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Vertiefende Informationen Wichtige Fakten zu "Ab wann bin ich abhängig von meinem Handy"

Wie merke ich, dass ich abhängig vom Handy bin? Und was kann ich dagegen tun? Ein kompakter Überblick mit den wichtigsten Fakten gibt Antwort.

Stand: 11.12.2020

Handy mit Social-Media-Icons mit Auge und Gehirn | Bild: Montage: BR

Es bimmelt, klingelt und vibriert – und sofort greifen wir automatisch zu … unserem Handy. Viele von uns sind sehr fixiert auf ihr Smartphone. Oder etwa schon süchtig? Im Durchschnitt schauen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren alle 10 bis 15 Minuten auf ihr Smartphone – das sind durchschnittlich 56 Blicke aufs Display pro Tag und insgesamt fünf Stunden Bildschirmzeit.

Die jungen Leute nutzen vor allem Kommunikations-Apps wie WhatsApp und Soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram, Snapchat und auch YouTube ist ein soziales Netzwerk. Sehr beliebt sind außerdem Spiele wie Fortnite, Minecraft oder Candy Crush Saga.

Trotzdem: In Deutschland sind „nur“ etwa vier bis sechs Prozent der Jugendlichen mediensüchtig, also abhängig von WhatsApp, Sozialen Netzwerken, YouTube oder Onlinespielen.

Warum wir immer unsere Handys checken wollen und das so viel Spaß macht, liegt zu einem großen Teil an einem Bereich des Gehirns: dem Belohnungszentrum. Wir schauen auf unser Handy und es gibt ständig kleine schöne Überraschungen, die uns belohnen: Jemand hat geschrieben, jemand liked mein Bild, es gibt ein neues YouTube-Video, das neue Level bei meinem Lieblingsspiel wird freigeschaltet oder ich erhalte irgendeinen Bonus.

Der Körper schüttet bei diesen Aktionen das Glückshormon Dopamin aus. Das fühlt sich gut an und ist wie einer kleiner Kick durch die körpereigenen Drogen. Manche Expertinnen und Experten bezeichnen das Smartphone deshalb sogar als kleinen Glücksspielautomaten. Klar, dass wir dann immer und immer wieder zum Handy greifen. Und damit wir das auch ja nicht vergessen, erinnern uns die Apps daran mit schönen Tönen, roten Kennzeichen oder kurzem Vibrieren. Die Apps sind extra so programmiert, dass wir sie ständig nutzen wollen. Denn sie sammeln ja auch ständig Daten von uns.

Doch was kann an diesen positiven Gefühlen denn bedenklich sein? Wenn man unangenehme Gefühle wie Einsamkeit und Unsicherheit damit vermeidet, dass man auf sein Smartphone schaut, dann ist das nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver. Und es findet ein Gewöhnungsprozess im Gehirn statt: Künftig braucht es diese kleinen chemischen Kicks, sobald es schwierig wird. Das Grundgefühl von Einsamkeit und Unsicherheit bleibt aber trotzdem.

Eine ganz pragmatische Gefahr: Das Smartphone stiehlt Zeit. Und die Konzentration: Wer beim Lernen oder Arbeiten vom Handy unterbrochen wird, braucht circa 15 Minuten, um sich wieder so zu konzentrieren wie vorher.

Außerdem verpasst man das echte Leben. Das findet nämlich nicht online sondern im Hier und Jetzt statt. Auf der anderen Seite waren Handys für viele Jugendliche während der Lockdowns wegen der Corona-Pandemie die einzige Möglichkeit, Kontakt mit ihren Freunden und Freundinnen zu halten und nicht zu vereinsamen.

Ob man abhängig von seinem Smartphone ist, kann man aber relativ leicht selbst testen, denn da gibt es ganz bestimmte Kriterien:

Zwang aufs Handy zu schauen
Oft sein Smartphone zu checken, ist noch keine Abhngigkeit. Ein ganz starker Drang, ständig aufs Handy schauen zu müssen, kann aber ein Hinweis sein.

Verlust der Kontrolle
Wenn ihr versucht, das Handy nicht anzuschauen, es aber einfach nicht schafft und die Kontrolle verliert, wieviel Zeit ihr damit verbringt.

Rückzug aus dem Leben
Entscheidend ist auch, was ihr dafür sein lasst, also nicht macht, um Zeit mit eurem Handy zu verbringen. Wenn ihr also lieber ständig chattet als rauszugehen, Freunde und Freundinnen immer seltener trefft, um alleine zu zocken, eure Hobbies wie Sport nicht mehr macht, um ewig YouTube-Videos zu schauen, dann ist das ein Anzeichen.

Entzugserscheinungen
Wenn ihr echte Entzugserscheinungen bekommt, wenn euer Handy nicht in eurer Nähe oder der Akku leer ist, kann es sein, dass ihr eine echte Abhängigkeit entwickelt habt. Entzugserscheinungen können auch sein, dass ihr aggressiv, sehr unruhig und kribbelig werdet oder wirklich Angst und Schweißausbrüche bekommt.

1. Handyfreie Zeiten
Leg das Handy mal für eine Stunde in ein anderes Zimmer oder in die Tasche und schalte alle Signaltöne ab. Zum Beispiel, wenn du deine Hausaufgaben machst.

2. Signaltöne aus
Überleg dir, ob du wirklich für jede App Tonsignale und Push-Nachrichten brauchst oder ob du die auch einfach deaktivieren kannst. Vielleicht reicht es ja auch, dass du die Benachrichtigungen siehst, wenn du nächstes Mal eh auf dein Handy schaust.

3. Analoge Freizeitbeschäftigungen – einfach Spaß haben
Wenn du merkst, dass du das Handy aus Langeweile nutzt, dann such dir Alternativen, die dir mehr Spaß machen - z.B. Freunde und Freundinnen treffen oder Fußballspielen, Inlineskaten.

4. In Gesellschaft: Handy wegpacken
Pack dein Handy weg beim Essen, bei Familienaktivitäten oder wenn du Freunde und Freundinnen triffst. Schaust du ständig drauf, drückt das aus, dass dir die anderen gar nicht so wichtig sind.

5. Flugmodus anschalten
Leg dein Smartphone eine Stunde vor dem Schlafengehen weg. So kommst du besser zur Ruhe. Wenn du schlafen gehst, schalte dein Handy auf jeden Fall in den Flugmodus oder schalte es ganz aus. So bist du auch der Strahlung nicht ausgesetzt.


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