Wissen - Klimawandel

UN-Klimakonferenz 2017 in Bonn endet heute

Weltklimagipfel COP 23 UN-Klimakonferenz 2017 in Bonn endet heute

Stand: 17.11.2017

Vom 6. bis 17. November tagte in Bonn die 23. UN-Klimakonferenz. Die gesteckten Ziele wurden erreicht, doch die sind nur die Vorarbeiten für den nächsten Weltklimagipfel in einem Jahr. Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel.

Elf Tage lang diskutieren knapp 30.000 Delegierte aus den 197 Staaten der UN-Klimakonferenz darüber, wie sich das Pariser Klima-Abkommen von 2015 praktisch umsetzen lässt. Das Paris-Protokoll, Nachfolger des Kyoto-Protokolls, soll die vom Menschen verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zu den Werten vor der Industrialisierung begrenzen. Rund 170 Staaten haben das Abkommen bereits ratifiziert.

Ziele der diesjährigen UN-Klimakonferenz

Im Fokus waren auf dieser Weltklimakonferenz in Bonn vor allem die Vorarbeiten für ein "Regelbuch". Dieses "Rule book" soll die Klimaschutz-Zusagen der einzelnen Staaten überprüfbar und miteinander vergleichbar machen. Es gehe ums "Kleingedruckte" im "Grundgesetz des Klimaschutzes", erläuterte Karsten Sach, Leiter der Abteilung Klimaschutzpolitik im Bundesumweltministerium, vorab.

Die Positionen aller beteiligten Staaten wurden dafür in Bonn erfolgreich zusammengetragen, auf Hunderten von Seiten. Damit habe die UN-Klimakonferenz ihren Auftrag erfüllt, erläuterte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Anschluss. Mehr war für COP23 nicht geplant. Auf dem nächsten Klimagipfel Ende 2018 in Kattowitz in Polen müssen diese einzelnen Verhandlungstexte dann zu einem zusammengeführt werden, der von den Staaten der Klimakonferenz verabschiedet werden kann, was vermutlich der strittigere Teil sein wird.

So weit hat die diesjährige Klimakonferenz also ihre gesteckten Ziele erreicht. Doch offenbar nicht mit Schwung, sondern eher im Schleichschritt: Ein Teilnehmer der Konferenz urteilte, es sei noch nie so wenig Adrenalin im Spiel gewesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von "Trippelschritten beim Klimaschutz" und auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace vermisste "Mut und Enthusiasmus" auf dem Weltklimagipfel:

"Der oft beschworene Pariser Geist blitzt in Bonn kaum auf."

Sweelin Heuss, Greenpeace-Geschäftsführerin

Regelmäßige Nachbesserung als Regelwerk

Den Pariser Geist wird die UN-Klimakonferenz aber auch in den folgenden Jahren noch oft brauchen, denn man will nicht bei den ehrgeizigen Plänen, die 2015 in Paris verabschiedet wurden, stehen bleiben. Bereits jetzt ist klar: So ließe sich das Zwei-Grad-Ziel nicht mehr halten. Damit die Klimaerwärmung nicht höher ausfällt, müssen alle Staaten der UN-Klimakonferenz nachbessern, und das regelmäßig: Alle fünf Jahre sollen die Nationen ihre eigenen Klimaschutzziele verschärfen. Ab 2018 starten die Nachbesserungsrunden im Testlauf, ab 2023 dann regelmäßig alle fünf Jahre. Auch Deutschland ist hier mit seinen eigenen Zielen gefragt, denn auch wir hinken unseren Klimaschutzplänen hinterher.

Doch Deutschland, das sich lange als Musterschüler im Klimaschutz gefiel, enttäuschte auf der UN-Klimakonferenz. Angesichts der gleichzeitig noch stattfindenden Sondierungsgespräche einer möglichen nächsten Regierungskoalition aus CDU, CSU, FDP und den Grünen äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bonn nur vage im Bezug auf den Ausstieg aus der Kohle: "Wir in Deutschland werden uns mühen."

"Die Welt steckt in der Kohlefalle - und die UN-Klimakonferenz hat daran nichts geändert. Aus dieser Kohlefalle muss sich die Menschheit befreien, wenn sie die Kosten des Klimawandels begrenzen will."

Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

Klimagipfel COP 23

Die UN-Klimakonferenz trug in diesem Jahr den Namen "COP 23". COP steht für "Conference of the Parties", die Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC. Diese Konvention wurde im Jahr 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnet. In Bonn trafen sich die Delegierten von 197 Staaten zum 23. Mal, daher "COP 23". Parallel kommen beim Klimagipfel seit 2005 auch die Unterzeichner und Ratifizierer des Kyoto-Protokolls zusammen und seit 2016 zudem die Unterzeichner des Paris-Abkommens.

