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Windenergie Ungebrochene Kraft des Windes

Die Windkraft bringt frischen Wind in die Energiewende: Die Zahl der Windräder und ihre Leistungsfähigkeit sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Und das nicht nur an Land, sondern auch im Wasser.

Stand: 29.02.2016

Die Windenergie an Land ist die treibende Kraft der Energiewende. Sie liefert laut dem Bundesverband WindEnergie mittlerweile fast die Hälfte des in Deutschland produzierten erneuerbaren Stroms. Im Jahr 2018 gibt es in Deutschland mehr als 30.500 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 60.000 Megawatt installiert. Zusätzlich gibt es rund 1.305 Offshore-Windenergieanlagen, die vor der Küste zusätzliche 6.382 Megawatt ins Netz einspeisen (Quelle: Bundesverband WindEnergie). Die großen Vorteile: Wind gibt es fast überall und Windenergie ist eine der kostengünstigsten Formen, um regenerativen Strom zu erzeugen.

Windenergie in Bayern

Die meisten Windenergieanlagen befinden sich in den nord- und mitteldeutschen Bundesländern, doch auch im eher windschwachen Bayern gibt es Regionen mit höheren Windgeschwindigkeiten. In Bayern stehen 2018 laut Bundesverband WindEnergie 1.161 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.515 Megawatt. XXX Der Anteil der Windenergie an der bayerischen Bruttostromerzeugung hat sich von 0,7 Prozent im Jahr 2010 auf 2,0 Prozent im Jahr 2014 fast verdreifacht.

Standorte für Windräder in Bayern

Im "Windatlas" der bayerischen Regierung ist die Qualität der Windverhältnisse in den unterschiedlichen bayerischen Regionen sowie der mögliche Energieertrag in unterschiedlichen Höhen dargestellt. Zudem wird gezeigt, welche Standorte mit einer Beeinträchtigung durch den Schattenwurf der Windkraftanlagen rechnen müssen. Der Windatlas zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf. So werden vor allem für die nordbayerischen Mittelgebirge Rhön und Fichtelgebirge nutzbare Winde diagnostiziert. Nur dort entsprächen die Winde denen der norddeutschen Küstenregion. Spessart, Odenwald und Fränkische Alb wären auch geeignet. Als ungeeignet werden dagegen der Bayerische Wald und die Alpen angesehen. Wo welche alternative Energie-Möglichkeiten zum Einsatz kommen könnten, zeigt unter anderem auch der Energie-Atlas.

Große Windanlagen werden ins Meer verlegt

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Offshore-Windpark Alpha Ventus | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Offshore-Windpark Alpha Ventus

Alpa Ventus, Deutschlands erster Offshore-Windpark, wurde am 27. April 2010 in Betrieb genommen. Wellen, Wind und Salzwasser machten den Technikern lange zu schaffen, doch jetzt liefert die Anlage Strom für 50.000 Haushalte. [mehr]

Für großflächige Windkraftwerke sind geeignete Flächen knapp, nicht überall bläst der Wind stark genug. Darum drängt es die Ingenieure aufs Meer hinaus, um relativ ungestört von Mensch und Tier gigantische Windparks zu errichten. So ging 2010 der erste deutsche Offshorepark Alpha Ventus mit zwölf Windkraftanlagen und rund 60 Megawatt Leistung vor der Nordseeinsel Borkum in Betrieb.

Der bisher größte deutsche Windpark "Bard Offshore 1" wurde 2013 eingeweiht. Er liegt 100 Kilometer nordwestlich von Borkum und erstreckt sich über eine Fläche von 60 Quadratkilometern, das entspricht etwa 8.500 Fußballfeldern.

Auf dem Festland wird Wind ausgebremst

Im Vergleich zu ähnlich ausgerichteten Anlagen an Land haben Standorte im Meer 20 Prozent mehr Leistungsausbeute. Das liegt unter anderem an der Oberfläche des Wassers, das dem Wind kaum Reibung entgegensetzt - auf dem Festland bremsen dagegen Bäume und Gebäude den Wind aus. Nachteil der Windparks im Meer sind die komplizierte Verlegung von Unterseekabeln und die spezielle Präparierung von Stahlträgern fürs Meer.

Menschen und Tiere fühlen sich durch Windräder gestört

Die Windkraft hat nicht wenige Kritiker. Oft sind es Anwohner, die sich zu Bürgerinitiativen gegen Windräder zusammenschließen, weil sie sich an den Betriebsgeräuschen sowie an der "Hässlichkeit" der Windmaschinen stören. Auch Tierschützer kritisieren, dass vor allem der Lebensraum von Vögeln und Fischen durch die Windanlagen und den von den Rotoren erzeugten Geräuschen gestört wird. Trotzdem bleibt die Windkraft für Umweltschützer eine der saubersten Energiequellen überhaupt.

Dünnes Netz lässt Strom verpuffen

Zwangsabschaltung

Fehlende Stromleitungen sind schuld, dass sich der Strom aus den immer zahlreicher werdenden Windparks kaum noch abtransportieren lässt. Damit es nicht zu einem Netzkollaps kommt, müssen immer wieder Windräder zwangsweise abgeschaltet werden. Eine Studie hat ergeben, dass dadurch im Jahr 2010 bis zu 150 Millionen Kilowattstunden Windstrom verloren gegangen sind.

Geld für nichts

Mit diesem Strom könnten 40.000 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. Bezahlt werden muss diese Energie trotzdem: Denn auch der nicht eingespeiste Strom muss über die Ökostromumlage finanziert werden. Mehr als elf Millionen Euro sind so verpufft.

Zu viel Strom

Eine Studie des Unternehmens Ecofys für den Bundesverband Windenergie hat ergeben, dass im Jahr 2009 Windparks an 65 Tagen vom Netz gehen mussten. 2010 waren es 107 Tage.

Neue Netze

Sowohl die Stromhersteller als auch die Netzanbieter fordern den Ausbau der Stromnetze. Denn das Problem wird mit der Zunahme der Windkraftanlagen immer kritischer. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW haben der Bundesregierung am 29. Mai 2012 einen Entwurf für einen nationalen Netzentwicklungsplan übergeben: Vorgesehen sind 3.800 Kilometer neue Stromtrassen und dass 4.000 bereits bestehende Kilometer aufgerüstet werden. Rund 20 Milliarden Euro soll die Umsetzung des Plans kosten. Der Entwurf wird nun umfassend diskutiert, bis zum Jahresende soll der Ausbau in Gesetzesform gegossen werden.


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