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Franz Liszt Der Tastenlöwe

Der Pianist Franz Liszt komponiert Klavierstücke, die so schwer sind, dass niemand außer ihm sie spielen kann. Tausende Töne prasseln mit rasender Geschwindigkeit auf seine Zuhörer nieder. Ein Tastenlöwe ist geboren! Doch Franz Liszt war mehr als ein Klaviervirtuose: Ganz Europa schwärmte von ihm ...

Von: Thomas Schäfer

Stand: 25.02.2018 | Archiv

Die Musikhochschule in Weimar heißt offiziell Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Das hätte Liszt mächtig gefreut. Der Komponist, Pianist, Dirigent und Musiklehrer Franz Liszt hat sich nämlich lange dafür eingesetzt, Musikschulen zu gründen und eben in Weimar, wo Liszt eine Zeit lang lebte und als Dirigent arbeitete, wurde dann tatsächlich die erste deutsche "Orchesterschule" gegründet. Jeder Schüler wurde in allen Orchesterinstrumenten, Klavier und Dirigieren ausgebildet! 

Und nicht nur dort, auch in Budapest trägt die Musikhochschule heute den Namen des berühmten ungarischen Künstlers: Die Franz-Liszt-Musikakademie wurde 1875 sogar persönlich von Liszt gegründet. Ungarn gehörte damals zu Österreich und Liszt wuchs deutschsprachig auf. Obwohl er sich immer als Ungar fühlte, lernte er erst im hohen Alter Ungarisch und war darin nicht besonders gut ... 

Ein Wunderkind wie Mozart?!

Eine gute musikalische Ausbildung lag dem am 22. Oktober 1811 im Ungarischen Königreich geborenen Musiker sehr am Herzen. Er hatte es selbst so erlebt: Sein Vater Adam war Verwaltungsbeamter beim Fürsten Esterházy und spielte unter Joseph Haydn im Orchester Cello. So kam Franz Liszt bereits sehr früh in den Genuss ausgezeichneter Musik. Der Vater erkannte das Talent des Jungen, und schickte ihn zu den besten Lehrern in Wien, Carl Czerny und Antonio Salieri. Im Alter von neun Jahren gab er sein erstes Klavierkonzert. Der junge Franz reiste mit seinem ehrgeizigen Vater durch ganz Europa und wurde als Wunderkind und "wiedergeborener Mozart" gefeiert. Als sein Vater starb, war Franz erst 15 Jahre alt. Der Verlust war für den jungen Pianisten so schlimm, dass er zwei Jahre lang nicht mehr auftrat. Er lebte damals mit seiner Mutter in Paris. Um Geld zu verdienen, unterrichtete er Klavier. 

Das ist die Pariser Luft ...

Künstlertyp mit schwarzem Rollkragenpullover. Liszts Stil ist auch heute noch angesagt!

"Pariser Luft" zu schnuppern, war für Künstler dieser Zeit sehr anregend und sehr aufregend: Paris war damals ein wichtiges musikalisches Zentrum! Bis Liszt 20 Jahre alt war lernte er bereits viele berühmte Komponisten persönlich kennen: Frédéric Chopin, Niccolò Paganini, Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Giacomo Meyerbeer, Hector Berlioz und Felix Mendelssohn Bartholdy - die Crème de la Crème! Allerdings äußerte sich Mendelssohn sehr abfällig über Franz Liszt und Chopin nannte den einstigen Wunderknaben sogar eine "pianistische Null".
Liszt hatte Aufholbedarf und übte wie verrückt! Als Pianist war er dann auch erfolgreich, er wurde Klavierprofessor in Genf. Nur seine Kompositionen wollte zunächst niemand hören. Man sagte über ihn, er sei "unfähig zu komponieren". Doch er blieb hartnäckig und ab 1840 wurde er in Paris nicht nur als Klaviervirtuose, sondern auch für seine Klavierkompositionen gefeiert. 

Erfolgreich - als Pianist und Komponist

Begeistert lauschen die Zuhörer: Franz Liszt spielt Klavier.

Jetzt war Liszt einer der bedeutendsten Klavierkomponisten Europas. Er lebte zwei Jahre in Italien, reiste über den Kontinent und ließ sich schließlich als Dirigent in Weimar nieder. Dort schrieb er seine wichtigsten Kompositionen, kümmerte sich intensiv um die Aufführung zeitgenössischer Musik, u.a. von Robert Schumann und Richard Wagner, mit dem er befreundet war.

Die aktuelle Musik dieser Zeit war manchmal umstritten, so wie vieles, was neu und für die Ohren ungewohnt ist. Liszt selbst entwickelte die Form der Sinfonischen Dichtung. Das ist ein sinfonisches Orchesterwerk, das – im Gegensatz zur klassischen Sinfonie – nur aus einem Satz besteht, in dem aber das Tempo öfter wechseln kann. Einer Sinfonischen Dichtung liegt stets ein "Programm", also eine Idee, zu Grunde. Liszt setzte sich sehr für Programmmusik ein, denn seiner Meinung nach hilft es dem Publikum beim Hören eines Werkes, die Ideen zu kennen, die den Komponisten zu seiner Musik inspiriert hatten. 

Ein Wegbereiter des Neuen

Liszt schrieb nicht nur Musik, Liszt schrieb auch viel über Musik: Das heißt, er versuchte seine Ideen, wie sich Musik in seiner Zeit entwickeln sollte, anderen verständlich zu machen. Liszt gilt als einer der Hauptvertreter der Neudeutschen Schule, die ihre Artikel in der Neuen Zeitschrift für Musik veröffentlichte und sich für neue Wege in der Musik stark machte. Er gründete den Allgemeinen Deutschen Musikverein und veranstaltete Musikfestspiele. 

Bei den ersten beiden Bayreuther Festspielen, die von Richard Wagner gegründet worden waren, war Liszt dabei. Als er zum dritten Mal nach Bayreuth zu den Festspielen reiste, war er schon schwerkrank. Er starb am 31. Juli 1886 in Bayreuth und noch ein letztes Mal begegnete ihm hochrangige musikalische Prominenz: An Liszts Beerdigung spielte der Komponist Anton Bruckner die Orgel und improvisierte über Motive aus der Oper "Parsifal" von Richard Wagner. 


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