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Niccolò Paganini Der Teufelsgeiger

Der Geiger Niccolo Paganini beherrschte seine Geige so virtuos, dass die Leute vor 200 Jahren glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Was war das Geheimnis seines magischen Spiels?

Von: Markus Vanhoefer

Stand: 29.07.2017 | Archiv

Paganini, Niccolò Paganini, das ist ein Name, den vor knapp 200 Jahren viele Leute nur flüsternd mit einem Kreuzzeichen auszusprechen wagen. Denn sie sind überzeugt: Der Geiger Paganini kann nur ein Hexenmeister sein. Weißt du, was ein Virtuose ist? Nun, ein Virtuose ist jemand, der auf seinem Instrument unglaubliche Kunststücke aufführt. Und Paganinis Finger rasen in atemberaubender Geschwindigkeit übers Griffbrett, sein Bogen hüpft wie wild geworden über die Saiten. Dabei geschieht es: Der ganze Saal beginnt zu toben, schüchterne Frauenzimmer kreischen und fallen in Ohnmacht, gestandene, kriegsgestählte Soldaten heulen vor Rührung wie die Schoßhunde. Unglaublich, unvorstellbar! 

Mit dem Teufel im Bunde?

Woraus wurden früher Geigensaiten hergestellt? Aus Tierdärmen, lautet die Antwort. Im Fall von Paganini, so raunen sich die Menschen hinter vorgehaltener Hand zu, bestehe die G-Saite seiner Geige jedoch nicht aus dem gedrehten Darm eines Tieres, sondern - wie entsetzlich - aus dem Darm eines unschuldigen Mädchens.

Niccolò Paganini ist wirklich eine geheimnisvolle, Furcht einflößende Gestalt. Ein schmächtiges Männchen, auf dessen dürrem Körper ein übermächtiger Schädel thront. Pechschwarze Haarsträhnen umrahmen ein aschfahles Gesicht, sein Blick ist stechend, boshaft zuckt sein zahnloser Mund. Seine Konzertreisen machen ihn in ganz Europa von Paris über London bis Wien berühmt. In einer verdunkelten Kutsche fährt Paganini von Stadt zu Stadt. Der Geiger scheut das Licht, wie seltsam. Und dann isst er fast nichts, er gönnt sich höchstens eine Tasse faden Kräutertee, selbst im heißestem Sommer trägt er Pelz, denn er friert ständig. Zu keiner Sekunde lässt er seinen gewaltigen, zerschlissenen Geigenkasten aus den Augen, so als würde ein böser Fluch in ihm versteckt sein. Und das Allermerkwürdigste: Paganini übt nie. 

Schon zu Lebzeiten Paganinis verselbständigten sich die Gerüchte über den Teufelsgeiger. Paganini selbst profitierte von der brodelnden Gerüchteküche: Schließlich strömten die Menschen scharenweise in seine Konzerte. Regelmäßig sorgte er auch für neuen Gesprächsstoff. Etwa indem er nachts auf den Friedhof ging und dort ein Konzert für die Toten spielte.

Ein Leben wie ein Verbrecher?

Für den Film "Der Teufelsgeiger" schlüpfte der Stargeiger David Garrett die Rolle von Paganini.

Es gibt viele Rätsel um Niccolò Paganini, Gerüchte über Morde, die er angeblich begangen hat, Gefängnisstrafen, die er hinter düsteren Gefängnismauern abgesessen haben soll, und da sind einige Jahre, die weiße, unbedruckte Seiten im Buch seines Lebens für uns sind. Also, was wissen wir vom ihm? Niccolò Paganini wird 1782 in der italienischen Stadt Genua geboren. Noch herrschen Könige und Kaiser, noch tragen die Männer gepuderte Perücken, doch das wird sich bald ändern, alte Zöpfe werden abgeschnitten, die Dampfmaschine bestimmt den Takt einer neuen Zeit. 

Schwarze Magie, Hexerei - mehr als nur ein harmloses Gerücht?

Paganini ist nie richtig zur Schule gegangen. Der strenge, erbarmungslose Vater zwingt den jungen Niccolò von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Geige zu üben - und das jeden Tag. Paganini ist 19 Jahre alt, als er endlich von zuhause wegläuft, zunächst wird er Musiker im Orchester des Fürstenhauses von Lucca, später zieht er mit seinem Instrument wie ein Vagabund durch Italien. 1828 verlässt Paganini zum ersten mal sein Heimatland und bricht zu einer Konzertreise auf. Als Paganini, der Teufelsgeiger, 1840 in Nizza stirbt, weigern sich die Priester, Paganinis Leichnam in geweihter Erde beizusetzen.


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