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BR Mit Mieder und Schwert

Im "Historischen Verein" im niederbayerischen Freyung hat sich eine Gruppe junger Leute zusammengefunden, für die die Beschäftigung mit der Vergangenheit alles andere als langweilig ist, höchstens manchmal ein bisschen schmerzhaft...

Von: Frieder Käsmann

Stand: 18.06.2017 | Archiv

Schwertgriffe | Bild: BR

"Dreimal im Jahr hat man ungefähr mal eine Platzwunde. Das Schlimmste, was wir hatten war so ein Cut, drei, vier Zentimeter. Und einer von den Anführer von uns sagt immer: 'Bis zu zwei Stiche nähen wir selber.' Deswegen bin ich auch ausgebildeter Sanitäter."

Matthias

Mortiferr, Todbringer, nennt sich die mittelalterliche Schwertkampftruppe aus Freyung.

"Also, wir tun nur so, wie wenn wir kämpfen würden. Denn so richtige Duellkämpfe oder auch Schlachtenkämpfe, die wären nach ein, zwei, drei Sekunden vorbei. Das ist meist nur ein, zwei Schläge, und dann hat man die eigentlich die Deckung durchbrochen und der andere stirbt. Das wäre natürlich für den Zuschauer relativ witzlos. Dementsprechend halten wir uns an Hollywood: lange Kämpfe, schöne Kämpfe, schöne Ausholbewegungen, damit auch der Zuschauer sieht, was passiert."

Matthias

Um Schlimmeres zu vermeiden wird jeder Bewegungsablauf genau abgesprochen und immer wieder trainiert, wie eine Ballettchoreografie.

"Okay! Wir gehen jetzt davon aus: Du schaust dem Geschehen da drüben zu, und ich probiere. Warte, ob es funktioniert."

Leni

Leni und Christofer entwickeln gerade eine neue Kampfszene. Daniela notiert jeden Schlag, jede Parade, legt die Choreografie fest.

"Macht es nochmal flüssiger!"

Daniela

Aber Männer gegen Frauen, mit kiloschweren Eisenwaffen, geht das?

"Man muss auf seine Partnerin achten, dass ich sie mit meiner Kraft, mit meiner Wucht, eine Axt ist eine Wuchtwaffe, ... Es sollte einerseits nach etwas ausschauen: also muss ich schon mit Wucht reingehen. Aber ich darf sie auch nicht überfordern damit. Nicht dass mein Schlag durch ihre Parade durchgeht und sie verletzt!"

Christofer

"Letztes Jahr habe ich einmal die Axt auf den Kopf gekriegt. Ist aber nix passiert, Gott sei dank!"

Leni

Aber es wird nicht nur gekämpft: Mortiferr betten ihre Kämpfe in Theaterstücke, spielen auf Volksfesten, privaten Feiern und natürlich auf Mittelaltermärkten.

Dann wird es ernst: Training in historischen Gewändern. Und die müssen den besonderen Anforderungen gewachsen sein:

"Wir müssen immer darauf achten, dass es ein guter Stoff ist - der ist jetzt ziemlich dick - wenn man fällt, auf dem Kopfsteinpflaster, dass er nicht gleich zerreißt. Es gibt ja diese feinen Prinzessinnenkleider. Die könnte man nicht anziehen, die wären ja kaputt."

Leni

"Sagen wir mal so: beim Publikum kommt es immer ganz gut an, wenn Frau gegen Mann kämpft, und Frau dann gewinnt."

Daniela

Christofer

Und wie kämpft es sich nun im Mittelalterkostüm?

"Da haben wir die erste Schwierigkeit, dass ich schaue beim Aufstehen, dass ich nicht auf meinen Rock stehe. Sonst geht das nämlich nicht."

Leni

"Es ist eher leichter, weil ich mir nicht so viel Gedanken mache, wo ihr Schwert hingeht. Weil ich denke, das Ding hält ewig aus. Hat sich auch schon bewährt, sollte eigentlich kein Verletzungsrisiko sein."

Christofer

Leni

Da sind die Frauen mit ihren dünnen Gewändern eindeutig im Nachteil: Keine Angst?

"Nein, weil die Schläge kommen ja nicht mit großer Wucht. Schlimmstenfalls gibt es einen blauen Fleck. Das ist nicht so tragisch jetzt."

Leni

Du bist voll atemlos, ist es echt so anstrengend?

"Es ist schon anstrengend. Und das macht auch ein bisschen das Mieder aus."

Leni

Aber im Kampf Mieder gegen Rüstung: die Siegerin steht von vorneherein fest.

"Wir überlegen uns immer, wer gewinnt bei den Kämpfen. Und eigentlich spricht nichts dagegen, dass die Frau verliert, eigentlich nicht! Aber das Publikum! Das geht nicht."

Leni

Eigentlich ungerecht!


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