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Weltbevölkerung Bald 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde

Knapp 7,8 Milliarden Menschen bevölkern derzeit die Erde und es werden immer mehr. Doch das Wachstum der Weltbevölkerung verlangsamt sich.

Stand: 16.07.2020 13:26 Uhr

Weltkarte, geformt von Menschen (Grafik) | Bild: colourbox.com

Rund 7,8 Milliarden Menschen leben Mitte Juli 2020 auf der Erde. Im Jahr 2050 werden es laut der aktuellen UN-Bevölkerungsprojektion 2019 rund 9,7 Milliarden Menschen sein und im Jahr 2100 sollen 10,9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Dabei bekommen Frauen heute im weltweiten Durchschnitt weniger Kinder als früher: In den 1960er-Jahren brachte eine Frau statistisch etwa fünf Kinder zur Welt, heute sind es nur noch 2,4.

Bevölkerungswachstum bremst Entwicklung

Zur Zeit wächst die Zahl der Menschen auf der Erde pro Jahr um circa 82 Millionen. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl Deutschlands. Besonders hoch sind die Geburtenraten in Ländern in Afrika südlich der Sahara. Das starke Bevölkerungswachstum dort behindert die soziale und politische Entwicklung und belastet Natur und Umwelt. Wobei die Menschen dort im Durschschnitt weit weniger Ressourcen verbrauchen als in den reichen Ländern des Nordens. Der Pro-Kopf-Ausstoß an klimaschädlichen Gasen wie Kohlendioxid ist daher im Vergleich verschwindend gering.

Sinkende Wachstumsrate

In Ländern wie Bangladesch und Iran, die noch in jüngster Vergangenheit eine hohe Wachstumsrate der Bevölkerung hatten, ist diese deutlich gesunken. Dies ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die Angst vor einer drohenden Bevölkerungsexplosion, vor der schon seit Ende des 18. Jahrhunderts gewarnt wird, unbegründet ist.

Entschleunigtes Wachstum

11. Juli - Weltbevölkerungstag

Am 11. Juli 1987 gab es fünf Milliarden Menschen auf der Erde. Das nahmen die Vereinten Nationen zum Anlass, den Internationalen Weltbevölkerungstag einzuführen. Nicht aus Freude, sondern um das weitere Wachstum möglichst zu bremsen.

2020 leben rund 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde und damit rund 2,8 Milliarden mehr als im Jahr 1987. Würde sich dieses Wachstum völlig ungebremst fortsetzen, wären es bis zum Jahr 2100 rund zwanzig Milliarden Menschen. Dazu wird es aber nicht kommen: Die Wachstum wird schwächer. In der UN-Bevölkerungsprojektion 2019 ist die Zahl für das Jahr 2100 bereits von vorher 11,2 Milliarden Menschen auf 10,9 Milliarden reduziert.

Sinkende Geburtenraten

Wenn viele Menschen und Badewetter zusammenkommen, konnte es in China ziemlich eng werden - vor der Coronavirus-Pandemie.

Grund für das immer schwächere Bevölkerungswachstum sind die sinkenden Geburtenraten. Bekam eine Frau um 1950 im weltweiten Durchschnitt fünf Kinder, waren es im Jahr 1990 noch 3,2 Kinder. 2019 liegt die Zahl der Kinder bei 2,4. Bis 2050 wird sie nach Einschätzung der Vereinten Nationen auf 2,2 Kinder sinken. Bei etwa zwei Kindern pro Frau wäre die sogenannte "Erhaltungsrate" erreicht. Sinkt die Geburtenrate wie angenommen unter diesen Wert, wird die Weltbevölkerung langsam wieder abnehmen.

Rasantes Bevölkerungswachstum

Verlauf der Bevölkerungszahlen seit 1800

Der explosionsartige Anstieg der Weltbevölkerung ist ein Phänomen der jüngeren Zeit. Vor 8.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit, lebten nach Schätzungen des unabhängigen Population Reference Bureaus auf unserem Planeten nur rund fünf Millionen Menschen. Vor 2.000 Jahren waren es rund 300 Millionen. Rasant wurde der Anstieg erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts, nachdem die erste Milliarde erreicht war. Zwei Milliarden Menschen gab es im Jahr 1927, drei Milliarden 33 Jahren später im Jahr 1960. Bis zur vierten Milliarde dauerte es dann nur noch 14 Jahre (1974). 1987, nur 13 Jahre später, wurde die fünfte, 1999 die sechste Milliardengrenze überschritten. Am 31. Oktober 2011 wurde der siebenmilliardste Mensch geboren.

Geburtenrate in Entwicklungsländern deutlich höher

In vielen Ländern ist schon heute die Geburtenrate weitaus niedriger: Die Zahl der Geburten pro Frau betrug 2018 in Europa 1,55, in Deutschland lag die Geburtenrate 2019 bei 1,57. In Afrika dagegen bekommen Frauen derzeit durchschnittlich 4,4 Kinder, deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt, der bei 2,4 KIndern pro Frau liegt.

Insbesondere in den ärmsten Regionen der Welt, etwa in den südlich der Sahara gelegenen Ländern Afrikas, bekommen Frauen viele Kinder. Nicht nur, weil Kinderreichtum vermeintlich eine Absicherung fürs Alter darstellen könnte, sondern auch, weil Frauen sehr jung heiraten und Mütter werden.