Deutschland übernahm "nur" die technischen Aufgaben des Gastgebers, den Vorsitz der Konferenz hatte jedoch die Republik Fidschi. Da es auf dem Gebiet des Inselstaats im Pazifik aber keinen Versammlungsort für die bis zu 25.000 Teilnehmer gibt, tagte der Klimagipfel in Bonn, wo auch das Klimasekretariat der Vereinten Nationen seinen Sitz hat. Dort findet der Gipfel immer dann statt, wenn sich kein Gastgeber auf dem Kontinent findet, der turnusgemäß mit der Ausrichtung an der Reihe wäre.

Fidschi - Wortführer beim Klimaschutz

Wurzel eines Baums, den der Sturm Winston 2016 auf der Fidschi-Insel Vanua Levu umgerissen hat

Der Inselstaat Fidschi leidet wie viele Staaten im Südpazifik unter dem Klimawandel. Seit 1993 ist der Meeresspiegel pro Jahr um durchschnittlich sechs Millimeter angestiegen, also insgesamt fast 15 Zentimeter. Vielerorts an der Küste sind die Böden völlig versalzen. Mindestens 42 Dörfer müssen laut Regierung ins Landesinnere umgesiedelt werden. Der Zyklon "Winston" kostete im vergangenen Jahr 44 Menschen das Leben. Fidschi hat sich in der Region zu einer Art Wortführer in Sachen Klimaschutz entwickelt. Es war das erste Land, das das Klimaabkommen von Paris unterzeichnete. Gerade für kleine und ärmere Staaten, die vom Klimawandel besonders getroffen werden, ist die UN-Klimakonferenz die einzige Chance, ihre Stimme wirklich hörbar zu machen. Als US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes ankündigte, war die Empörung dort besonders groß.

Mit oder ohne die USA?

Im Juni dieses Jahres verkündete US-Präsident Donald Trump, die USA werden aus dem Klimaabkommen von Paris aussteigen. Das Abkommen benachteilige die Vereinigten Staaten von Amerika. Doch der Austritt ist erst in drei Jahren möglich, am 4. November 2020. Daher saßen in Bonn auf der Klimakonferenz auch Vertreter der US-Regierung am Verhandlungstisch. Eine gefürchtete Blockadehaltung gab es offenbar nicht: Die US-Delegation habe sich neutral und konstruktiv verhalten, meinte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Ende der Klimakonferenz.

Auch aus dem eigenen Land wehte der US-Regierung in Bonn Gegenwind entgegen: Einzelne US-Staaten wie Kalifornien haben zusammen mit verschiedenen Kommunen und Unternehmen das Bündnis "We are still in" ("Wir sind immer noch dabei") geschlossen, das auf eigene Faust die ursprünglich gesteckten Klimaziele erreichen will. Dieses Bündnis war ebenfalls auf dem UN-Klimagipfel vertreten. Und so schlossen sich auch mehrere US-Bundesstaaten der gegen Ende der Klimakonferenz eingegangenen Allianz von 18 Staaten für den Ausstieg aus der Kohle an.

Parallel zu den offiziellen Verhandlungen trafen sich in Bonn Klimaschützer aus aller Welt sowie Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Religionsgemeinschaften und Umweltverbänden.

Erderwärmung schreitet voran

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz sind sich einig, dass die Erderwärmung gestoppt oder zumindest gebremst werden muss. Doch statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bläst die Menschheit immer mehr davon in die Erdatmosphäre. Im Jahr 2016 war die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre so hoch wie noch nie, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

"Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir heute noch Entscheidungsoptionen haben, dass wir ein Zeitfenster haben vielleicht von zwanzig Jahren, in dem wir darüber befinden, wie nachfolgende Generationen das Klima auf dieser Erde erleben werden."

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, anlässlich der Veröffentlichung des zweite Teils des fünften Weltklimaberichts des Weltklimarats IPCC im April 2014

Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wird die Temperatur Ende des Jahrhunderts vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der fünfte Weltklimabericht des IPCC zeigt das deutlich.

Warum die Einigung im Klimaschutz so schwierig ist

Industriestaaten gegen Schwellenländer

Historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Zwar stößt heutzutage das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach. Werden alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammengerechnet, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Aus dieser Tatsache leiten aufstrebende Wirtschaftsnationen ab, sie hätten in Sachen Treibhausgase noch etwas gut, um in ihrer Entwicklung weiterzukommen.

