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Superfood Kurkuma So gesund ist das Gewürz Kurkuma tatsächlich

Mit Kurkuma werden Currys gekocht und Eierschalen gefärbt. Mittlerweile wird das Gewürz als Superfood gepriesen und als goldene Milch getrunken. Doch wie gesund ist Curcumin tatsächlich? Und wie wird die Kurkuma-Pflanze zum Pulver?

Stand: 24.09.2018

Die Triebe der Kurkuma-Pflanze ähneln Ingwerknollen, sind aber kräftig orange gefärbt. Die unterirdischen Triebe, die Rhizome, werden zu Pulver vermahlen. Man kann das Gewürz zum Kochen oder für goldene Milch verwenden. Das enthaltene Curcumin kann sich positiv auf die Verdauung auswirken. | Bild: picture-alliance/dpa/Arco Images GmbH

Kurkuma gibt dem Curry seine typische goldgelbe Farbe, wird aber nicht nur zum Würzen, sondern auch zum Färben verwendet, als goldene Milch getrunken und auch für medizinische Zwecke benutzt. Viele bezeichnen Kurkuma inzwischen als "Superfood". Während 2011 laut Statistischem Bundesamt knapp 2.400 Tonnen Kurkuma als Knollen oder Pulver importiert wurden, waren es fünf Jahre später bereits rund 3.500 Tonnen - so viele wie noch nie. Woher kommt der Kurkuma-Boom?

Kurkuma ist mehr als zwölf Millionen Jahre alt

Die Gattung Curcuma ist wahrscheinlich schon mehr als zwölf Millionen Jahre alt. "Aber die Nutzung geht sicher nur auf die letzten zehntausend Jahre zurück, als die Menschen im Ganges-Delta mit der Landwirtschaft und Nutzung von Pflanzen begonnen haben", erklärt Susanne Renner, Professorin für Botanik an der Ludwig-Maximilians-Universität und Direktorin des Botanischen Gartens München. Genaueres zum Alter der Kurkuma weiß man nicht - weil man über die Kurkuma-Arten selbst noch zu wenig weiß.

Die Kurkuma-Pflanze

Kurkuma-Pflanzen haben schildförmige Blätter und bunte Hochblätter. Sie brauchen einen warmen, feuchten Standort. Regenwald ist ideal.

Die Gattung Curcuma gehört zur Familie der Ingwergewächse, den sogenannten Zingiberaceae. Wie der Ingwer besitzt die Kurkuma sogenannte Rhizome, also Triebe, die unterirdisch wachsen. In den Rhizomen speichert die Pflanze besonders viele Nährstoffe. Innerhalb der Gattung Curcuma gibt es etwa hundert Arten, die meisten davon sind noch gar nicht erforscht. Curcuma longa ist die bekannteste Kurkuma-Sorte. Sie wir auch Gelbwurz genannt und ist in Indien, auf Java und Sumatra, in Thailand, China und sogar in Australien zuhause. Eine Kurkuma-Pflanze braucht es warm. Sie gedeiht gut, wenn es nicht kälter als 21 Grad Celsius wird und die Luft feucht ist. Im schattigen Boden von Regenwäldern fühlt sie sich am wohlsten.

"Die Kurkuma-Pflanze ist eine krautige Pflanze, die mit ihren großen, schildförmigen Blättern ein kleines bisschen der Banane ähnelt. Die ganze Pflanze wird 40 Zentimeter bis einen Meter hoch. Oben sind Blütenstände dran mit unscheinbaren Blüten, aber farbig auffälligen Hochblättern", beschreibt Susanne Renner die Kurkuma-Pflanze. Welche Blütenfarbe eine Kurkuma hat, kommt auf ihre Art an. Die Curcuma longa zum Beispiel hat weißlich-gelbe Blüten, die Blüten anderer Arten können aber auch tief-orange, rosa oder grünlich sein.

"Da gibt es wunderschöne Pflanzen. Das ist so eine schöne Familie, die Zingiberaceaen allgemein, die Ingwergewächse allgemein, aber auch speziell die Curcuma-Gattung."

Susanne Renner, Botanikerin, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Triebe der Kurkuma werden zu Pulver

Die unterirdischen Triebe ähneln denen des Ingwers. Das enthaltene Curcumin färbt sie kräftig orange.

Das Rhizom ist der Teil der Kurkuma-Pflanze, der genutzt wird. Die intensiv orange Farbe der Triebe entsteht durch den Inhaltsstoff Curcumin (auch: Kurkumin). Die Pflanze wird ausgegraben, die Seitentriebe des Rhizoms werden abgeschnitten, gewaschen und kurz gekocht. Die Korkschicht wird abgeschält, die Triebe werden zehn Tage lang an der Sonne getrocknet. Dann werden sie zu Pulver gemahlen. Kurkuma-Pulver schmeckt leicht würzig und ein bisschen erdig-bitter. Es enthält ätherische Öle, Harze, Eiweiße, Zucker und etwa fünf Prozent Curcumin. Curcumin wird heute oft als Zusatzstoff verwendet, er färbt zum Beispiel Senf oder Magarine gelb. Der Farbstoff trägt die Nummer E100.

