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Feuchtgebiete Moore als Klimaschützer

Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Moore bieten nicht nur seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. Die Feuchtgebiete sind auch wichtige CO2-Speicher.

Stand: 10.08.2018

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat schon vor Jahren dazu aufgerufen, die Moore im Freistaat als wichtige CO2-Speicher zu erhalten. Durch gezielte Renaturierungen könnten Bayerns Moorflächen jährlich bis zu fünf Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid speichern. Laut einer Moorbodenkarte, die vom LfU im August 2015 veröffentlicht wurde, sind für Bayern rund 226.300 Hektar klimaschutzrelevante Moorflächen erfasst.

"Intakte Moore sind auch aktive Klimaschützer. Pro Hektar binden Moore im Mittel 700 Tonnen Kohlenstoff. Moore sind damit die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher."

LfU-Präsident Claus Kumutat

Moore in Bayern

Entstehung von Mooren

Moore entstanden aus Seen und Sümpfen, die sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren gebildet hatten. Im flachen Uferwasser wuchsen feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Erlen, Schilf oder Moose. Die abgestorbenen Pflanzen wurden in dem nassen und sauren Bodenmilieu nicht vollständig von Mikroorganismen abgebaut. So wurde aus den Pflanzenresten Torf: Moorboden. Moore wachsen seit dem Ende der Eiszeit, der Torfboden wird Schicht für Schicht dicker - im Durchschnitt einen Millimeter pro Jahr. Im Laufe der Jahrtausende wuchsen mächtige Moorkörper, in Bayern haben sie teilweise eine Dicke von bis zu zehn Metern. Größtenteils bestehen Moore jedoch aus Wasser: Ein lebendes Moor hat einen Wasseranteil von rund 95 Prozent.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) koordiniert das bayerische Moorschutzprogramm und hat dazu den gesamten Moorbestand Bayerns inventarisiert und in Karten dargestellt.

Hochmoor

Moore können ganz unterschiedlich aussehen. Die Hochmoore haben sich, daher der Name, im Laufe der Zeit hochgewölbt und sich vom Grundwasser gelöst. Sie werden nur von Regenwasser gespeist - und sind deshalb nährstoffarm. Ihre Bewohner sind oft seltene, hochspezialisierte Überlebenskünstler, die mit den kargen und sauren Extrembedingungen im Hochmoor zurechtkommen: Die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfrau, eine Libelle, kann zum Beispiel nur auf den Pflanzen der Hochmoore leben. Der Sonnentau nimmt Nährstoffe über seine Blätter auf und besorgt sich seine Nahrung - Fliegen und Mücken - mithilfe seiner klebrigen Fangblätter selbst. Typisch ist auch das Torfmoos, das dicke Polster bildet und große Wassermengen speichern kann. In Bayern gibt es laut Bayerischem Landesamt für Umwelt rund 23.600 Hektar Hochmoore. Hochmoore findet man vor allem im Voralpengebiet - hier gibt es ausreichend Niederschläge.

Niedermoor

Die größten Moorflächen in Süddeutschland sind Niedermoore. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt gibt es davon rund 93.300 Hektar in Bayern. Niedermoore haben sich an Flüssen und in Auenlandschaften entwickelt. Sie werden vom Grundwasser und Oberflächenwasser versorgt. Sie können einer großen Vielfalt von Arten ein Zuhause bieten, dem Blutweiderich, der Sumpfdotterblume und seltenen Orchideen zum Beispiel. Die wasserliebenden Pflanzen der Niedermoore sind wichtig für Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel. Die nährstoffreichen Böden der Niedermoore sind für die Landwirtschaft besonders geeignet. Dazu müssen Niedermoore allerdings stark entwässert werden. Viele Niedermoore gibt es an der Donau.

Anmoor

Ausgewiesen werden in der LfU-Statistik auch Anmoore oder anmoorige Böden. So werden Mineralböden bezeichnet, die aufgrund von zu viel Wasser und zu wenig Sauerstoff einen hohen Anteil an organischer Masse beinhalten. Anmoore sind Böden mit einem Anteil an organischen Kohlenstoff ab neun Prozent aufwärts bis zur Niedermoorebene. Anmoorige Böden entstehen beispielsweise durch das Tiefpflügen von Moorflächen. Auch Waldböden, die einen hohen Anteil unzersetzter Laub- und Nadelstreu aufweisen, wie zum Beispiel Eichen- oder Nadelwälder, zählen dazu. In Bayern gibt es knapp 109.300 Hektar davon. (Alle Zahlen aus der Moorbodenkarte vom LfU, Stand August 2015)

Ausgetrocknete Moore als Gefahr

Niedermoor - Boden des Jahres 2012

LfU-Präsident Kumutat betont, wie wichtig es sei, die Moore nicht austrocknen zu lassen. Denn dann setzten sie eine große Menge an CO2 und Lachgas frei, das noch klimaschädlicher als das Kohlendioxid sei.

"Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt die gleiche Menge an Kohlendioxid frei wie ein Mittelklassewagen, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt. Moorrenaturierung ist daher hocheffektiver Klimaschutz."

LfU-Präsident Claus Kumutat

Moore als Lebensraum seltener Arten

Hochmoorgelbling auf Kuckuckslichtnelke

Hochmoore zeichnen sich durch eine extreme Nährstoffarmut aus. Der niedrige pH-Wert und die permanente Wassersättigung bedingen hochspezialisierte Pflanzen und Tiere. Viele der moortypischen Bewohner sind aber mittlerweile vom Aussterben bedroht. So zum Beispiel der Lungen-Enzian oder der Hochmoorgelbling. Der Bestand dieses Schmetterlings, der in Bayern im voralpinen Hügel- und Moorland und im Bayerischen Wald anzutreffen ist, ist stark rückläufig.

"Moore sind für mich die faszinierendsten Lebensräume, weil sie ihre Geschichte mit festhalten: Es sind akkumulierende Ökosysteme, die selbstwachsend sind, und damit Informationen speichern. Moore sind Extremstandorte mit Extremlebensbedingungen."

Michael Succow, Moorökologe und Agrarwissenschaftler

Moor-Renaturierung in Bayern

Das Landesamt für Umwelt ist für die Umsetzung des bayerischen Moorschutzprogramms zuständig. Durch dieses "Klimaprogramm Bayern KLIP 2020" werden seit dem Jahr 2008 Moorflächen gesichert und trockengelegte Moorflächen wieder vernässt. Beispiele für Moorrenaturierung in Bayern gibt es im Breitfilz bei Tradlenz und im Kläperfilz im Landkreis Weilheim-Schongau, im Felmer Moos, Landkreis Oberallgäu, oder im Fichtelseemoor im Landkreis Wunsiedel.

UNESCO-Gedenktag: Welttag der Feuchtgebiete

Der Welttag der Feuchtgebiete wird seit 1997 alljährlich am 2. Februar begangen. Er beruht auf der Ramsar-Vereinbarung der UNESCO, dem "Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Wattvögel, von internationaler Bedeutung". Die Vereinbarung wurde am 2. Februar 1971 im iranischen Ramsar unterzeichnet und bisher zweimal modifiziert. Derzeit haben 169 Länder die Konvention unterzeichnet.

Deutschland unterzeichnete das Abkommen 1976 und hat sich damit verpflichtet, die nach der "Ramsar-Konvention" geschützten 34 Gebiete in Deutschland vor allem als Lebensraum für die Vogelwelt zu erhalten. (Stand: Januar 2017)

Feuchtgebiete von der Wiese bis zum Meer

Nach Artikel 1 der sogenannten Ramsar-Vereinbarung von 1971 sind Feuchtgebiete Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich, künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind. Auch Meeresgebiete gehören dazu, wenn sie eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen. So zählen Auwälder genauso dazu wie Korallenriffe, Moorgebiete und das Wattenmeer.

Moore in Deutschland

Moore gehören zu den am stärksten zerstörten Ökosystemen in Deutschland. 1,5 Millionen Hektar oder 4,2 Prozent der Landfläche bedeckten sie laut NABU einst. Heute sind rund 95 Prozent davon entwässert, abgetorft, bebaut oder werden landwirtschaftlich genutzt. Moore sind jedoch Kohlenstoffspeicher: In ihnen lagert sich doppelt so viel Kohlendioxid ab wie in allen Ländern der Welt. Werden sie zerstört, setzen sie in kurzer Zeit große Mengen CO2 und andere Treibhausgase frei. Experten schätzen, dass sie rund drei bis fünf Prozent der deutschen Gesamtemissionen ausmachen.

  • "Das Moor": 18.11.2018, natur exclusiv, BR Fernsehen, 14.30 Uhr
  • "Das Moor": 19.11.2018, natur exclusiv, BR Fernsehen, 10.25 Uhr
  • "Der Kampf um das Moor": 24.10.2018, W wie Wissen, ARD-alpha, 16.30 Uhr
  • "Unterschätzte Moore – Was sich im Torf verbirgt": 23.08.2018, radioWissen, Bayern 2, 15.05 Uhr
  • "Unterschätzte Moore – Was sich im Torf verbirgt": 03.08.2018, radioWissen, Bayern 2, 9.05 Uhr
  • "Patient Moor – Wie Wissenschaftler die letzten Moore retten": 15.09.2015, IQ, Bayern 2, 18.05 Uhr
  • "Unterschätzte Moore – Was sich im Torf verbirgt": 15.09.2017, radioWissen, Bayern 2, 9.05 Uhr
  • "Das Moor – Kulturlandschaft und Klimafaktor": 14.12.2017, Planet Wissen, ARD-alpha, 15.00 Uhr und 21.45 Uhr
  • "Die Magie der Moore – das Nebelreich" und "Magie der Moore – Bedrohtes Paradies": 24.04.2018 und 25.04.2018, BR Fernsehen, jeweils 10.25 Uhr

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