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Umlaute Ä, Ö, Ü Umgelautete Laute = Umlaute

Die Pünktchen, die unsere Buchstaben A, O und U zu den Umlauten Ä, Ö und Ü machen, sind aus einem kleinen E entstanden. Das hat man früher über das A, das O und das U gesetzt. Wenn man in 500 Jahre alte Bibeln, Bücher oder sonstige alte Drucke schaut, sieht man, dass ein Ä dort als A mit einem kleinen E drüber gedruckt ist.

Von: Ursel Böhm und Simone Wichert

Stand: 06.02.2020

Alte Handschrift mit dem Buchstaben E über einem Vokal als Vorläufer des Umlautes. | Bild: picture-alliance/dpa

Schuld ist das I

Dass man ein kleines E übers A schrieb, damit zum Beispiel aus einem kraftig ein kräftig wurde, hat folgenden Grund: Wenn du mal "iiiii" sagst, und dann "aaaaa", merkst du, dass dein Mund und deine Zunge die Laute ganz unterschiedlich bilden. Das I ist ziemlich weit vom A entfernt. Ä und I liegen aber näher beieinander. Deshalb ist es bequemer, nicht kraftig, sondern kräftig zu sagen. Dasselbe gilt für das O, wenn bald danach ein I kommt wie zum Beispiel bei hoflich - oder besser höflich.

Umlaute aus Zungenfaulheit

Unsere Umlaute sind also aus Zungenfaulheit entstanden. Und: Umlaute heißen Umlaute, weil diese Laute ein bisschen umgelautet sind. Verschoben in Richtung i. Immer wenn im zweiten Teil des Wortes ein I auftaucht, wird ein A, O oder U zum Umlaut. Weitere Beispiele: dämlich, täglich, erbärmlich ...

Vor ungefähr 200 Jahren, so vermuten die Wissenschaftler, haben die Strichlein oder die Pünktchen dann das kleine E ersetzt. Der Grund war: noch mehr Faulheit.

Schließlich ist es einfacher, anstatt des kleinen Es zwei kleine Strichlein zu machen. Diese Strichlein sind dann noch mal vereinfacht worden zu zwei Pünktlein. Diese beiden Umlautpünktchen sind also das letzte Ergebnis der Faulheit, ein kleines E zu schreiben.

Slahist Gansi

Aber es gibt ja auch Worte mit Umlauten ohne eine Endung auf i. Zum Beispiel: Du schlägst. Obwohl hier kein I in der Endsilbe auftaucht, ist das A zum Ä geworden. Das kommt daher, dass in althochdeutscher Zeit, also vor 1.000 Jahren, in der Endsilbe ein I war. Es hieß: Du slahist. Das I ist im Laufe der Zeit verschwunden, aber seine Folgen sind geblieben.

Ebenso: die Gänse. Im Plural lautete es im Althochdeutschen: Gansi. "Du schlägst die Gänse" hieß also "slahist Gansi". Später dann "slähist Gänsi". Und noch später sind die Endsilben verschwunden. Was blieb, war: "schlägst Gänse".

Also: Auch wenn es in vielen Wörtern mit Ä, Ö oder Ü jetzt kein I danach mehr gibt, haben diese Wörter früher mal eine Endung mit I gehabt.


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