Als Gewürz kam Kurkuma über die Seidenstraße nach Europa

Kostbare Gewürze wurden bereits im Altertum und in der Antike gehandelt. Land- und Wasserwege zwischen Asien und Europa machten es möglich. Eine der wichtigsten Routen war die Seidenstraße, die von China über Indien und Zentralasien zum Mittelmeer führte. Als erster Europäer beschrieb der venezianische Händler Marco Polo Kurkuma. Er stieß im 13. oder 14. Jahrhundert auf einer seiner Reisen nach Südostasien auf die exotische Pflanze. Heute ist Kurkuma bei uns aber nicht nur so beliebt, weil es sich so gut im Kochtopf macht. Dem Curcumin werden auch zahlreiche positive Eigenschaften auf den menschlichen Körper zugeschrieben.

Kurkuma in der traditionellen indischen und asiatischen Medizin

Die Kurkuma-Triebe werden getrocknet und zu Pulver vermahlen. Es steckt in Currys - und in unserem Senf, als E100.

In Indien und Asien wird Kurkuma schon seit Tausenden von Jahren als Heilpflanze verwendet. In Deutschland arbeiten viele Heilpraktiker mit Curcumin. Patienten mit Verdauungsbeschwerden oder mit erhöhten Leberwerten bekommen Kurkuma in Kapsel- oder Pulverform. Die im Rhizom enthaltenen Stoffe sollen auch entzündungshemmend wirken und die Gallenproduktion anregen. Ob Kurkuma auch gegen andere Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer wirkt, dazu gibt es mittlerweile Tausende von Publikationen. Bislang sind rund 11.000 wissenschaftliche Arbeiten zu Curcumin, dem einen von rund 720 Inhaltsstoffen der Kurkuma-Pflanze, erschienen. Allein im Jahr 2017 waren es rund 1.500 Arbeiten, etwa 160 davon sind klinische Studien. Der Münchner Mediziner Peter Schnabel von der TU München hat sich mit seinen Kollegen vom Forschungsprojekt "Noxenkatalog" über drei Jahre lang viele der Veröffentlichungen genauer angesehen. Sein Fazit:

"Nicht eine einzige Arbeit bringt den Nachweis, dass es irgendwelche Wirkungen bei den vielen, vielen Erkrankungen gibt. Curcumin wird praktisch als Allheilmittel angepriesen, nicht nur gegen Krebs. Das stimmt schlicht und ergreifend nicht."

Peter Schnabel, Allergologe, TU München

Curcumin-Wirkung am Menschen zu wenig erforscht

Viele Arbeiten seien gar nicht erst beendet, einige sogar zurückgezogen worden, erzählt Schnabel. Und bei den veröffentlichten Arbeiten stehe am Ende oft der Satz: Man wisse noch nicht genau, welche Mechanismen dahinter stecken und man werde die Untersuchungen dazu weiterführen. Dass Curcumin in der wissenschaftlichen Analyse so negativ beurteilt wird, liegt daran, dass die meisten Studien Ergebnisse von reinen Laboruntersuchungen oder Tierversuchen sind oder zu geringe Teilnehmerzahlen aufweisen. Daraus lässt sich eine allgemeine Wirkung beim Menschen nicht ableiten. Und auch der Stoff Curcumin selbst ist kein einfacher Kandidat:

"Dieser Stoff ist extrem empfindlich. Der hält nicht lange durch, fällt sofort auseinander und vor allen Dingen: Eine Grundvoraussetzung, die alle Medikamente oder alle Substanzen, die zum Medikament werden wollen, mitbringen müssen, die Wasserlöslichkeit, fehlt ihm. Damit ist schon mal eine Grundvoraussetzung, dass dieser Stoff aus dem Darm aufgenommen werden, in den Körper gelangen und dort verteilt werden kann, nicht gegeben."

Peter Schnabel, Allergologe, TU München

Zu lange auf nicht mehr haltbare Curcumin-Studie gestützt

Peter Schnabel hat eine Vermutung, warum trotzdem so intensiv an dem Stoff geforscht wird: Die Wissenschaft habe sich lange Zeit an der Forschungsarbeit vor allem eines Mediziners orientiert. Vor einigen Jahren wurde diese dann aber genauer unter die Lupe genommen - mit dem Ergebnis, dass viele der wissenschaftlichen Aussagen aus heutiger Sicht nicht mehr haltbar sind. Trotzdem werde er bis heute zitiert, sagt Schnabel.

