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Gesellschaft & Games "Spiele sind politisch. Immer."

Im Netz wird disktutiert, was "echten Gamern" den Spaß am Spiel vermiesen kann: Emotionen, Frauen mit Meinungen und ganz besonders alles, was nach Politik riecht. Aber kann man Politik aus Games überhaupt raushalten?

Von: Teresa Fries

Stand: 06.05.2015 | Archiv

Politik & Games sind untrennbar, meint Bloggerin Sarah Rudolph | Bild: BR

Videospiele sollen Spaß machen - Politik macht keinen Spaß. Ergo müssen Games, um Spaß zu machen, frei von Politik sein. Punkt. Eine simple Argumentation, die in der Gamerszene immer noch eine große Anhängerschaft findet. Netzaktivistin Sarah Rudolph vertrat am Dienstag in ihrem Vortrag "The Games They Are a-Changin’" auf der Internetkonferenz Re:publica eine andere Meinung: Videospiele müssen nicht politisch sein. Sie sollen auch nicht politisch sein. Sie sind es einfach. Punkt.

In der Szene läuft auch heute noch so einiges falsch, meint Sarah. Sie spricht von einer "toxischen Kultur", einem elitären Umgang mit Games und der Hetze des "Boys Club" gegen die "Fake Gamer". Zu letzteren gehören vor allem auch Frauen, die angeblich kein wirkliches Interesse an Videospielen haben können, aber so tun, um interessant und quirky zu wirken.

Frauen fühlen sich oft falsch in der Szene

An sich ist das alles längst überholter Schwachsinn und trotzdem geht es vielen Gamerinnen immer noch so wie Sarah viele Jahre lang: Sie denken, sie haben in der Szene nichts zu melden.

"Das Image kommt nicht etwa vom bösen RTL, sondern von den weißen heterosexuellen Männern, die in ihren Kellern zwischen Pizzakartons sitzen. Und dieses Bild wird dann auch noch voll gefeiert."

Sarah Rudolph

Es ist nicht so, als hätte #Gamergate eine völlig neue Debatte angestoßen. Gamerinnen gibt es schon lange. Wahrscheinlich waren sie immer da. Und es hätte auch schon immer "Social Justice Warriors" gegeben, also die, die offen sind für neue Ideen, Formate und Geschichten in Games. Die Spieler, die ein Release nicht ablehnen, weil sie nicht ändern können, dass ihr Avatar schwarz ist oder ihnen eine lesbische junge Frau als Charakter zu politisch ist.

Spiele sind politisch - schon immer

Wer meint, Politik mache Games kaputt, der dürfe eigentlich nie irgendein Spiel gemocht haben. Denn selbst, wenn Spiele nicht explizit politisch sind, seien es nahezu alle von ihnen indirekt doch - so erklärte es Gamejournalist Matt Lees vor kurzem in einem seiner YouTube-Videos.

Jedes Spiel transportiere eine politische Message: Wenn der Gamer zum Beispiel in "Papers, please" als Kontrolleur an einem Grenzübergang darüber entscheidet, ob Immigranten die Grenze passieren dürfen. Auch die Art, wie Frauen in Spielen vorkommen - aktive Protagonisten oder passive Opfer - all das sind politische Aussagen.

Selbst in "Tetris", dem russischen Game-Klassiker, in dem es vordergründig keine Handlung oder Metaebene gibt, stecken hintergründig viele politische Kontroversen. Da gab es Streitigkeiten um die Rechte und heimlich abgschlossene Verträge, gar politischen Druck auf Gorbatschow persönlich.

Games werden offener

Laut einiger Gamer ist es aber nicht nur die Politik, die Games angeblich kaputt macht. Die Spieleentwicklerin Maya Felix Kramer hat zusammengetragen, wer sonst noch Schuld trägt: Entwickler zum Beispiel, die Spiele über Gefühle machen, Leute, die über Games schreiben, Feministen, Minderheiten und Entwickler von Handyspielen. Die seien "echten Gamern" ein Dorn im Auge.

Sarah Rudolph kommt letztlich zu dem Ergebnis: "Spiele sind politisch. Immer." Und, wer gegen jegliche Weiterentwicklung und Öffnung der Gamingkultur ist, der wird es in Zukunft immer schwerer haben, Spiele nach seinem Geschmack zu finden. Alle anderen werden sich genau darüber freuen.

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