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Fasten Freiwillig verzichten

Jedes Jahr am Aschermittwoch heißt es für Christen: Fastenzeit! Sie dauert bis Ostern, ganz genau: bis Karsamstag. Aber nicht nur Christen fasten, sondern viele Menschen auf der ganzen Welt - und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Wir erzählen euch mehr darüber.

Von: Simone Wichert

Stand: 20.03.2018

Leerer Teller in der Fastenzeit | Bild: colourbox.com

Am Aschermittwoch beginnt für die Christen die Fastenzeit. Sie dauert bis Ostern, ganz genau: bis Karsamstag. Aber nicht nur Christen fasten, sondern viele Menschen auf der ganzen Welt, und das aus ganz verschiedenen Gründen: weil ihre Religion es vorschreibt oder weil es gesund ist, es reinigt nämlich den Körper. Alle großen Religionen haben bestimmte Fastenzeiten. Aber es gibt unterschiedliche Regeln dafür. Hier sind ein paar Beispiele:

Fasten im Christentum

Die Christen fasten zwischen Aschermittwoch und Ostern. Es gibt am Tag nur eine volle Mahlzeit und zwei kleine Stärkungen. Außerdem wird mittwochs und freitags kein Fleisch gegessen. Man denkt dabei an den Leidensweg von Jesus Christus: Er soll an einem Mittwoch verraten und an einem Freitag gekreuzigt worden sein. Wer nicht die komplette Zeit fastet, verzichtet wenigstens an Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung, auf Fleisch. Die vierzig Tage Fastenzeit vor dem Osterfest erinnern an Jesus' Fasten in der Wüste, von dem in der Bibel erzählt wird. Nur an den sechs Sonntagen während der Fastenzeit fasten Christen nicht: An einem Sonntag ist Jesus Christus nämlich auferstanden. Und das wird jeden Sonntag gefeiert. Auch in der Fastenzeit.

Fasten im Islam

Moslems fasten im Ramadan, ihrem heiligsten Monat. Das Datum ist nicht fest, jedes Jahr verschiebt sich der Ramadan um zehn Tage nach vorne. Deswegen fasten Moslems manchmal im Sommer und manchmal im Winter. Im Ramadan dürfen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen oder trinken. Die Sonne ist dann untergegangen, wenn man einen weißen nicht mehr von einem schwarzen Faden unterscheiden kann. Dann dürfen die Moslems wieder essen. Im Sommer ist das Fasten schwieriger durchzuhalten, denn da sind die Tage länger und es dauert länger bis Sonnenuntergang. Kinder müssen übrigens nicht fasten. Wenn Ramadan vorbei ist, wird das "Zuckerfest" gefeiert. Dann gehen die Kinder von Haus zu Haus und bekommen Süßigkeiten und Geschenke – ganz ähnlich wie an Halloween.

Fasten im Judentum

Der höchste Festtag der Juden ist Jom Kippur, der Versöhnungstag. An Jom Kippur wird sehr streng gefastet: Man isst nicht, trinkt nicht, wäscht sich nicht und arbeitet auch nicht. Außerdem gibt es noch fünf weitere Fastentage. An denen gedenken die Juden schlimmer Ereignisse in ihrer Geschichte: zum Beispiel als vor fast 2.000 Jahren von den Römern ihr Tempel gleich zweimal zerstört wurde. Manche Juden fasten auch am Todestag ihrer Eltern und manche ehren sogar ihren Hochzeitstag damit.

Fasten als Medizin

Man muss nicht einer bestimmten Religion angehören, um zu fasten. Viele Menschen machen das, um ihren Körper zu reinigen und Krankheiten endgültig auszuheilen. Diese Art zu fasten nennt man "Heilfasten". Dabei verzichtet man völlig auf feste Nahrung und trinkt mehrere Tage oder sogar Wochen nur viel Wasser und Kräutertee, ein wenig Saft oder Gemüsebrühe. Dabei ist nicht ein einziges Gummibärchen oder ein winziges Stück Schokolade erlaubt, schon gar kein Stück Fleisch! Der Körper stellt sich nämlich darauf ein, dass es gerade nichts zu verdauen gibt. Man hat auch keinen Hunger dabei. Nach dem Fasten muss man sich dann erst langsam und mit sehr kleinen Portionen wieder ans Essen gewöhnen. Zum Fastenbrechen gibt es zum Beispiel nur einen kleinen Apfel. Der schmeckt nach der Zeit ohne zu essen ganz besonders gut und macht ungeheuer satt und manchmal sogar müde.

ACHTUNG: KINDER DÜRFEN AUF KEINEN FALL FASTEN!

Kinder brauchen regelmäßig Nahrung, weil sie noch wachsen! Aber vielleicht hattet ihr auch schon mal bei Fieber oder einer Grippe keinen Appetit und wolltet höchstens Tee oder Saft trinken. Damit habt ihr schon kurz gefastet und eurem Körper damit gut getan: So musste er nicht ein Mittagessen verdauen - das ist nämlich schwere Arbeit für ihn! -, sondern konnte mit voller Kraft gegen die Grippe kämpfen und ihr seid schneller gesund geworden. Auch Tiere fressen nicht, wenn sie krank sind. Übrigens: Eine kleine Fastenzeit hält jeder Mensch ein: während er nachts schläft. Auf Englisch heißt deswegen das Frühstück auch breakfast - Fastenbrechen.

Freiwillig verzichten

Ihr möchtet mitmachen, wenn eure Eltern fasten? Dann könnt ihr auch einfach auf etwas verzichten, das ihr sehr gerne mögt und vermissen werdet: Schokolade, Gummibärchen oder auch Fernsehen oder das Lieblingsspielzeug. Nach dem Fasten erlebt ihr dann, was jeder Fastende erlebt: große Freude und Dankbarkeit für das, worauf ihr so lange freiwillig verzichtet habt!


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