Junge Mütter

  • Jedes dritte Mädchen in einem Entwicklungsland ist im Alter von 18 Jahren schon verheiratet.
  • Jedes fünfte Mädchen in einem Entwicklungsland ist im Alter von 18 Jahren bereits Mutter.
  • Jeden Tag bekommen 20.000 Mädchen unter 18 ein Kind.

Zudem kann laut DSW jede zweite Frau südlich der Sahara nicht verhüten, obwohl sie will. Es mangelt an Aufklärung, bezahlbaren Verhütungsmitteln sowie einer guten Gesundheitsversorgung. Zudem haben die Frauen keine oder sehr geringe Mitspracherechte bei der Familienplanung. "Täglich werden 20.000 Mädchen unter 18 Jahren in Entwicklungsländern Mütter – oftmals ohne ein Recht auf Mitsprache“, sagt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. Diese Bereiche müssten dringend gefördert werden.

Jahr 2100: Zehn Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern

Dennoch sinkt auch in Afrika die Geburtenrate, aber viel zögerlicher als bei uns: 1960 lag die Geburtenrate in den Sub-Sahara-Staaten noch bei 6,6 Kindern pro Frau, heute sind es "nur" noch knapp fünf - so viele, wie bei uns Ende des 19. Jahrhunderts. Das führt dazu, dass sich die dortige Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von heute rund einer Milliarde Menschen auf voraussichtlich 2,2 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln wird – mit einem hohen Anteil junger Menschen.

Gegenmodell: Sinkende Geburtenrate lässt Weltbevölkerung abnehmen

Die angenommene Geburtenrate ist der wesentliche Faktor, will man die Entwicklung der Weltbevölkerung prognostizieren. Im Juli 2020 erschien eine Studie im Fachmagazin The Lancet, die zu einem weitaus geringeren Bevölkerungswachstum in ihren Prognosen kommt: Statt der von den Vereinten Nationen erwarteten knapp elf Milliarden Menschen im Jahr 2100 werden es laut Berechnung der Wissenschaftler um Christopher Murray von der Washington-Universität in Seattle nach einem Höchststand im Jahr 2064 bis 2100 "nur" noch 8.8 Milliarden Menschen sein - etwa eine Milliarde mehr als heute. Murray und seine Kollegen gehen von der These aus, dass Frauen, wenn sie Zugang zu mehr Bildung und Verhütungsmitteln haben, nicht mehr als 1,5 Kinder im Durchschnitt wollen. Allerdings ist die Geburtenrate in Deutschland und vielen europäischen Ländern auch heute noch höher.

Wenn die Welt ein Dorf wäre - heute und 2050

Wenn die Welt ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre, kämen nach DSW-Berechnungen im Jahr 2020 davon 59 aus Asien, 17 aus Afrika, zehn aus Europa, acht aus Lateinamerika, fünf aus Nordamerika und einer aus Ozeanien. Und im Jahr 2050 würden in dem Dorf schon 128 Menschen leben.

Die größten Städte weltweit

Stadtmenschen

Die Weltbevölkerung ist zumeist urban: Schon seit 2007 lebt die Mehrheit der Menschen in Städten oder Metropolregionen. 2018 waren es 55 Prozent der Weltbevölkerung. Der Trend wird sich noch fortsetzen: Im Jahr 2050 werden vermutlich siebzig Prozent der Menschheit in der Stadt leben, schätzen die Vereinten Nationen. 2018 gibt es weltweit 548 Millionenstädte. In 33 Städten übersteigt die Bevölkerungszahl die Zehn-Millionen-Grenze.

Metropolregion Tokio (Japan)

Tokio ist mit seinen Vorstädten die größte Metropolregion der Welt. Hier leben mehr als 39,8 Millionen Menschen – und zwar auf extrem engem Raum. Auf jeden Quadratkilometer kommen mehr als 6.000 Menschen. (Stand 2017)

Jakarta (Indonesien)

Noch viel dichter ist es in der indonesischen Hauptstadt Jakarta: über 14.500 Menschen pro Quadratkilometer leben hier, mehr als 31 Millionen insgesamt. In den Vorstädten und Slums Jakartas sind die Bevölkerungszahlen regelrecht explodiert.

Delhi (Indien)

In der Metropolregion von Indiens Hauptstadt Neu-Delhi gibt es knapp 28 Millionen Menschen. Indien ist auf dem Weg zum bevölkerungsreichsten Land. Momentan liegt es noch hinter China mit 1,378 Millionen Einwohnern Mitte 2016. Doch der Abstand wird immer kleiner und laut Prognosen wird es zukünftig mehr Inder als Chinesen geben.

Seoul, Manila, Mumbai, Karatschi und Shanghai

Südkoreas Hauptstadt Seoul hat mehr als 23 Millionen Einwohner. Mit je fast 23 Millionen Einwohnern folgen die Mega-Metropolregionen Manila, die Hauptstadt der Philippinen, das indische Mumbai, Karatschi in Pakistan sowie Shanghai (China).

Mehr als 20 Millionen: New York, São Paulo, Peking, Mexiko-Stadt

Auf Platz 9 bis zwölf der größten Metropolregionen folgen mit mehr als 20 Millionen Einwohnern: New York in den Vereinigten Staaten, São Paulo in Brasilien, Chinas Hauptstadt Peking sowie Mexikos Hauptstadt Mexiko-Stadt.


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