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Zeitumstellung Im Frühling: Uhren werden auf Sommerzeit vorgestellt

Wer morgens ohnehin nicht so gut aus dem Bett kommt, der hat jedes Jahr am letzten Wochenende im März ein Problem: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden dann die Uhren eine Stunde vorgestellt: von Winterzeit auf Sommerzeit. Die Uhr springt also von 2 Uhr auf 3 Uhr. Was soll das?

Author: Anne Buchholz und Veronika Baum

Published at: 30-3-2024

Ein Techniker in Medfiel (USA) bewegt die Uhrzeiger einer 500 kg schweren Uhr mit einem Durchmesser von mehr als 3,5 Metern, die für ein Resort in Vietnam gebaut wurde. | Bild: dpa-Bildfunk/Elise Amendola

Eselsbrücke: vor oder zurück?

Wer verwirrt ist, in welche Richtung die Uhr bei der Sommerzeit gestellt werden muss, dem hilft vielleicht dieser Merkspruch mit den Gartenstühlen. Im Frühling stellt man sie VOR die Tür – also Uhren vorstellen. Im Herbst stellt man die Stühle wieder ZURÜCK in den Schuppen und auch die Uhren zurück.

Jedes Jahr wird uns am letzten Märzsonntag morgens zwischen zwei und drei Uhr eine Stunde gestohlen. Handyuhren sind in der Regel mit dem Internet verbunden und stellen sich automatisch um. Auch Funkuhren bekommen das Signal übermittelt und "springen" um eine Stunde nach vorne. Nur die Uhr am Backofen in der Küche zeigt am Sonntagmorgen Ende März meist noch die "alte" Zeit und muss von Hand neu eingestellt werden. Am letzten Oktoberwochenende läuft es dann genau umgekehrt: Die Uhren werden mitten in der Nacht von drei auf zwei Uhr zurückgedreht. Wir bekommen eine Stunde geschenkt und können morgens eine Stunde länger schlafen. Wer hat sich denn so etwas ausgedacht?

Benjamin Franklins Idee:

Benjamin Franklin ist bis heute als Erfinder des Blitzableiter weltberühmt. Er ist auf jeder US-amerikanischen 100-Dollar-Note abgebildet.

Der amerikanische Politiker, Wissenschaftler und Erfinder Benjamin Franklin ärgerte sich an einem Frühlingsabend vor über 200 Jahren, dass ihm viel zu früh das Licht zum Lesen fehlte, während er morgens schon vom Tageslicht geweckt wurde. Das brachte ihn auf die Idee: Warum nicht einfach die Uhren im Frühjahr eine Stunde nach vorne drehen? So hätte man abends eine Stunde mehr Tageslicht – und Zeit zum Studieren! Obwohl er seinen Zeitgenossen vorrechnete, wie viele Kerzen man so einsparen könnte, wollte damals niemand etwas von seiner Idee wissen.

Gibt es einen Energiespareffekt?

Erst viele Jahrzehnte später erinnerte man sich wieder an seine Idee. In Deutschland wurde im Jahr 1980 der Wechsel von Sommer- und Winterzeit eingeführt. Nur der erhoffte Energiespareffekt blieb aus: Es stimmt zwar, dass man abends das Licht erst viel später einschalten muss. Leider ist es aber auch so, dass viele Menschen im Frühling und Herbst morgens noch die Heizung hochdrehen, weil es eine Stunde früher eben auch noch spürbar kälter ist. Auch das kostet Energie. Die Zeitumstellung spart also nicht so viel Energie wie gedacht.

Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Das Europäische Parlament hat im März 2019 beschlossen, die Zeitumstellung aufzugeben. Eigentlich sollte im Jahr 2021 das letzte Mal an der Uhr gedreht werden. Doch damit die Änderung in Kraft treten kann, müssten die EU-Staaten mehrheitlich zustimmen und für ihr Land eine Regelung finden. Dazu gab es bislang noch keine Einigung.


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