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Mittelalter Zwischen zwei Zeiten

Das Mittelalter heißt "Mittelalter", weil es zwischen zwei Zeiten liegt - zwischen einer "alten" und einer "neuen" Zeit. Das Mittelalter umfasst dabei eine Zeitspanne von ungefähr tausend Jahren: Die Zeit zwischen dem Jahr 500 und dem Jahr 1500 nennen wir heute so. Genauer will sich da keiner festlegen.

Von: Veronika Baum

Stand: 09.06.2018

Eine Stadt im Mittelalter, undatierte Farblithographie | Bild: picture-alliance/dpa

Die Menschen des Mittelalters wussten nicht, dass sie im "Mittelalter" lebten. Für sie war es wichtig, ob einer Fürst war oder Mönch oder nur ein einfacher Bauer. Für alle, ob Edelmann oder Knecht, bestimmte die Angst vor Feinden, vor Hunger und Krankheit das Leben. Die Welt der mittelalterlichen Menschen war sehr stark vom Christentum geprägt. In dieser Zeit gab die Kirche vor, was geglaubt und worüber nachgedacht werden sollte. Es war vor allem wichtig, ein gottgefälliges Leben zu führen, denn morgen schon hätte die Erde untergehen können, wurde geglaubt ...

Neue Zeitrechnung mit Kolumbus

So hat man sich später den Aufbruch von Christoph Kolumbus zu seiner ersten Entdeckungsfahrt 1492 vorgestellt.

Das Mittelalter endete nicht mit einem Glockenschlag - und schon gar nicht genau am 12. Oktober 1492. Dieses Datum ist aber für den Beginn der "Neuzeit" wichtig: An diesem Tag wurde Amerika entdeckt. Beziehungsweise sagen wir heute richtiger: An diesem Tag erreichte Christoph Kolumbus mit seiner Flotte die vor der amerikanischen Küste liegenden Karibischen Inseln. Und mit dem Aufbruch Europas in eine "Neue Welt", begann auch eine neue Zeit.

Neue Ideen einer neuen Zeit

Eine der ersten Buchdruckmaschinen mit "beweglichen Buchstaben", die um 1450 von Johannes Gutenberg erfunden wurde.

Eine Erfindung, die zu dieser Zeit die Welt veränderte, war zum Beispiel der Buchdruck: Jetzt mussten Bücher nicht mehr mühsam Buchstabe für Buchstabe von Hand abgeschrieben werden, sondern Bücher und wichtige Nachrichten konnten massenhaft auf Zettel gedruckt und verteilt werden. Plötzlich verbreiteten sich neue Gedanken in Windeseile in ganz Europa. Zum Beispiel die Ideen von Martin Luther, der um 1517 die Kirche erneuern und reformieren wollte.

Die Wiedergeburt der Antike

Der Aufbruch in die "neue Zeit" begann in Italien. Ein Zentrum der Kunst, Kultur und Wissenschaft war die Stadt Florenz.

Auch in Italien kamen in dieser Zeit neue Ideen auf: Es gab viele Gelehrte, die nicht mehr an die Welt glaubten, wie sie jahrhundertelang von der Kirche erklärt worden war: Die Gebildeten fingen an, sich wieder für das Wissen der Antike zu interessieren. Sie studierten die alten Bauwerke, lasen in alten Büchern, was Römer und Griechen über Kunst, Philosophie oder Medizin aufgeschrieben hatten und entdecken so das Wissen der Antike wieder.

Die Gelehrten wünschten sich, ihre Zeit sei eine "neue Zeit", die an die Antike anknüpft. Die Welt der Römer und Griechen sollte neu geboren werden. Daher nannten sie ihre Zeit auch "Renaissance" - das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet "Wiedergeburt". Die Zeit dazwischen, zwischen der Antike und der nun ausgerufenen Neuzeit, nannten die Gelehrten verächtlich die "mittlere Zeit" – eben das "Mittelalter". In ihren Augen waren es "dunkle Zeiten" gewesen, Zeiten des Zerfalls und Niedergangs.

Diese Dreiteilung unserer Vergangenheit in Antike, Mittelalter und Neuzeit ist bis heute gültig.


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