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Video: Was die Windenergie in Bayern ausbremst

An fehlender Wind-Ausbeute in Bayern liegt es jedenfalls nicht. Zwar ist das Bundesland teils bergig und nicht der idealste Standort, aber moderne Anlagen sprießen immer mehr in die Höhe - und da ist sogar am Alpenrand Wind zu finden. Ein Beispiel: Im Oberland zwischen Lech und Inn bläst in einem Drittel der Region ausreichend Wind für Windkraftanlagen. Bisher steht in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau aber nur ein kleines Windrad.

Wie viel Fläche für Windkraftanlagen?

In und nahe Siedlungen, Straßen und Schutzgebiete dürfen keine Anlagen gebaut werden. Zieht man diese Fläche ab, bleiben noch zehn Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche am Alpenrand für Windräder übrig. Dazu gibt es sechs sogenannte Vorrang-Gebiete, die für Mensch und Natur reserviert sind. Zieht man diese Fläche ab, bleiben noch 0,6 Prozent Fläche für Windkraft übrig. Die restlichen 99,4 Prozent sind für Windkraft tabu.

Abstand halten - die 10H-Regel

In Bayern, und nur in Bayern, gibt es zudem noch eine weitere Regelung: Artikel 82 der Bayerischen Bauordnung schreibt seit Ende 2014 vor, dass Windräder einen Abstand ihrer zehnfachen Höhe zu Siedelungen halten müssen. Die sogenannte 10H-Regel. In Zahlen heißt das: Bei 200 Meter hohen Windrädern muss ein Abstand von zwei Kilometern Abstand eingehalten werden. Die 10H-Regel gilt auch in für die Windkraft ausgewiesenen Gebieten. Legt man die 10H-Regel an, bleibt im Oberland noch eine Fläche von 0,15 Prozent für Windkraft übrig. Mit dieser Regelung ist es in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau nicht möglich, wie geplant bis 2035 auf erneuerbare Energie umzusteigen.

Im Norden von Bayern, in Oberfranken und der Region Main-Rhön, weisen die Pläne zwar Dutzende von Vorrang-Gebiete für Windkraft aus. Aber auch diese fallen der 10H-Regel zum Opfer. Die Windenergiebranche gibt dem Flächen-Mangel die Hauptschuld daran, dass der Ausbau der Windenergie in Nordbayern eingebrochen ist. Nur, wenn Gemeinden selbst Standorte für Windräder beschließen, entfällt die 10H-Regel. In jedem Fall muss aber geprüft werden, ob die geplanten Windräder sich mit Mensch, Tier und Landschaft vertragen. Genehmigungen dauern meist Jahre und bleiben nicht selten an den hohen Hürden hängen, zum Beispiel am Schutz von Rotmilan und Wespenbussard.

Seit in Bayern vor fünf Jahren die 10H-Regelung in Kraft getreten ist, entstehen viel weniger Windparks als früher.

Seit in Bayern vor fünf Jahren die 10H-Regelung in Kraft getreten ist, entstehen viel weniger Windparks als früher.

Unesco redet beim Ausbau der Windenergie mit

Auch die Unesco hat ein Wörtchen mitzureden, zumindest war das bei der Wieskirche so. Die berühmte Wallfahrtskirche im bayerischen Rokoko-Stil steht im Pfaffenwinkel zwischen Lech und Loisach und ist seit 1983 ein Unesco-Welterbe. Die Organisation sah die Welterbe-Stätte durch Windräder in Gefahr. Robert Sing, Planer von Windenergie-Anlagen, fasst die Begründung der Unesco so zusammen: "Wenn der Pilger Richtung Wieskirche fährt, dann stellt er sich im Kopf schon auf die Wieskirche ein und dann kann man es ihm nicht zumuten, dass er an diesen rotierenden Anlagen, an diesen technischen Bauwerken vorbeifährt. Und daher ist es nicht zumutbar, hier drei oder vier Windkraftanlagen elf Kilometer nördlich der Wieskirche aufzustellen - die man nie von der Wieskirche aus sehen kann."

Windräder - Proteste und Morddrohungen am Starnberger See

Bei der Planung von vier Windrädern am Starnberger See bekommen Robert Sing und der Bürgermeister der Gemeinde Berg noch mehr Gegenwind zu spüren. Morddrohungen werden ausgesprochen und bringen auch den Planer ins Grübeln. Sing fragt sich, ob das richtig ist, was er da tut. Seit 2015 stehen die Windräder nun am See und die Einnahmen fließen in die Gemeinde-Kasse. Während die Jahre 2016 und 2017 die Erwartungen erfüllten, ist 2018 ein Einbruch aufgrund des Jahrhundertsommers zu vermelden.

Sorgen neue Rotoren für Auftrieb?

Kann neue Technik für mehr Akzeptanz der Windenergie in Bayern sorgen? Derzeit wird an neuartigen Rotoren gefeilt, die Windräder leiser, langlebiger und leistungsfähiger machen sollen. Ein US-amerikanisch-kanadisches Team hat sich von den Brustflossen des Buckelwals ein entscheidendes Detail abgeschaut: Die Tiere haben Beulen, sogenannte Tuberkel, an ihren Flossen, die sie trotz ihres Gewichts von etwa 30.000 Kilogramm im Wasser erstaunlich wendig machen. Buckelwale können bis zu 24 Stundenkilometer schnell schwimmen und pro Jahr eine Strecke von bis zu 25.000 Kilometern zurücklegen.

Bei Rotoren sollen Tuberkel Strömungsabrisse verhindern und dadurch die Effizienz einer Windkraftanlage erhöhen. Ein Unternehmer aus Regensburg hat Rotorblätter-Prototypen mit Buckel entwickelt und diese im "Windpark Grevenbroich", einer Versuchsanlage in Nordrhein-Westfalen getestet. Die ersten Tests waren "frustrierend", sagt Bernhard Gubo. Das Zwischenergebnis fällt schon besser aus: Bei höheren Windgeschwindigkeiten konnte der neuartige Rotor eine kleine Zunahme bei der Stromausbeute herausholen.

Bionik - Tiere inspirieren Menschen

Video: Bionik - neue Rotorblätter durch den Buckelwal

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US-Meeresbiologe Frank Fish beobachtete vor rund 20 Jahren Beulen auf den Flossen von Buckelwalen. Er fragte sich, welche Funktion sie haben.

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Frank Fish und der US-kanadische Luftfahrtingenieur Phil Watts fanden heraus, dass Beulen die Effizienz steigern und erfanden den Tuberkel-Rotor.

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