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Schweiz Der klare Himmel von Lü im Val Müstair

Das sind Vaclav und Jidka Ourednik. Diese beiden sind Sucher. Ihr Leben lang suchten sie nach einer Heimat zum Bleiben, nach einem dunklen Ort, der ihr Hobby erlaubt, und nach der Enthüllung von Geheimnissen: Ob im Menschen oder im Universum.

Von: Antje Drinnenberg

Stand: 07.02.2016 | Archiv

Eine astronomische Aufnahme | Bild: Jitka und Vaclav Ourednik

Beide sind sie aus Prag in die Schweiz gekommen. Jitka studierte in Prag, Vaclav in Bern. In der Schweiz starteten sie eine atemberaubende Karriere als Hirnforscher, die sie an die ersten Plätze der Wissenschaft in den USA führte. Doch inzwischen sind sie wieder zurück in der Schweiz, und zwar in einer ganz anderen Mission.

Und so: suchten die beiden jahrelang nach einem geeigneten Ort um ihrem Traum nach zugehen: Die Sterne zu beobachten. Und sie fanden das kleine Dörfchen Lü auf einer Sonnenterrasse hochgelegen über dem Tal Val Müstair.

Das Astrohotel in Lü

Neun Jahre sind die Ouredniks nun schon in der Schweiz. Sie bauten auf dem Gelände des alten Schulhauses ein komplett neues Gebäude: ein Astronomiezentrum mit Hotel, das wissenschaftliche Anleitung anstatt Wellness anbietet. Heute helfen sie Laien und Profis dabei, faszinierende Aufnahmen vom Universum zu machen.

Andi Loser

Aber der Mensch verbaut sich diese wunderbare Vision. Lichtverschmutzung: Indem er die Nacht zum Tag macht, vernebelt er sich den Blick ins All. Dagegen anzukämpfen ist ihre neue Mission. Deshalb kommt auch Andi Loser hierher nach Lü - auch er begeisterter Sterne-Fotograf. Aber zuhause geht das nicht mehr.

5000 Sterne zeigt der Himmel von Lü. In Großstädten sieht man gerade mal 500. Eine Mondfinsternis: Wo er bei uns fast vollständig verschwindet, schimmert er hier durch mit all seinen Konturen. Selbst die Andromeda, unsere Nachbargalaxie, zeigt sich hier in einer Klarheit, wie man sie sonst kaum noch findet.

Vaclav und Jitka Ourednik

So wandelten sich die Ouredniks von reinen Wissenschaftlern zu Himmelsaktivisten, die den Blick auf dieses grandiose Spektakel schützen möchten.

Vom Anblick des Nachthimmels fasziniert sind auch die Amateurfotografen Jana und Salvatore. Sie haben einen eigenen Fotoclub und belichten eigentlich Blumen und Tiere. Heute soll es etwas ganz anderes sein: unsere Nachbargalaxie M31 genannt oder auch Andromeda.

Workshops und Kurse in Kleingruppen für Laien und Wissenschaftler, selbst das Max Planck- Institut kommt auch hier her: damit finanzieren sich die Ouredniks jetzt mehr oder weniger ihr Leben. Doch trotz der zahleichen Gäste ist ihr Einkommen im Vergleich zu früher erheblich geringer. Ihr ganzes Vermögen haben sie in ihr Sterne-Projekt gesteckt, denn das Professorenleben in Amerika war ihnen am Ende zu abstrakt. Hier können sie eins zu eins lehren und zwar das, was ihnen am Herzen liegt.

Doch was ist mit den Bewohnern von Lü? Wie nehmen die den neuen Sternerummel am Berg auf? Schließlich hat das Dorf nur 37 Einwohner, drei Bauernhöfe und einen Gasthof. Auch wenn die Zeiger der Kirchturmuhr sich bewegen, scheint die Zeit hier stehengeblieben zu sein. Carlo Schorta wohnt hier seit seiner Geburt vor 50 Jahren. Lü liegt ihm am Herzen – woanders übernachtet hat er noch nie. Der direkte Nachbar der Ouredniks war einer der ersten die dort einen Astronomiekurs besuchten.

Und auch die Gäste im Astronomiezentrum konnten neue Erfahrungen sammeln: Die Profis mit neuen Fotografietechniken und auch die Laien, die erstaunt sind über die Schönheit ihres eigenes Bildes.

Aber für die Ouredniks ist der Kampf gegen Lichtverschmutzung das wichtigste Anliegen geworden, um das Dunkel des Himmels für einem Blick tief ins All zu erhalten.


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Baeder Jürg, Sonntag, 07.Februar, 17:51 Uhr

1. Der klare Himmel von Lü im Val Müstair

Dieses tolle Tal mit der kleinen Ortschaft Lü und dem Sternen-Observatorium sind tatsächlich einmalig. Der dunkle Himmel (praktisch kein Lichtsmog) macht die Sterne hell und klar. Gönnen sie sich eine Auszeit als "Sternengucker" in Lü. Bei Ourendniks gibt es auch tolle Zimmer, wo sie nach der Sternennacht gut schlafen können, und am späteren Morgen von der Münstertaler Sonne geweckt werden. Essen kann man im einzigen Restaurant in Lü, dem "Hirschen". Es gibt einige interessante Spezialitäten. Ein einmaliger Moment erwartet Sie in Lü und ein unvergessliches Erlebnis. Trotzdem sollte man es versuchen, bei schönem Wetter zu reisen, denn sonst sieht man mit den besten Teleskopen nichts.Also, warum zuwarten? Die Reise lohnt sich.