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Unterwegs zum UN-Klimagipfel 2018 in Kattowitz

Internationale Klimapolitik Unterwegs zum UN-Klimagipfel 2018 in Kattowitz

Stand: 30.11.2017

Die Erde zwischen unseren Händen | Bild: picture-alliance/dpa

Internationale Klimapolitik ist ein zähes Ringen. Das Bemühen, etwas gegen die Erderwärmung zu tun, trifft auf heftigen Widerstand. Die nächste Runde in diesem Konflikt ist die UN-Klimakonferenz 2018 im polnischen Kattowitz.

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Das Paris-Protokoll im Jahr 2015 war ein großer Erfolg für den Klimaschutz. Das Abkommen ist der Nachfolger des Kyoto-Protokolls von 1997, das der erste völkerrechtlich verbindliche Vertrag zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen war. Das Paris-Protokoll soll die vom Menschen verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zu den Werten vor der Industrialisierung begrenzen. Rund 170 Staaten haben das Abkommen bereits ratifiziert. Beim nächsten UN-Klimagipfel Ende 2018 in Kattowitz in Polen sollen die Vertreter vereinbaren, wie sich das Pariser Klima-Abkommen praktisch umsetzen lässt.

Klimagipfel COP 24

Die UN-Klimakonferenz 2018 in Kattowitz trägt den Namen "COP 24". COP steht für "Conference of the Parties", die Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC. Diese Konvention wurde im Jahr 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnet. In Kattowitz treffen sich die Delegierten von 197 Staaten zum 24. Mal, daher "COP 24". Parallel kommen beim Klimagipfel seit 2005 auch die Unterzeichner und Ratifizierer des Kyoto-Protokolls zusammen und seit 2016 zudem die Unterzeichner des Paris-Abkommens.

Vorarbeiten in Bonn

Die UN-Weltklimakonferenz 2017 in Bonn diente vor allem der Vorbereitung der Konferenz in Kattowitz. Ein "Regelbuch" soll die Klimaschutz-Zusagen der einzelnen Staaten überprüfbar und miteinander vergleichbar machen. Dafür wurden die Positionen der beteiligten Staaten in Bonn zusammengetragen. Beim Klimagipfel in Kattowitz sollen diese dann zu einem gemeinsamen Text zusammengeführt und von den Staaten der Klimakonferenz verabschiedet werden.

Erderwärmung schreitet voran

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenzen sind sich einig, dass die Erderwärmung gestoppt oder zumindest gebremst werden muss. Doch statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bläst die Menschheit immer mehr davon in die Erdatmosphäre. Im Jahr 2016 war die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre so hoch wie noch nie, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

"Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir heute noch Entscheidungsoptionen haben, dass wir ein Zeitfenster haben vielleicht von zwanzig Jahren, in dem wir darüber befinden, wie nachfolgende Generationen das Klima auf dieser Erde erleben werden."

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, anlässlich der Veröffentlichung des zweite Teils des fünften Weltklimaberichts des Weltklimarats IPCC im April 2014

Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wird die Temperatur Ende des Jahrhunderts vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der fünfte Weltklimabericht des IPCC zeigt das deutlich.

Warum die Einigung im Klimaschutz so schwierig ist

Industriestaaten gegen Schwellenländer

Historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Zwar stößt heutzutage das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach. Werden alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammengerechnet, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Aus dieser Tatsache leiten aufstrebende Wirtschaftsnationen ab, sie hätten in Sachen Treibhausgase noch etwas gut, um in ihrer Entwicklung weiterzukommen.

Pro-Kopf-Ausstoß

Je nach Statistik lässt sich die Bevölkerung des einen oder eines anderen Landes zum Sündenbock in Klimafragen erklären. So kann man auch den Pro-Kopf-Ausstoß, also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt, in den Mittelpunkt der Berechnungen stellen. Nimmt man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß als Richtmaß, sind Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada die Hauptsünder.

Entwicklungsländer zahlen drauf

Die klimatischen Veränderungen werden allen Vorhersagen und Statistiken zufolge besonders die Menschen in Entwicklungsländern treffen. Niedrig liegende Küstengebiete in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem steigenden Meeresspiegel bedroht. In der Sahelzone werden durch mehr Dürren und Überschwemmungen die Nahrungsmittel und Trinkwasser noch knapper. Diesen Ländern mangelt es jedoch nicht nur an Gseld und Technologie, um sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Sie haben kaum Lobby und nur eine schwache Verhandlungsposition in den internationalen Gesprächen.

Nationale Wirtschaftsinteressen

Häufig kollidieren internationale verbindliche Zusagen mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen im eigenen Land. Für die Schwellenländer hat das Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Export von Erdöl, Deutschland vom Export energie- und kostenintensiver Technologie. Brasilien rodet Amazonas-Regenwälder und belastet damit das Weltklima. Australien, die USA und Kanada setzen noch immer hauptsächlich auf fossile Brennstoffe. In der Vergangenheit haben diese Staaten die Verhandlungen oft ausgebremst.

Innenpolitische Abhängigkeiten

Die Klimapolitik eines Landes kann sich durch veränderte innenpolitische Konstellationen schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg und der schleppende Ausbau regenerativer Energien die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben sich gegen die Klimaschutz-Steuer ihrer Vorgänger entschieden. Dem ehemaligen US-Präsident Obama und seinen Demokraten fehlte die Mehrheit im Kongress, um ein in der Wahl angekündigtes Klimagesetz durchzusetzen. Langfristige Klimapolitik ist so innenpolitisch oft nur schwer durchsetzbar.

Historische Schuld und künftige Sünder

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil der Treibhausgase wird weiterhin von den Industrieländern ausgestoßen. Die Pro-Kopf-Emission wird dort noch auf Jahre die der Entwicklungsländer deutlich übersteigen. Die Industrieländer haben daher eine historische wie aktuelle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel - so sieht es jedenfalls die EU. Doch es ist auch klar, dass die Entwicklungsländer den Industriestaaten auf dem Weg des Fortschritts folgen wollen und somit mehr Treibhausgase ausstoßen werden.

Aufschwung ohne Emissionszuwachs

Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen in den nächsten Jahren stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Doch viele Entwicklungsländer fürchten: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Das Kyoto-Protokoll hatte die Entwicklungsländer bislang von allen Verpflichtungen ausgenommen. Umso dringender war es, mit dem Abkommen von Paris ein neues globales Klimaabkommen zu finden, dem sich auch Schwellen- und Entwicklungsländer anschließen können.

  • Notizbuch: Was können wir vom Klimagipfel erwarten? Gespräch mit Christoph Bals von Germanwatch. 6.11.2017, 10:05 Uhr, Bayern 2
  • Unkraut: Klimawandel: Sind wir noch zu retten? 6.11.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • nano: Klimagipfel Bonn. 7.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Weltklimakonferenz in Bonn – Hält die Aufbruchstimmung an? 7.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • B5 Thema des Tages: Worum es beim Weltklimagipfel in Bonn geht. 6.11.2017, 08:20 Uhr, B5 aktuell
  • nano spezial: Klimagipfel live. 16.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Klimagipfel in Bonn – Forscher ziehen erste Bilanz. 17.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano-spezial: Klima-Gipfel. 20.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • orange: Meer essen Heimat auf - Fidschi und der Kampf gegen den Klimawandel. 6.11.2017, 9:05 Uhr, Bayern 2