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Zwischen Weihnachten und dem 6. Januar Rauhnächte – eine wilde Zeit "zwischen den Jahren"

In Bayern heißen die zwölf Nächte vom Heiligen Abend bis zum Dreikönigstag am 6. Januar "Rauhnächte". Früher glaubte man, in dieser Übergangszeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr könne man in die Zukunft sehen. Mit kunstvollen, handgeschnitzten Masken und wilden Pelzgewändern ziehen in dieser Zeit in vielen Gemeinden Hexen, Teufel und Dämonen lautstark durch die Straßen, um die bösen Geister zu vertreiben.

Von: Kathrin Reikowski und Veronika Baum

Stand: 06.01.2021

Perchtenverein in Aschach an der Donau | Bild: colourbox.com

Früher erlebten die Menschen zum Beispiel als Bauern noch viel stärker die Kräfte der Natur. Sie glaubten an Wesen in der Natur, die in Pflanzen oder Tieren lebten. Einige besaßen gute Kräfte, die sie beschützten - andere böse Kräfte, die Unheil brachten. In den "Rauhnächten" erhoben sich diese Dämonen zu einer "wilden Jagd". radioMikro-Reporterin Kathrin Reikowski hat mit der Geschichtenerzählerin lona Picha-Höberth und Josephine, Alexander und Valentin über diese faszinierende dunkle Zeit und ihre Bräuche gesprochen.

"Rauhnächte" oder "Raunächte"?

Wie ist die richtige Schreibweise? Heute darf man die Rau(h)nächte mit oder ohne "h" schreiben. Es ist nicht eindeutig geklärt, woher der Name kommt. Vielleicht stammt er von den vielen "rauen", also haarigen Gestalten, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben. Möglich ist aber auch, dass der Name mit dem Brauch des Räucherns zu tun hat: Mit Weihrauch und Gebeten wurde in dieser Zeit das Haus gesegnet. Es hieß also früher "Rauchnächte".

Die Tage zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar galten als etwas Besonderes: Es ist die Zeit, so glaubte man, in der Dämonen aktiv sind. Das liegt daran, dass das alte Jahr ins neue Jahr wechselt und es eine Übergangszeit gibt. Am 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres und die längste Nacht. Danach wird es morgens wieder früher hell und abends etwas später dunkel. All das brachte die Menschen auf den Gedanken, dass nun die Tore zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Geister geöffnet sind.

Frau Percht und Herr Wode - Geistwesen auf den Feldern und am Himmel

War man früher um die Zeit der Rauhnächte abends zu lange unterwegs, dann konnte man schon mal zwei Gestalten begegnen - so glaubten die Menschen. Die eine Gestalt war der Wode. Wode ist eine abgeleitete Form vom germanischen Gott Wotan. Er war der Anführer der Totengeister. Und als solches fürchtete man ihn, weil man glaubte, er würde mit einer Schar von Geistern und Gespenstern, von Hexenwesen und bockbeinigen Gesellen über den Himmel fahren. Wer ihm begegnete, wurde vielleicht mitgenommen und verschleppt.

Die andere Gestalt war Frau Percht: Eine gute, mütterliche Kraft. Sie zog in einem goldenen Wagen über die Felder und achtete auf die Natur und die Menschen. Mit ihr zogen die Seelen von verstorbenen Kindern, auf die sie acht gab. Wer in seinem Haus blieb, konnte darauf hoffen, von Frau Perchts feierlichem Zug gesegnet zu werden. Und dann im nächsten Jahr eine reiche Ernte zu bekommen.

Was verbirgt sich hinter dem Brauch?

Die Bräuche der Rauhnächte hatten auch ihr Gutes: Die Menschen sollten zu Hause bleiben, sich wärmen, die Vorräte teilen und möglichst wenig arbeiten. Wer um diese Jahreszeit viel in der Kälte unterwegs war und sich mit anderen Menschen traf, der konnte sich leichter eine Krankheit einfangen.

Es gab für diese Zeit noch viele weitere Bräuche: Zum Beispiel sollte man keine Wäsche waschen. Damals musste die Wäsche ja draußen, im kalten Wasser gewaschen werden. Wer das machte, erkältete sich leicht. Genau wie diejenigen, die die noch feuchte, frisch gewaschene Wäsche anzogen. Da konnte man sich schon mal vorstellen, dass die Wäsche von bösen Geistern besetzt war. Weil es kaum Medizin gab und man sich nicht gut mit Krankheiten auskannte, war der Rückzug also das beste Mittel, um gesund zu bleiben. Die Idee, es sich zu Hause gemütlich zu machen und es sich gut gehen zu lassen - war gut. Und zwar vor 2.000 Jahren genauso wie vor hundert Jahren auf den Bauernhöfen oder im heutigen kalten Winter.


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