Pro-Kopf-Ausstoß

Je nach Statistik lässt sich die Bevölkerung des einen oder eines anderen Landes zum Sündenbock in Klimafragen erklären. So kann man auch den Pro-Kopf-Ausstoß, also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt, in den Mittelpunkt der Berechnungen stellen. Nimmt man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß als Richtmaß, sind Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada die Hauptsünder.

Entwicklungsländer zahlen drauf

Die klimatischen Veränderungen werden allen Vorhersagen und Statistiken zufolge besonders die Menschen in Entwicklungsländern treffen. Niedrig liegende Küstengebiete in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem steigenden Meeresspiegel bedroht. In der Sahelzone werden durch mehr Dürren und Überschwemmungen die Nahrungsmittel und Trinkwasser noch knapper. Diesen Ländern mangelt es jedoch nicht nur an Gseld und Technologie, um sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Sie haben kaum Lobby und nur eine schwache Verhandlungsposition in den internationalen Gesprächen.

Nationale Wirtschaftsinteressen

Häufig kollidieren internationale verbindliche Zusagen mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen im eigenen Land. Für die Schwellenländer hat das Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Export von Erdöl, Deutschland vom Export energie- und kostenintensiver Technologie. Brasilien rodet Amazonas-Regenwälder und belastet damit das Weltklima. Australien, die USA und Kanada setzen noch immer hauptsächlich auf fossile Brennstoffe. In der Vergangenheit haben diese Staaten die Verhandlungen oft ausgebremst.

Innenpolitische Abhängigkeiten

Die Klimapolitik eines Landes kann sich durch veränderte innenpolitische Konstellationen schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg und der schleppende Ausbau regenerativer Energien die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben sich gegen die Klimaschutz-Steuer ihrer Vorgänger entschieden. Dem ehemaligen US-Präsident Obama und seinen Demokraten fehlte die Mehrheit im Kongress, um ein in der Wahl angekündigtes Klimagesetz durchzusetzen. Langfristige Klimapolitik ist so innenpolitisch oft nur schwer durchsetzbar.

Historische Schuld und künftige Sünder

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil der Treibhausgase wird weiterhin von den Industrieländern ausgestoßen. Die Pro-Kopf-Emission wird dort noch auf Jahre die der Entwicklungsländer deutlich übersteigen. Die Industrieländer haben daher eine historische wie aktuelle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel - so sieht es jedenfalls die EU. Doch es ist auch klar, dass die Entwicklungsländer den Industriestaaten auf dem Weg des Fortschritts folgen wollen und somit mehr Treibhausgase ausstoßen werden.

Aufschwung ohne Emissionszuwachs

Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen in den nächsten Jahren stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Doch viele Entwicklungsländer fürchten: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Das Kyoto-Protokoll hatte die Entwicklungsländer bislang von allen Verpflichtungen ausgenommen. Umso dringender war es, mit dem Abkommen von Paris ein neues globales Klimaabkommen zu finden, dem sich auch Schwellen- und Entwicklungsländer anschließen können.

  • Notizbuch: Was können wir vom Klimagipfel erwarten? Gespräch mit Christoph Bals von Germanwatch. 6.11.2017, 10:05 Uhr, Bayern 2
  • Unkraut: Klimawandel: Sind wir noch zu retten? 6.11.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • nano: Klimagipfel Bonn. 7.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Weltklimakonferenz in Bonn – Hält die Aufbruchstimmung an? 7.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • B5 Thema des Tages: Worum es beim Weltklimagipfel in Bonn geht. 6.11.2017, 08:20 Uhr, B5 aktuell
  • nano spezial: Klimagipfel live. 16.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Klimagipfel in Bonn – Forscher ziehen erste Bilanz. 17.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano-spezial: Klima-Gipfel. 20.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • orange: Meer essen Heimat auf - Fidschi und der Kampf gegen den Klimawandel. 6.11.2017, 9:05 Uhr, Bayern 2

Kyoto-Nachfolger gefunden

Logo des Klimagipfels COP21 in Paris. Bei dieser Klimakonferenz wurde im Dezember 2015 das neue Klimaabkommen von Paris verabschiedet. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Pariser Abkommen Der internationale Klimavertrag - ohne die USA?

Ende 2015 wurde das Paris-Protokoll beschlossen, seit dem 4. November 2016 ist der neue internationale Klimavertrag in Kraft. Ein Meilenstein des Abkommens war, dass es auch von China und den USA ratifiziert wurde. Doch der US-Präsident Trump will aussteigen. [mehr]