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Ortsnamen Wie Städte und Dörfer zu ihren Namen kamen

Es gibt schon ein paar sehr seltsame Ortsnamen in Deutschland. Da fragen wir uns automatisch, warum die Orte so benannt wurden. Auch die Orte mit den "normalen" Namen haben den aus bestimmten Gründen bekommen.

Von: Kerstin Öchsner

Stand: 20.04.2018

Ortsschild Elend im Harz | Bild: picture-alliance/dpa

Pups, Schmarrnzell, Kloo oder Elend – es gibt schon ein paar sehr seltsame Ortsnamen in Deutschland. Da fragen wir uns automatisch, ob es in Pups zum Beispiel immer stinkt oder die Leute in Schmarrnzell nur Schmarrn reden. Bei den meisten "normalen" Ortsnamen denken wir dagegen selten darüber nach, warum die Orte heißen, wie sie heißen.

Dabei sind alle Ortsnamen einmal aus irgendeinem Grund entstanden – und zwar schon vor Hunderten oder sogar Tausenden von Jahren. Allerdings lief es selten so ab, dass die Bürger sich versammelten und abstimmten, wie ihr Ort einmal heißen sollte: Oft haben sich die Namen ganz natürlich entwickelt, aus dem, was gerade naheliegend war.

-heim, -burg und -kirchen – Lesen aus Endungen

An den Endungen kann man das heute noch ganz gut erkennen: An "-heim", "-hausen" oder "-hofen" kann man sehen, dass dort einmal jemand gewohnt hat, "zu Hause" war. Pfaffenhofen zum Beispiel war wohl ursprünglich mal der Hof eines Pfaffen, eines Pfarrers also. Und so funktioniert das noch mit vielen anderen Endungen: Orte, die auf "-burg" und "-berg" enden, liegen normalerweise etwas höher, Orte auf "-bach" in der Nähe eines Baches, in Orten auf "-kirchen" stand eine Kirche und so weiter.

Die Endung "-furt" bezeichnet wortwörtlich auch eine Furt, also eine Stelle an einem Fluss oder Bach, die so flach war, dass Menschen und Tiere zu Fuß durchs Wasser auf die andere Seite gelangen konnten. In Zeiten, als es noch nicht so viele Brücken gab, waren solche Furten besonders wichtige Orte. Und die Namen dieser Orte gaben wahrscheinlich Auskunft darüber, wie tief das zu durchquerende Wasser genau war: In Schweinfurt konnten also sogar kurzbeinige Schweine durch das Wasser waten, in Ochsenfurt ein Stück weiter mainaufwärts dagegen war die Furt nur noch für etwas größere Tiere geeignet.

Die Endung "-ing", die in vielen Gegenden so häufig vorkommt, hat dagegen keine richtige eigene Bedeutung. Sie ist eine altdeutsche Nachsilbe, die anzeigt, dass etwas zu etwas gehört: Der Münchner Stadtteil Pasing zum Beispiel gehörte etwa einmal "den Leuten des Paso".

Stöbern in der Vergangenheit

Viele Ortsnamen haben sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende stark verändert. Um die Bedeutung eines Ortsnamens herauszufinden, müssen Namensforscher deshalb in alten Archiven und Urkunden stöbern und herausfinden, wie die Orte früher hießen.

Würzburg mit Festung Marienberg.

So können sie entdecken, dass zum Beispiel Schweinersdorf bei Freising ursprünglich Swanahiltadorf hieß – benannt nach einer Frau namens Swanahilt. Über die Jahrhunderte hat sich nur die Aussprache verschliffen und verändert – mit Schweinen hatte Schweinersdorf aber nie etwas zu tun.

Lustige Ortsnamen und woher sie kommen

Zurück zu Pups, Schmarrnzell, Kloo und Elend. Auch da haben die Namenforscher geforscht und können nun vermuten, wie die Namen einmal entstanden sind.

  • Pups: Mit schlechter Luft hat Pups zum Glück nichts zu tun. Der winzig kleine Ort im Landkreis Rosenheim hieß im 14. Jahrhundert noch Pupfs. Wahrscheinlich, weil dort einfach mal ein Mann namens Pupf wohnte. Wie der gerochen hat, ist allerdings nicht überliefert ...
  • Kloo: Auch der kleine Ort Kloo in der Nähe vom Tegernsee ist nach seinen ehemaligen Einwohnern benannt. Und warum jemand Kloo heißt? Die Namensforscher vermuten, dass das aus einer Art spöttischem Spitznamen entstanden ist: Kloo bedeutet auf Mittelhochdeutsch Klaue – vielleicht hatte der Namensträger sich einfach mal die Hand gebrochen, so dass sie danach ein wenig seltsam aussah ...
  • Schmarrnzell: In Schmarrnzell – zwischen Augsburg und München gelegen – reden die Leute auch nicht mehr Schmarrn als anderswo. Vor einigen hundert Jahren hieß Schmarrnzell noch "Smergenzelle". "Zelle" bedeutete so viel wie Bauernhof und das vorangestellte "smergen" erklärte einfach, dass der Boden dort recht lehmig war.
  • Elend: Elend klingt nicht gerade nach einem Platz, wo man gern hin möchte. Umso erstaunlicher, dass gleich sechs Orte in Bayern diesen Namen tragen. Mit Kummer und Not haben die zum Glück aber wenig zu tun. Elend bedeutete im Mittelalter einfach nur "fremdes Land" oder "einsames Land". Und so haben die Nachbarn einen anderen Ort in der Gegend durchaus mal bezeichnet, wenn sie ihn und seine Einwohner noch nicht kannten ...

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