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Do Re Mikro-Opernführer für Kinder Elvis und die Zauberflöte

Studioschaf Elvis landet als schräger Vogel in der "Zauberflöte". Ob es ihm gelingt, mit Prinz Tamino die entführte Prinzessin zu retten? Do Re Mikro-Autor Alex Naumann vermittelt Kindern einen urkomischen Einstieg in die Oper von Wolfgang Amadeus Mozart.

Von: Sylvia Schreiber

Stand: 17.02.2018

Durch einen Zaubertunnel rutscht Schaf Elvis im Affenzahn in ein merkwürdiges Land. Da fließen nicht Milch und Honig, sondern da liegt eine ekelhafte Schleimspur, in die Elvis erst mal hinein tappt. Als dann auch noch irgendwer um Hilfe singt – "Zur Hilfe, zur Hilfe, sonst bin ich verloren"  - würde Elvis am liebsten Reißaus nehmen. Geht aber nicht. Das berühmt-berüchtigte Zauberflötenungeheuer biegt um die Ecke, es verfolgt den singenden Prinzen! Elvis bekommt vor Staunen das Maul kaum mehr zu, als dann auch noch drei Damen, mit Sicherheit die Schwestern von Superman, dieses schleimige Monster mit ein paar deftigen "moves" zu Boden schmettern.

Ein Schaf im Wunderland von Sarastro und Papageno

Eigentlich müsste jetzt Papageno mit seiner Pfeife und dem Vogelkäfig trällernd die Bühne betreten. Aber nur eigentlich. Denn wir haben ja stattdessen Schaf Elvis. Er ist das perfekte Ebenbild des Vogelfängers: freche Klappe, immer hungrig. Darum wird Elvis, quasi als Urlaubsvertretung von Papageno, zum Partner von Prinz Tamino auf dessen abenteuerlicher Suche nach der geraubten Pamina. Und als dann Papageno doch noch auftaucht, hockt sich der faule Elvis kurzerhand als "Weißwollkauz" in dessen Vogelkäfig.

Eingedampfte Opernhandlung mit ordentlich Schwung!

Wie? Das ist kompliziert? Nein, wohl kaum im Vergleich zu den vielen Versatzstücken aus denen Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder ihre Geschichte zusammengestrickt haben! Allein über die Frage, wieso ein Liebespaar, das sich im Grunde gar nicht kennt, erst Prüfungen bestehen muss, haben Generationen von Musikwissenschaftlern gegrübelt. Do Re Mikro-Autor Alex Naumann kürzt das Libretto, was dem Handlungsstrang mehr Schwung gibt. Die drei obergescheiten Knaben beispielsweise bekommen in seiner "Zauberflöte" keinen Auftritt.

Infos zum Hörbuch

Elvis und die Zauberflöte
von Alex Naumann
Aus der Reihe: Elvis im Wunderland
Sprecher: Michael Tregor u.v.a.
The Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists
Leitung: John Eliot Gardiner
Verlag: Deutsche Grammophon

Ab sechs Jahren

Schaf Elvis, schusselig und schnoddrig von Michael Tregor gesprochen, löst den gordischen Knoten in dieser eingedampften Zauberflötenhandlung zwar nicht. Aber er mischt dafür den Laden ordentlich auf, zum größten Vergnügen des Zuhörers! So fällt Elvis über eine Portion Rote Beete her, was zu einer schrillen Pinkfärbung seiner für gewöhnlich weißen Schnauze führt. In dieser "Aufmachung" erschreckt Elvis den sonst so brutalen Monostatos zu Tode. Elvis äfft die gestelzte Sprache und die etepetete-Gewohnheiten des Prinzen nach. Und er bringt sogar den weisen Sarastro in Verlegenheit: Gert Heidenreich leiht dem Sonnengott seine sonore Stimme und lässt Sarastro überlegen, gelassen und doch nicht altklug rüberkommen.

So gefällt uns das Hörspiel:

Insgesamt bereichert Do Re Mikro-Autor Alex Naumann seine Fassung von Mozarts "Zauberflöte" in Gestalt von Elvis um einen naiv-frechen Blickwinkel. Er setzt viele bekannte Musikschnipsel fast schon filmmusikalisch ein und schafft herrlich groteske Szenen: Wenn Schaf Elvis sich mit seinem Cousin Detlef über die Welt der Oper unterhält. Die Dialoge haben eine höchst seriöse Anmutung, doch antwortet dieser Cousin in einem für uns Menschen komplett unverständlichen Kauderwelsch! Das erinnert an Papageno, wenn der von den drei Damen ein Schloß vor den Mund bekommt und nur noch "hmhmhmhm" sagen kann - oder an das neunmalkluge Pausengeplauder im Opernhaus, von dem man als Außenstehender nur "Bahnhof" versteht oder an einen Tenor, der heftig knödelt und der einen den Text allerhöchstens erahnen lässt.

Man muss nicht alles verstehen, um es gut zu finden. Das gilt für das Original der "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart wie auch für diese Version der "Zauberflöte" ala Schaf Elvis.


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