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Die Biene Kleinstes Nutztier der Welt

Die Honigbiene ist unser kleinstes Haustier - und eins der wichtigsten: Sie bestäubt achtzig Prozent unserer Nutzpflanzen und viele Wildpflanzen. Obstbauern hätten ohne Bienen kaum etwas zu ernten - und wir kein Honigbrot.

Stand: 28.02.2018

Imker aus Villingen bei ihren  Bienenstöcken | Bild: picture-alliance/dpa

Honigbienen sind nicht nur für unsere Volkswirtschaft unentbehrlich. Sie sind ein Triumph der Evolution: Seit etwa 40 Millionen Jahren verrichten sie ihr Werk, und das immer nach dem gleichen Staatensystem. Sie haben sechs Beine und Flügel, doch abgesehen davon sind Honigbienen dem Menschen so ähnlich wie kein anderes Insekt. Wie der Mensch leben sie auf dichtestem Raum zusammen und bilden eine äußerst differenzierte Arbeitsteilung aus. Bienen sind Ingenieure, Architekten, Meister der Vorratswirtschaft; sie navigieren und kommunizieren auf hohem Niveau, leisten sich ein komplexes Sozialsystem - und können sogar als Minensucher ausgebildet werden.

Superorganismus Bienenstaat

Bienen gehen mit gutem Beispiel voran: Sie sind geschickte Baumeister und verwenden "intelligentes" Material. Bienen heizen ihren Stock nicht nur umweltfreundlich und effizient, sie "backen" sich ihre Nachkommen mit eben den Eigenschaften, welche die aktuelle Umweltsituation erfordert. Und während wir zu Skalpell und Botox greifen, dreht die Honigbiene den Lauf des Lebens einfach um: Fehlt es einem Volk an Nachwuchskräften, entwickeln sich die älteren Semester zurück ins Jugendstadium.

Dunkle Verwandte der Honigbiene

Einwanderer als Imkerliebling

Honigbiene ist nicht gleich Honigbiene. Allein neun Arten kennt man in der Gattung der Honigbiene. In Europa ist vor allem die westliche Honigbiene (Apis mellifera) beheimatet. Deren Unterart Apis mellifera carnica, die heute oft beim Imker ihr Zuhause hat, ist allerdings nicht diejenige, die in Deutschland früher verbreitet war. Vor rund 150 Jahren waren es die Dunklen Bienen (Apis mellifera mellifera), die typischerweise von Imkern gehalten wurden. Ihren deutschen Namen hat sie nicht ohne Grund bekommen: Der Körper der Biene wirkt so dunkel, dass ihre Ringe fast nicht mehr zu erkennen sind. Nördlich der Alpen war diese Rasse die dominierende Art.

Die sanftmütigere Schwester

Apis mellifera mellifera

Die Dunklen Bienen wurden inzwischen bei den Züchtern von ihren südosteuropäische Verwandten, vor allem der Kärntner Biene (Apis mellifera carnica), verdrängt. "Die Carnica-Biene ist seit 50 Jahren die dominante Honigbiene in Deutschland", sagt der Präsident des Deutschen Imkerbundes Peter Maske. Auch stark vertreten ist die englische Kreuzung Buckfast. Die Dunkle Biene spielt dagegen keine große Rolle mehr. Der Grund für die Abwendung der Züchter in der Vergangenheit lag laut Maske in der Aggressivität der Bienen, "deshalb hat man sich entschlossen, die sanftmütigere Carnica einzuführen." Bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) landete die Dunklen Biene deshalb auch auf der Roten Liste. 2004 war sie gefährdete Nutztierrasse des Jahres.

Rettung der Dunklen Biene

Dunkle Bienen

Unterschiedlichen Typen der Dunklen Bienen gibt es immer noch. In der Schweiz, Polen, Holland und auch Teilen Skandinaviens gibt es kleinere Bestände. Drei Ökotypen zählt die Deutsche Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Biene (GEDB), deren Vorfahren wahrscheinlich ursprünglich einmal in Deutschland geschwirrt sind: Die Schwarze Biene, die Heidebiene und die Braune Biene. Die Gesellschaft möchte die unterschiedlichen Typen der Dunklen Bienen, die im Ausland überlebt haben, in ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurückbringen. Demnach soll die Schwarze Alpenländische wieder in Süddeutschland beheimatet werden. Eine Weiterzüchtung will man durch die Gemeinschaft nach ihren Erhaltungsrichtlinien nicht.

