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Doping im Skisport Zwei Jahre nach "Operation Aderlass" - was Dopingfahnder gelernt haben

Die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld war überschattet von der Doping-Razzia "Operation Aderlass". Polizei und Sondereinsatzkommando nahmen Langläufer und Komplizen des Doping-Arztes Mark Schmidt fest. Was haben die Doping-Fahnder daraus für die aktuelle WM in Oberstdorf gelernt?

Von: Sebastian Krause

Stand: 23.02.2021

Die Doping-Kontrollen in Oberstdorf sind strenger als bei den Weltmeisterschaften davor. Die Siegerinnen und Sieger je Wettkampf werden auf jeden Fall getestet, klar. Das ist Standard.

Neu: Dopingtests unmittelbar vor den Wettkämpfen

Aber: Die Athletinnen und Athleten müssen jetzt auch direkt vor den Wettkämpfen mit Dopingtests rechnen. Hintergrund ist, dass das Doping-Netzwerk um den mittlerweile veruteilten Sportmediziner Mark Schmidt genau diesen Zeitraum ausgenutzt hatte.

Und nur durch eine Polizei-Razzia konnte etwa der österreichische Ski-Langläufer Max Hauke mit der Nadel im Arm, in flagranti sozusagen, erwischt werden.

Damals unvorstellbar für Lars Mortsiefer von der deutschen Anti-Doping-Agentur NADA, die gemeinsam mit dem Weltskiverband FIS für die Dopingtests bei der WM in Oberstdorf zuständig ist.

"Wir konnten uns in der Tat nicht vorstellen, dass jemand unheimlich kurz vor dem Wettkampf, sich nicht in einen Tunnel begibt, wie man das aus dem Sport kennt, sich fokussiert auf sein Rennen, und dann an den Start geht. Jetzt haben wir gelernt, dass Leute dann in ein anderes Hotel-Zimmmer gegangen sind, den Arm raus strecken, und sich dann Blut rückführen lassen."

Lars Mortsiefer

Humanalbumin hilft bei der Verschleierung

Deshalb jetzt also auch Kontrollen unmittelbar vor den Wettkämpfen. Eine andere Methode, um das Doping mit Eigenblut zu verschleiern, war für die Doper um Arzt Mark Schmidt die Einnahme von Humanalbumin.

Humanalbumin ist Blutplasma, der flüssige Bestandteil des Blutes - nur eben von außen zugeführt, so Professor Mario Thevis vom Doping-Kontrolllabor in Köln.

"Humanalbumin ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Blutes, was bei Bluttransfusionen bzw. bei Blutdoping dann zum Einsatz kommt, wenn die Blutparameter korrigiert werden müssen, damit sie bei Kontrollen nicht auffällig werden."

Mario Thevis

Humanalbumin, perfekt also zum Ausgleichen auffälliger Blutwerte. Und - obwohl die Substanz schon lange auf der Dopingliste steht - ist sie bei Routine-Kontrollen offensichtlich nicht nachweisbar.

Die NADA sagt zwar, dass sie aufgrund der neuen Erkenntnisse noch mehr darauf schaut, wie die Doping-Proben im Labor analysiert werden. Hält sich aber weiter bedeckt.

Arme werden auf Einstiche kontrolliert

Nicht bedeckt hält sie sich bei einem anderen Punkt: Die NADA will bei der WM die Arme der Athletinnen und Athleten nach Einstichstellen und ungewöhnlichen Hämatomen kontrollieren lassen. Was in der Vergangenheit nie gemacht wurde.

"Dementsprechend haben wir gesagt, da müssen wir stärker proaktiv werden. Das man zumindest sagt, machen sie mal den Oberkörper frei, oder zeigen sie uns zumindest beide Arme, dass man solche Dinge relativ leicht umsetzt, aber relativ schwierig ist es trotzdem, weil es das Regelwerk bisher nicht hergegeben hat, aber jetzt ist es drin."

Lars Mortsiefer.

Lehren aus der "Operation Aderlass"

Änderungen im Regelwerk, noch strengere Kontrollen und ein neues Präventions-Programm, dass für alle Sportlerinnen und Sportler Pflicht ist - die Doping-Fahnder haben also aus der Operation Aderlass gelernt.

Was die neuen Maßnahmen tatsächlich bringen, ist schwer einzuschätzen. Auf jeden Fall aber wird es schwieriger zu dopen als noch vor zwei Jahren bei der WM in Seefeld.


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