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Der Caganer Eine typisch katalanische Krippenfigur

Unglaublich. Aber es ist nicht zu übersehen. Neben der Weihnachtskrippe mit Maria, Josef und dem Jesuskind hockt eine kleine Gestalt mit nacktem Hintern und verrichtet ihr "großes Geschäft" – inklusive einem ordentlichen Haufen. Ein echter Griff ins Klo? Oder was hat es mit dem Caganer, einer typisch katalanischen Krippenfigur, auf sich?

Von: Veronika Baum

Stand: 11.12.2017

Caganer - Katalanische Krippenfigur | Bild: picture-alliance/dpa

In Spanien ist es üblich, dass die Weihnachtskrippe mit den Figuren der Heiligen Familie, Ochs und Esel schon in der Adventszeit aufgestellt wird. Entweder am 8. Dezember – das ist das Fest "Mariä Empfängnis" – oder am "Tag der Heiligen Lucia" – das ist der 13. Dezember. In Katalonien, also in der Gegend um Barcelona, darf in der Krippe eine sehr eigenwillige Figur nicht fehlen: der Caganer. Auf den ersten Blick scheint da ein Mann vor der Krippe zu sitzen. Er trägt die typische Tracht eines katalanischen Bauern: Eine rote Kappe mit schwarzem Rand, sein weißes Hemd hat er hochgekrempelt, dazu hat er schwarze Hosen an und einen roten Gürtel. Wer die kleine Figur umdreht, entdeckt, dass der Mann, die Hosen heruntergelassen hat und mit nacktem Hintern neben der Krippe hockt. Mehr als deutlich verrichtet er gerade sein "großes Geschäft"! Einen ordentlichen Haufen ...

Auf der Suche nach dem göttlichen Kind

Ursprünglich war die Krippenfigur mit dem nackten Hinterteil in der Krippe nicht so leicht zu entdecken. Als Verstecke sind auch im spanischen Katalonien Sträucher, Holzstapel oder Heuhaufen beliebt. Es ist nämlich Brauch, dass katalanische Kinder, wenn im Dezember zum ersten Mal die Krippe zu Hause aufgebaut ist, sofort losstürzen und in der Krippe nach dem "Scheißerchen" suchen, weil es eben immer woanders versteckt wird. "Alle Jahre wieder" soll beim Suchen der Blick der Kinder am Ende auf das Wesentliche gelenkt werden – also auf das neu geborene göttliche Kind in der Krippe. Dafür ist offenbar jedes Mittel recht: So hockt das "Scheißerchen" auch ganz ungestört in vielen katholischen Kirchen Kataloniens. Sein offizieller Name: Caganer.

Das Wort "Caganer" ist lateinischen Ursprungs und leitet sich von cacare ab. Hier hört man die Verwandtschaft zum deutschen Verb "kacken" relativ deutlich heraus. Im Katalonischen ist der "Caganer" auch ein liebevolles Kosewort für ein Kleinkind, das eben noch nicht sauber ist. So wie man auch bei uns vom "kleinen Scheißer" spricht. Die Krippenfigur ist aber kein Kind, sondern ein Erwachsener – ein Bauer. Man nimmt an, dass das "Scheißerchen" vor etwa 200 Jahren in Mode kam. Das lässt sich nicht genau sagen. Genauso wenig, ob es wirklich eine spanische Erfindung ist. Auch in Italien, konkret in Neapel, gibt es einen Cacone. Klar ist, dass man damals in den Krippen nicht mehr nur das Leben von Adeligen und Königen zeigen wollte, sondern den stinknormalen Alltag der Hirten und anderer Figuren: Plötzlich wurden sogar Schweine, die unter dem Tisch nach Essen wühlen, in den häuslichen Krippen aufgebaut. Ein bisschen Spott über die angeblich derbe ungehobelte Landbevölkerung war damals wohl auch dabei.

Ein Häuflein Glück

Der Caganer hat noch eine ganz weitere Funktion: Er ist ein Glücksbringer. Schließlich ist sein großer Haufen ein wichtiger Dünger. Das "Scheißerchen" steht für den Kreislauf des Lebens. Die heilige Erde der Krippe wird durch die Düngung fürs kommende Jahr vorbereitet. Der Caganer soll dann nicht nur dem Krippenbauer Glück bringen, sondern auch all denen, die die kackende Figur in der Krippe entdecken.

Sind wir nicht alle Caganer?

Wer sich heute auf den Krippenmärkten in Barcelona oder im Internet umguckt, findet dort eine Fülle von unterschiedlichen Caganern: Es reicht von Angela Merkel über Donald Trump, Lionel Messi bis zu Spiderman oder Batman. Alle mit einem eindeutigen braunen Haufen unter sich. Sogar der Papst ist dabei – und keiner sollte sich darüber aufregen. Seit etwa 30 Jahren gilt es als besondere Ehre, wenn man es als Promi-Caganer in die Krippe geschafft hat. Selbstverständlich gibt es mittlerweile auch Frauen in Hockstellung – und noch eine andere Figur: den Pinkler, den "Pixaner".


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