Imker züchten dunkle Verwandte

Österreichische Braunelle

Einen anderen Ansatz verfolgen Imker wie Thomas Petermann aus München-Lochhausen vom Zuchtverband Dunkle Biene Deutschland e.V. Laut Petermann gibt es rund 50 bis 60 Imker in Bayern, die wieder Typen von Dunklen Bienen züchten wollen oder schon Halter sind. Er selbst züchtet die Schwarze Alpenländische. Oberstes Ziel des Verbandes sei eine "genetisch rein dunkle" Biene, die sanftmütig und robust ist und ein eindeutiges Erscheinungsbild hat. Die Honigleistung sei dabei nicht so wichtig. Die Dunkle Biene bringe auch Vorteile mit: "Dadurch, dass sie langsamer brütet, kann sie auch besser Frost im Frühjahr überstehen, sagt Petermann.

Probleme

Eine richtige Ansiedlung der Dunklen Biene könnte aber auch etwas kompliziert werden. Die Probleme laut Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim sind zum einen der Umstand, dass sich die Dunklen mit den Carnica paaren könnten. Die Nachkömmlinge aus diesen Verbindungen könnten vom Verhalten her schwieriger sein. Zum anderen besteht auch ein Problem, dass es keine abgeschotteten Gebiete für die Dunklen Bienen gibt. "Man müsste im Grunde fordern, dass sich die Imker in einem Gebiet auf die Dunkle Biene konzentrieren", so Peter Rosenkranz.

Arbeit für den Mensch

Für den Menschen leisten die Bienen mit ihrer Bestäubung einiges. Sogar der Rinderbraten würde ohne Bienen fad schmecken, denn sie sorgen durch die Bestäubung für artenreiche Wiesen und damit für würziges Heu. Nach Rindern und Schweinen sind sie das drittwichtigste Haustier. Doch die Leistungen der Bienen wurden den meisten Menschen erst bewusst, als immer öfter über Probleme bei Bienenvölkern berichtet wurde.

Honigbienen und Imker in Deutschland

Auf Pollen- und Nektarsuche

In Deutschland gibt es derzeit rund 120.000 Imker mit rund 830.000 Bienenvölkern (Stand 02.01.2018, Deutscher Imkerbund). Allein in Bayern pflegen fast 34.000 Imker rund 250.000 Bienenvölker (Stand: 25.1.2017). Bayern hat darüber hinaus überdurchschnittlich viele Imker unter 18 Jahren. Im Schnitt betreut ein Imker sechs bis sieben Völker, nur ein Prozent der Imker sind im Vollerwerb mit über 50 Völkern. Dabei ist auffällig, dass es in den letzten Jahren immer mehr Imker gibt. Dagegen war die Zahl der Bienenvölker zurückgegangen, steigt inzwischen aber wieder leicht an. Eine einzelne Biene müsste für ein 500 Gramm-Glas Honig dreimal um die Erde fliegen.

Insgesamt schwirren durch Deutschland geschätzte vierzig Milliarden Honigbienen. Das Sammelgebiet eines Volkes ist fast 50 Quadratkilometer groß. Bei guten Bedingungen fliegen Arbeiterbienen täglich bis zu 30 Mal aus und besuchen pro Flug 200 bis 300 Blüten. Im Schnitt ernten alleine die Mitglieder des Deutschen Imkerbundes zwischen 15.000 und 30.000 Kilogramm Honig pro Jahr. Hochgerechnet vertilgt jeder Bundesbürger mehr als ein Kilo Honig pro Jahr. Von all den heimischen Honigproduzenten können aber nur rund 20 Prozent unseres Bedarfs gedeckt werden. Honig wird deshalb importiert - etwa aus China, Mexiko und der Ukraine.

