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Marmota Maps // Skigebiete-Karte Warum die Alpen jetzt weniger Pisten haben

Glaubt man der neuen Skigebiete-Karte, dann schrumpfen in den Alpen die Pistenkilometer – bei manchen Gebieten gehen sie sogar um die Hälfte zurück. Aber keine Angst: Schuld ist nicht der Klimawandel!

Von: Uli Knapp

Stand: 10.11.2016 | Archiv

Herausgeber Marmota Maps mit Karte | Bild: marmota maps

Vor einem Jahr kam die erste Version einer schlicht „Skigebiete der Alpen“ genannten Karte heraus. Als Erste ihrer Art. Und jetzt gibt es eine aktualisierte. Sie misst 1,40 Meter auf einen Meter und passt gut neben die Glotze oder übers Bett. Aber irgendwas ist anders. Schaut man genau auf die Zahlen, fällt auf: Es fehlen drei Skigebiete und etliche Pistenkilometer im Vergleich zur "alten" Karte. An Klimawandel oder Schlampigkeit liegt das aber nicht.

Hersteller ist Marmota Maps, ein Projekt der Grafikdesignerin Lana Bragina und des Journalisten Stefan Spiegel aus Hamburg. Nordlichter mit der Liebe zu Bergen.

"Meine Eltern sind mit meinen Brüdern und mir immer schon Ski gefahren. Ich fahr' Ski, seit ich denken kann. Deshalb ist das schon ein großer Teil von mir, auch wenn ich unglücklicherweise nicht in der Nähe eines Skigebietes wohne. Das ist logistisch eine Katastrophe, weil man immer so weit fahren muss."

(Stefan Spiegel) 

Trotz "Standortnachteil" war Stefan schon in fast allen großen Skigebieten der Alpen. Und es überraschte ihn, dass es noch keine länderübergreifende Karte der Skigebiete der Alpen gab. Der Hamburger glaubt, dass es den Blick von außen braucht, um so ein Projekt umzusetzen. Erst kürzlich war er in Innsbruck und sagt: "Die Menschen dort interessieren sich nur für Tirol. Die waren auch noch nie in Frankreich Skifahren. Das wundert mich, weil es dort so viele schöne Skigebiete gibt. Den Überblick über die Alpen bekommt man nicht, wenn man dort wohnt. Den bekommt man nur, wenn man woanders wohnt, und die Alpen als Ganzes betrachtet."

Stefan Spiegel wollte unbedingt diese Karte machen.  Und zwar gedruckt für die Wand und nicht nur digital für den Bildschirm. "Das geographische Verständnis für irgendeinen Ort oder ein Land kann man am Computer nicht bekommen, weil der Bildschirm einfach zu klein ist. Man guckt ganz anders drauf, weil man immer nach etwas sucht, und sich die Karte nicht in Ruhe anschaut. Wenn man eine Karte an der Wand hat, versteht man die Alpen und wie die Skigebiete liegen. Das war mein Wunsch."

Und den Wunsch hat er sich mit der Karte erfüllt. Auf ihr sind alle Skigebiete abgebildet, die Pisten mit mehr als fünf Kilometern Länge haben. Bei jedem Skigebiet steht dabei, wie viele Pistenkilometer zusammenkommen und wie viele davon blaue, rote und schwarze Pisten sind. Und grade da hat sich einiges getan im Vergleich zum Vorjahr. Ohne, dass die Hamburger etwas übersehen hätten.

"Die Pistenkilometer gehen total runter, obwohl kein Skigebiet verschwunden ist. Es gibt so krasse Fälle wie Adamello Ski, ein Gebiet in Italien. Die hatten vorher 100 Pistenkilometer und jetzt haben sie nur noch knapp über 50. Sie haben das einfach mal vernünftig ausgemessen und angepasst. Da gab es früher völlig absurde Messverfahren. Zum Beispiel hat man die Fahrlinie gemessen, mit Kurven. Ich glaube, viele haben das Pi mal Daumen geschätzt und da noch ein paar Kilometer draufgerechnet. Das geht jetzt nicht mehr. Deshalb sinkt die Anzahl der Pistenkilometer in den Alpen, obwohl kein Skigebiet geschlossen hat."

(Stefan Spiegel)

Manche Skigebiete geben den Schmu also zu. Deshalb sind es jetzt 274 Pistenkilometer weniger als 2015. Das macht aber nicht so viel aus bei insgesamt über 20.000. Übrigens: Auch die Anzahl der Skigebiete hat sich verringert. Das liegt am Zusammenschluss einiger Gebiete zum neuen Verbund St. Anton-Lech-Zürs-Warth-Schröcken. So wurden aus 636 Skigebieten 634.

Die Alpenkarte gibt es mittlerweile auch in einer Sommerversion und richtet sich an Bergsteiger. Hier sind nicht die Skigebiete eingezeichnet, sondern die wichtigsten Berge und einige Fernwanderwege.

Im März 2017 wollen die Macher ihr Kartensortiment um ein Element erweitern: Es soll eine Surfkarte herauskommen. Wie die genau aussieht, will Stefan Spiegel aber noch nicht verraten.


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