus. Ihre Tochter kommt jetzt bald in die Schule. Das Haus in Aigion gehört ihr noch. Aber sie hat Schulden und seit Beginn der Krise keine Arbeit mehr. Vorher war sie Krankenpflegerin.

"Die einzige Hilfe, die ich im Moment habe, sind die 50 Euro von Alexandros und das Essen von der Farm."

Maria

Ihre größte Angst ist, dass sie ihr Haus verliert. In Griechenland darf inzwischen bei Steuerschulden sogar der Hauptwohnsitz gepfändet werden. Auf diesem Foto war sie 20: Maria und ihr Mann.

"Ich habe noch viel mehr Fotos, aber ich schau sie nicht mehr an. Es tut weh. Ich weiß ja, dass diese ruhigen und friedlichen Zeiten nicht zurückkommen werden. Mein Kind gibt mir Kraft. Aber die seelische Belastung muss ich mit mir selber ausmachen. Da habe ich niemanden, mit dem ich das teilen kann. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Aber die Kleine tröstet mich dann. Sie umarmt mich und küsst mich."

Maria

Entwicklungshelfer mit 73

Eigentlich wollte Alexandros immer Entwicklungshelfer werden. Das hat ihm sein Vater nicht erlaubt. Und jetzt, mit 73, hat sich sein Jugendtraum erfüllt. Er muss dafür nicht mal weit fahren, bis er bei Giorgios Kalaitzakis ist. Der war mal Elektriker. Jetzt lebt er von der Rente seiner Mutter Afroditi. In Griechenland längst ein gängiges Überlebensmodell.

"Hier sind 50 Euro für die Patenschaft, 50 Euro für die Medikamente und 50 Euro Essensgutschein für den Supermarkt."

Alexandros Jazakis

In Griechenland ist Arbeitslosigkeit besonders brutal: Nach einem Jahr fällt nicht nur die Stütze weg, sondern auch die Krankenversicherung. Hätten die beiden den deutschen Freundeskreis nicht, dann könnten sie sich nicht einmal ihre Medikamente leisten.

Die Freunde machen schon lange Urlaub in Griechenland: Die Natur, gutes Essen, Gastfreundschaft. Aber dann kam die Krise. Und plötzlich waren sie mittendrin, weil sie natürlich nicht wegschauen können, wenn auf einmal die griechischen Nachbarn in Not sind. Und so entstand in einer dieser Runden die Idee mit der Farm und den Patenschaften. Eine spontane Idee unter Freunden. Und jetzt begeistert dieses Hilfsprojekt Menschen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Dieser Artikel ist eine stark gekürzte und redaktionell überarbeitete Fassung des Sendungsmanuskripts, das Sie hier unten auch vollständig herunterladen können.

Das Sendungsmanuskript zum Download Format: PDF Größe: 68,96 KB


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Redaktion euroblick, Sonntag, 27.September, 19:52 Uhr

7. Hilfsaktion für besonders bedürftige Familien

Liebe Zuseher,
wir freuen uns über das große Interesse an der Hilfe, die der in unserem Film vorgestellte Freundskreis leistet. Unter http://www.hilfsaktion-gegen-hunger-in-griechenland.de/ finden Sie alle weiteren Informationen.
Vielen Dank sagt auch der euroblick!

Redaktion euroblick, Sonntag, 27.September, 18:46 Uhr

6. Kontaktdaten der Initiative

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.hilfsaktion-gegen-hunger-in-griechenland.de/

  • Antwort von Erika +Helmut Lühmann, Sonntag, 27.September, 19:40 Uhr

    Hallo, wir beiden möchten uns gerne in Ihre prima Aktion einbringen, mit einer mtl. Spende.
    alles Gute Helmut

Panagiotis Moschovis, Sonntag, 27.September, 18:37 Uhr

5. Eine ungewöhnliche Griechenlandhilfe

Das Projekte sind wünschenswert und helfen die Leute direkt, die jede cent notig haben.
Wie kann man die Telefonnummer oder die Internetadresse erfahren um einen kleinen Beitrag leisten zu können?

Viele Dank

  • Antwort von Redaktion euroblick, Sonntag, 27.September, 18:42 Uhr

    Vielen Dank für die vielen Nachfragen und Informationswünsche zur Hiflsaktion: Auf http://www.hilfsaktion-gegen-hunger-in-griechenland.de/ finden Sie weitere Informaitonen.

Weber, Sonntag, 27.September, 18:34 Uhr

4. Ungewöhnliche Griechenlandhilfe

Großen Respekt fürAlexandros Jazakis.Könnte man ihn unterstützten?

Thomas Urbach, Sonntag, 27.September, 18:17 Uhr

3. Saat statt Staat

Wir würden gerne Kontakt zu Alexandros zur Unterstützung seiner Projekte aufnehmen. Können Sie uns die entsprechenden Daten zukommen lassen? Besten Dank im Voraus.

  • Antwort von Redaktion, Donnerstag, 01.Oktober, 15:59 Uhr

    Hier ist die Webseite vom Projekt: http://www.hilfsaktion-gegen-hunger-in-griechenland.de