Das Problem mit dem gepanschten Honig

Gestreckter Honig

Nicht jeder Honig, den es in der EU zu kaufen gibt, erfüllt die in der Union geltenden Standards: Manchmal wird zum Beispiel Zucker zugesetzt und der Honig dadurch gestreckt. Auf diese Weise werden die Verbraucher getäuscht. 2015 gab es einen groß angelegten Honig-Qualitätstest in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten plus der Schweiz und Norwegen. Die Länder ließen im Rahmen des sogenannten "Coordinated control plan" mehr als 2.200 Stichproben - von Honig, der entweder in den EU-Mitgliedsstaaten produziert oder aus Drittländern importiert wurde - analysieren. Rund 20 Prozent der Honig-Stichproben fielen durch.
Vor allem Honig aus China, dem weltgrößten Exporteur und größten Lieferanten Europas, steht immer wieder unter Pansch-Verdacht. Chinesischen Importhonig gibt es nach Angaben des Deutschen Imkerbundes auf dem Weltmarkt bereits für 1,20 Euro pro Kilo. Dagegen kostet in Deutschland produzierter Honig 12 bis 15 Euro. Imkerbund-Präsident Peter Maske sagt, die chinesischen Hersteller verstünden es sehr gut, Honig zu verfälschen. Dass er mit Fructose, also Fruchtzucker, gestreckt wird, sei nur eine von vielen Möglichkeiten.

Honig-Qualität

Woher wissen wir, ob wir uns "echten", reinen Honig aufs Brot schmieren?

Helmut Horn, Experte für Honiganalyse an der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim (Baden-Württemberg) sagt, Honig sei in Deutschland eines der am besten kontrollierten Nahrungsmittel. Allein auf den Tischen der Landesanstalt landen rund 1.500 Proben im Jahr.

Könnte deutscher Honig gestreckt sein? Dazu meint Helmut Horn: "Das würde uns auffallen."

Fachleute wie Horn prüfen unter anderem die Zusammensetzung des Zuckers im Honig, den pH-Wert und den Aminosäuregehalt. Unter dem Mikroskop können sie anhand der Pollen-Zusammensetzung erkennen, woher ein Honig kommt oder ob mehrere Sorten gemischt wurden. Nur bei solchen Mischprodukten finde Horn auch gelegentlich Hinweise, dass Honig gestreckt wurde.

Misch-Honig

Honig zu mischen, ist nicht verboten und auch keine Panscherei. Trotzdem wissen die Verbraucher oft nicht, woher der Honig denn genau her kommt.

Imkerbund-Präsident Peter Maske berichtet, es sei ausreichend, zu schreiben: "Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern". Aber kommt der Honig dann aus Deutschland oder Rumänien und China oder Mexiko? "Der Verbraucher ist der Geprellte", meint Maske. "Er weiß nicht, was er isst." Der Deutsche Imkerbund vergibt ein eigenes Qualitätslabel für deutschen Honig.

Für die Verbraucherorganisation Foodwatch ist die aktuelle EU-Kennzeichnung eine "Farce". Aus ihrer Sicht müssten die Hersteller von Lebensmitteln verpflichtet werden, mindestens die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben.

Am 1. März 2018 war der gefälschte Honig Thema im Europaparlament. Die Abgeordneten stimmten in Brüssel mit 560 zu 27 Stimmen für bessere Kontrollen, klarere Kennzeichnungen und härtere Strafen für Honigpanscher. Die verabschiedete Resolution ist allerdings nicht mehr als ein Appell an die Mitgliedsstaaten - diese sind für die Umsetzung zuständig. Bei der Kennzeichnung geht der Aufruf weiter in Richtung EU-Kommission für einen entsprechenden Gesetzesentwurf.

  • "Besorgte Imker - Gefährliche Seuche für Bienen": am 29.12.2017 um 17:30 Uhr, Abendschau BR-Fernsehen
  • "Bienenkundler Peter Rosenkranz - Das Bienensterben und seine Folgen": am 18.08.2017, 06.05 Uhr, radioWelt, Bayern 2
  • "Bienen richtig halten - Was sollen Hobby-Imker beachten?": am 23.08.2017, 6:05 Uhr, radioWelt, Bayern 2
  • "Imkerzüchterverein - Nachwuchsförderung am Bienenstock": am 18.06.2017, 17:45 Uhr, Schwaben & Altbayern, BR Fernsehen
  • "Tiere der Heimat - Der Bienenstaat": am 15.05.2017 um 14 Uhr, ARD-alpha
  • "Ich mach's - Tierwirt/in (Fachrichtung Imkerei)": am 21.10.2013 um 19 Uhr, ARD-alpha

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