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Windenergie Bei der Windkraft herrscht Flaute

Jahrelang wuchs die Zahl und die Leistung der Windkraftanlagen an Land und auf See. Sie produzieren ein Fünftel des Stroms in Deutschland. Doch derzeit werden kaum neue Windräder errichtet. Was bremst den Ausbau der Windkraft?

Stand: 06.08.2019

Wind lässt sich vergleichsweise einfach in elektrischen Strom verwandeln. Windenergie spielt deshalb eine Schlüsselrolle bei der Energiewende in Deutschland. Der Anteil der Windenergie an der gesamten deutschen Stromproduktion lag im Jahr 2018 bei 20,4 Prozent.

Windkraft in Deutschland

Windkraftanlagen liefern mittlerweile rund die Hälfte des in Deutschland produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Laut des Bundesverbands WindEnergie gab es im Jahr 2018 in Deutschland mehr als 30.500 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 60.000 Megawatt. Zusätzlich speisten 1.305 Offshore-Windenergieanlagen vor der Küste zusätzliche 6.382 Megawatt ins Stromnetz ein.

Windstrom-Branche in der Krise

Doch der Bau von Windkraftanlagen ist ins Stocken geraten. Das hat mehrere Gründe: Eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die Förderbedingungen geändert. Zweitens fehlt der Platz für neue Windkraftanlagen. Die meisten Flächen, auf denen Windräder stehen dürfen, sind bereits belegt. Drittens bremsen Klagen von Natur- und Artenschützern den Bau neuer Windkraftanlagen. Zum Teil betrifft das auch den Austausch älterer Rotoren durch neue und leistungsfähigere, das sogenannte Repowering. Viertens gibt es Foderungen, den Bau neuer Windkraftanlagen zu beschränken und zunächst neue Stromtrassen zu errichten, da sonst ein Kollaps des Stromnetzes drohe. Das hat Folgen für die Windkraft-Branche: Allein im Jahr 2017 gingen laut Bundesregierung 26.000 Arbeitsplätze in der Windenergie an Land und auf See verloren.

Windenergie in Bayern

Die meisten Windenergieanlagen, die bereits gebaut sind, stehen im Norden und der Mitte Deutschlands. Im Süden wurde dagegen 2018 nur etwa 15 Prozent der Windkraftleistung erzeugt. In Bayern standen laut Bundesverband WindEnergie immerhin 1.161 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.515 Megawatt.

10-H-Regel bremst Windräder-Bau

Seit 2014 gilt in Bayern die sogenannte 10-H-Regel. Sie besagt: Eine Windkraftanlage muss zur nächsten Ortschaft mindestens das Zehnfache ihrer Höhe Abstand halten. In Bayern gibt es nur wenige Standorte, die diese Vorgabe erfüllen, für Windkraft geeignet sind und an denen noch kein Windrad steht. Das ist ein Grund, warum in den vergangenen Jahren in Bayern kaum neue Windkraftanlagen gebaut wurden.

Standorte für Windräder in Bayern

Nicht alle möglichen Standorte sind für Windkraftanlagen tatsächlich geeignet. Der "Windatlas" der bayerischen Staatsregierung stellt die Qualität der Windverhältnisse in den unterschiedlichen bayerischen Regionen sowie den mögliche Energieertrag in unterschiedlichen Höhen dar. Zudem zeigt er, welche Standorte mit einer Beeinträchtigung durch den Schattenwurf der Windkraftanlagen rechnen müssten. Der Windatlas zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf: So werden vor allem für die nordbayerischen Mittelgebirge Rhön und Fichtelgebirge nutzbare Winde diagnostiziert. Nur dort entsprächen die Winde denen der norddeutschen Küstenregion. Spessart, Odenwald und Fränkische Alb wären auch geeignet. Als ungeeignet werden dagegen der Bayerische Wald und die Alpen angesehen. Wo welche alternative Energie-Möglichkeiten zum Einsatz kommen könnten, zeigt unter anderem auch der Energie-Atlas.

Offshore-Windparks in der Nordsee

Zum Durchklicken

Offshore-Windpark Alpha Ventus | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Offshore-Windpark Pilotprojekt Alpha Ventus

Alpha Ventus, Deutschlands erster Offshore-Windpark, wurde 2010 in Betrieb genommen. Erst machten Wellen, Wind und Salzwasser den Technikern zu schaffen. Doch schon bald konnte die Anlage Strom für 70.000 Haushalte liefern. [mehr]

An Land dürfen Windkraftanlagen nur auf dafür genehmigten Flächen stehen. Diese sind begrenzt und nicht immer weht der Wind dort auch stark und konstant. Auf dem Meer gibt es dagegen genug Platz und der Wind weht dort gleichmäßiger. Deshalb errichten Energieerzeuger dort sogenannte Offshore-Windparks. Der erste deutsche Offshore-Park Alpha Ventus ging im Jahr 2010 mit zwölf Windkraftanlagen und rund 60 Megawatt Nennleistung vor der Nordseeinsel Borkum in Betrieb. Einer der derzeit größten deutsche Windparks ist "Bard Offshore 1" mit 80 Windenergieanlagen. Der 2013 fertiggestellte Windpark liegt rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 59 Quadratkilometern. Seine Gesamtnennleistung beträgt 400 Megawatt.

Auf dem Festland wird Wind ausgebremst

Windkraftanlagen auf See erreichen rund zwanzig Prozent mehr Leistungsausbeute als vergleichbare Anlagen an Land. Der Wind kann so gut wie ungestört über die Wasseroberfläche wehen. An Land bremsen und verwirbeln dagegen Hügel, Bäume und Gebäude den Wind. Windparks im Meer haben aber auch Nachtteile. Der Bau der Windkraftanlagen ist aufwendig und kostspielig, ebenso die Verlegung von Unterseekabeln, die den Strom an Land leiten.

Windräder stören Auge und Ohr

Windkraftanlagen erzeugen umweltfreundlich Strom, stoßen aber auch auf heftige Kritik. Gegner beklagen eine Verschandelung der Landschaft. Anwohner fürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien und störende Betriebsgeräusche der Rotoren. Angeblich sollen diese sogar krankmachen, was sich bisher aber nicht belegen ließ.

Gefährlich für Tiere

Auch manche Tier- und Artenschützer wenden sich gegen Windkraftanlagen. Sie betrachten sie als tödliche Gefahr für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Insbesondere Greifvogel wie der Rotmilan werden von den Rotorblättern erschlagen. Als Ausgleich zwischen Artenschutz und Umweltschutz fordert daher beispielsweise der Bund Naturschutz eine Reihe von Kriterien bei der Standortwahl von Windkraftanlagen. Dazu zählen ausreichend Abstand zu Brutstätten gefährdeter Arten, Korridore für Zugvögel und Tabuzonen wie Nationalparke und Naturschutzgebiete.

Saubere Energiequelle

Trotz dieser Nachteile für Mensch und Tier bleibt der Wind eine der effektivsten Quellen um elektrischen Strom zu erzeugen, ohne Treibhausgase auszustoßen. Selbst wenn es gelingen sollte, den Stromverbrauch in Deutschland deutlich zu reduzieren, wird es daher auch in Zukunft notwendig sein, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Betreiber der Windkraftanlagen und ihrer Gegner zu finden.

  • Windkraft - Wer ist schuld an der Krise? IQ - Wissenschaft und Forschung, 13.11.2019, 18:05 Uhr, Bayern 2

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