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Krippe Vom Jesuskind bis zu den Heiligen Drei Königen

Maria, Josef und das Jesuskind, dazu die Heiligen Drei Könige - und auch Ochs und Esel dürfen nicht fehlen: Woher kommt die Tradition der Krippenfiguren zum Anschauen und Nachspielen?

Von: Isabelle Auerbach

Stand: 07.01.2018

Das Jesuskind in der Futterkrippe, umringt von Maria, Josef, dem Ochs und dem Esel sowie den Heiligen Drei Königen. Manchmal gesellen sich auch noch Hirten mit Schafen dazu – ob aus Linden- oder Zirbelholz geschnitzt, ob vergoldet, mit Ölfarben bemalt, lasiert oder naturbelassen. Diese Figuren gehören bei uns heute in die Weihnachtskrippe wie der geschmückte Christbaum ins Wohnzimmer.

Aber das war nicht immer so, denn bis vor ungefähr 400 Jahren wurden die Krippen nur in Kirchen aufgestellt und nicht in den Wohnzimmern. Im 17. Jahrhundert begannen die Südtiroler Bergbauern aus dem Grödnertal, während der Winterzeit Krippen aus Holz zu schnitzen. Sie fertigten an ihren Werkbänken die Heilige Familie an und ergänzten ihre Holzfiguren mit vielen Holztieren und Krippenställen. So gelangten die Weihnachtskrippen in viele private Häuser, wo sie bis heute die großen und kleinen Krippensammler erfreuen.

Die erste lebende Weihnachtskrippe

Diese Darstellung der Flucht von Maria auf dem Esel mit dem Jesuskind im Arm ist schon sehr alt: Das Vorbild stammt aus der Gotik. Wir müssen in der Geschichte noch weiter zurückgehen, ganz an den Anfang der Krippen. Vermutlich war es 1223 der Heilige Franz von Assisi, der die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel erstmals mit lebenden Personen und Tieren nachgestellt hat. Dafür wählte er in einem Wald eine Futterkrippe aus, in der Nähe des Klosters Greccio. Warum? Er wollte auf diese Weise für alle Gläubigen, die nicht lesen konnten, die Bibelgeschichte veranschaulichen.

Ochs und Esel gehörten da übrigens noch nicht dazu, denn die kommen in der Weihnachtsgeschichte aus der Bibel gar nicht vor. Etwa 70 Jahre später errichtete ein italienischer Bildhauer in der Sixtinischen Kapelle in Rom die älteste Krippe der Welt: Er modellierte Alabasterfiguren, eine Art Gipsfiguren, auf einen Altar.

Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts begann dann für die Holzschnitzer die Hochphase, denn nicht nur die großen katholischen Kirchen von München bis Innsbruck, sondern auch die kleineren Kirchen und Kapellen wurden zur Weihnachtszeit mit Krippen geschmückt. Damals füllten nur die Holzfiguren von Maria und Josef mit dem Jesuskind und Ochs und Esel die Krippen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen immer mehr Figuren dazu wie die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar sowie viele Hirten mit ihren Schafen. Die Stallungen wurden mit einem Kometen und einem Verkündigungsengel versehen.

Die heutigen Weihnachtskrippen

Heute gibt es traditionelle und moderne Krippen in vielen verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel orientalische mit Kamelen oder peruanische mit bunten Ponchos, Wollmützen und Alpakas und sogar welche von einem bekannten Spielzeughersteller mit Plastikfigürchen! Aber ob naturbelassen, lasiert, bemalt oder vergoldet - jeder Weihnachtskrippe wohnt ein ganz eigener Zauber inne.

Wer sich für die Geschichte der Krippen interessiert, sollte unbedingt ins Nationalmuseum in München gehen, um sich die wertvollste Krippensammlung der Welt anzuschauen - sie geht von Anfang November bis Ende Januar. Dort sind neben Figuren aus Bayern und Tirol auch viele Weihnachtsszenen aus den wichtigsten Krippenzentren Italiens zu bewundern.


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