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Satzzeichen Punkt, Komma, Strich - unsere Satzzeichen

Wenn einer ohne Punkt und Komma spricht, dann hat er meist keine Ahnung, was er gerade sagt. Etwa wie eine Automatenstimme. Nur wenn man weiß, welche Wörter zusammengehören und wo ein Satz zu Ende ist, entsteht ein Sinn. In den Sätzen hilft dabei das Komma und es kann dumm ausgehen, wenn das mal vergessen wird.

Von: Karen Zoller und Simone Wichert

Stand: 06.02.2020

Punkt, Punkt, Komma, Strich | Bild: colourbox.com

Eine kleine Kommageschichte

Vor langer, langer Zeit begab es sich, dass ein Bösewicht hingerichtet werden sollte. Kurz zuvor wurde nach dem König geschickt, ob er ihn begnadigen wolle. Der Bote des Königs überbrachte ein Schriftstück mit folgender Botschaft: "Ich komme nicht köpfen".

Was könnte der König gemeint haben? Etwa "Ich komme, nicht köpfen!", oder womöglich das Gegenteil? Nämlich: "Ich komme nicht, köpfen!"? Ein Komma am falschen Platz kann also den Sinn eines Satzes völlig verdrehen. Wie diese Geschichte ausging, wissen wir nicht. Aber wir wissen, wann es anfing mit den Satzzeichen.

Die ersten Punkte vor rund 3.000 Jahren

Auf dieser Inschrift auf dem Obelisken vor dem Petersdom in Rom erkennt man gut die Punkte zwischen den Wörtern.

Bald nachdem die Menschen begonnen hatten, Dinge aufzuschreiben, mussten sie sich nämlich noch ein paar Zeichen einfallen lassen, damit der Leser auch den Sinn verstehen konnte.

Die ältesten Satzzeichen, von denen wir wissen, wurden knapp neunhundert Jahre vor Christus östlich des Toten Meeres in einen Stein geschlagen. "Mescha"- oder "Mesa-Stele" heißt dieser Stein, in dessen Text es um einen damaligen Krieg geht und auf dem zwischen•allen•Wörtern•ein•Punkt•gemeißelt•ist.

Es dauerte nämlich ziemlich lang, bis man darauf kam, zwischen den Wörtern einfach einen kleinen Zwischenraum zu lassen. Das Leerzeichen. Dieses kleine Nichts zwischen zwei Wörtern ist wahrscheinlich das meistbenutzte Satzzeichen überhaupt.

Von den Griechen zu den Römern

Von Punkt und Komma, so wie wir sie kennen, können wir die Geschichte bis zu den alten Griechen zurückverfolgen. Und von denen haben es dann die Römer übernommen. Sie markierten auf Wachstafeln das Ende eines Satzes durch einen Einstich mit dem Griffel.

Die Bezeichnung Punkt oder genauer punctum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: das "Gestochene". Das Komma hieß auch bei Griechen und Römern so und das bedeutet "Abschnitt".

Lesehilfen für Vorleser

Bis vor über 1.200 Jahren wurde hauptsächlich laut vorgelesen. Striche und Punkte im Text waren als Hilfe für den Vorleser gedacht, damit der wusste, wann er eine Pause machen sollte. Regeln gab es dafür nicht.

Achte auf die Tüpfelung!

Wer will, kann statt "Satzzeichen" auch "Interpunktion" sagen. Das kommt vom lateinischen interpunctio, was "Abteilung durch Punkte" bedeutet. Vor rund 300 Jahren hat man hie und da aber auch einfach "Tüpfelung" gesagt, wenn man von den verschiedenen Punkten und Kommata gesprochen hat.

Aber bald schon fingen die Menschen, an auch mal nur für sich selbst zu lesen - ganz in Stille oder höchstens noch mit einem leisen Gemurmel. Jetzt wurden die Satzzeichen auf eine neue Art wichtig. Denn je mehr still gelesen wurde, desto komplizierter wurden die Texte. Wer etwas nicht verstanden hatte, konnte den Satz ja noch mal nachlesen. Das ging beim Vorlesen vor vielen Menschen nicht. Die Satzzeichen zeigten, was zusammengehört, durch die kleinen Häkchen und Punkte entstand ein Sinn.

Die Satzzeichen werden vereinheitlicht

Eines der ersten gedruckten Bücher war die "Gutenberg-Bibel" - natürlich mit Satzzeichen.

Ausgesehen hat es in den Texten trotzdem noch wie Kraut und Rüben. Jedes Buch wurde damals einzeln angefertigt, abgeschrieben von einem Schreiber. Und die gestalteten die Satzzeichen, wie sie gerade lustig waren.

Seit ungefähr 550 Jahren werden Bücher gedruckt und ein Exemplar gleicht dem anderen. Und so sehen auch Punkt und Komma und all die anderen Satzzeichen seither gleich aus.


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