Vielversprechende Anwendungsbereiche?

Krebsprävention

Krebszellen sind entartete Zellen des Körpers, die sich ständig teilen. Curcumin soll die Teilungsraten von Zellen verlangsamen oder sie sogar absterben lassen. Allerdings stammen die Forschungsergebnisse größtenteils aus Experimenten mit isolierten Zellen im Labor oder aus Tierversuchen. Hier wurden oft auch sehr hohe Dosierungen verabreicht, die sich so beim Menschen nicht erreichen lassen. Es ist auch noch nicht eindeutig erklärt, ob sich die Modelluntersuchungen überhaupt auf den lebenden Menschen übertragen lassen.

Alzheimer und Demenz

Bei neuro-degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz sterben Nervernzellen ab. Curcumin soll die Funktion der Mitochondrien in den Nervenzellen wieder ankurbeln. Aber auch hier ist nicht abschließend erforscht, inwieweit sich die Ergebnisse auf den lebenden Menschen übertragen lassen. Nur ein Bruchteil des Curcumins kann im Darm absorbiert werden und wird dann stark verstoffwechselt. Noch ist auch nicht eindeutig geklärt, was im menschlichen Körper genau wirken könnte: das Curcumin oder seine Stoffwechselprodukte? Auch sind im Gewürz Kurkuma nicht mehr als fünf Prozent Curcumin enthalten. Die Menge an Curcumin, die wir über Lebensmittel aufnehmen können, ist verschwindend gering.

Und Curcumin wirkt doch!

Ganz wirkungslos sei das Curcumin aber trotzdem nicht, räumt der Mediziner Peter Schnabel ein:

"Ja das ist schon so, dass das Curcumin entzündungshemmend und vor allen Dingen antioxidativ wirkt. Das heißt also: Diese Oxidationsvorgänge, die im Körper ablaufen und im Ernstfall zu Zellschädigungen führen, die werden sicherlich dadurch abgemildert oder gebremst. Was auch bis heute von der Schulmedizin und von der Naturmedizin akzeptiert ist, sind tatsächlich eben die Magen-Darm-Beschwerden, also etwa die Geschichte mit Blähungen. Und es hilft bei der Fettverdauung, das ist auch nachgewiesen. Also für solche Dinge kann man das durchaus benutzen."

Peter Schnabel, Allergologe, TU München

Weitere Kurkuma-Studien sind nötig

Goldene Milch - oder Kurkuma-Latte - wird mit warmer Kuh- oder Pflanzenmilch, Kurkuma und anderen Gewürzen zubereitet.

Bei schweren Krankheiten wie Krebs könne Kurkuma nach Ansicht von Peter Schnabel nicht helfen. Darauf sollten Patienten nicht hoffen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen zieht den Schluss, dass alle bisherigen Studien zu Kurkuma hauptsächlich der Grundlagenforschung dienten. Sie würden zwar Hinweise darauf geben, welches Potenzial in Kurkuma stecken könnte, aber dies würde noch nicht ausreichen, um auf eine sichere Wirkung bei einer bestimmten Erkrankung beim Menschen schließen zu können.

Für genauere Erkenntnisse sind weitere Studien am Menschen mit einer ausreichend hohen Zahl von Teilnehmern und für den Menschen geeigneten Dosierungen nötig. Auch daran, wie Curcumin im Körper besser aufgenommen werden kann und eben nicht größtenteils schnell wieder ausgeschieden wird, muss weiter geforscht werden. Die EFSA (European Food Safety Authority) hat jedenfalls im Jahr 2010 empfohlen, nicht mehr als zwei Milligramm Curcumin pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu verzehren.

Hinweise der Verbraucherzentrale zu Kurkuma

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät, vor der Behandlung mit Curcumin unbedingt das Produkt, die Dosierung und mögliche Nebenwirkungen mit einem Arzt abzusprechen. Curcumin kann zu allergischen Reaktionen, Übelkeit, Blähungen, Durchfall oder Schmerzen im Verdauungstrakt führen. Schwangere und Stillende sowie Patienten mit Gallensteinen sollten auf Kurkuma-Präparate verzichten. Da Kurkuma die Gallensaftproduktion fördert, kann es sonst zu einer Gallenkolik kommen. Dass Kurkuma sich positiv auf die Verdauung auswirke und bei Beschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl helfen könne, sei unbestritten. Die Verbraucherzentrale rät jedoch davon ab, Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung einer Krankheit zu verwenden: Hierfür würden die notwendigen Zulassungen und Wirknachweise fehlen. Als Mittel gegen Krankheiten bei Menschen sei der Kurkuma-Extrakt Curcumin noch nicht ausreichend erforscht und erprobt. Die Verbraucherzentrale rät, Curcumin-Werbung, insbesondere zu Krebserkrankungen und Alzheimer, kritisch zu sehen.


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