Wissen


13

Astronaut Ulf Merbold Der erste Deutsche, der dreimal ins All flog

Dreimal war Ulf Merbold im Weltraum: 1983 flog er mit dem Raumlabor "Spacelab", 1992 mit der US-Raumfähre "Discovery" und 1994 mit dem russischen Raumschiff "Sojus TM-20" ins All. Der Fliegerei geht er immer noch nach - als Segelflieger.

Stand: 28.05.2018

Ulf Merbold - erster westdeutscher Raumfahrer im All (2016) | Bild: Ulf Mauder/picture-alliance/dpa

Der ehemalige DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn und sein westdeutscher Kollege Ulf Merbold, 1990

Ulf Merbold ist bislang der einzige deutsche Raumfahrer, der dreimal im All war. Einmal flog er in einer europäischen, ein zweites Mal in einer US-amerikanischen und das dritte Mal als ESA-Astronaut in einer russischen Raumfähre ins All. Allerdings war er nicht der erste Deutsche im All. Das war der ostdeutsche Kosmonaut Sigmund Jähn, der fünf Jahre vor ihm in den Weltraum starten durfte.

Eine Annonce bringt die Wende

Kommandant John Young (l) und Ulf Merbold 1983 im europäischen Weltraumlabor Spacelab

Am 20. Juni 1941 wurde Merbold im thüringischen Greiz geboren. Seinem Traum, Physik zu studieren, konnte er zunächst nicht nachgehen, da er nicht bereit war, in die DDR-Jugendorganisation FDJ einzutreten. So ging er noch vor dem Mauerbau in den Westen und studierte in Stuttgart. Später arbeitete er am Max-Planck-Institut für Metallforschung auf dem Gebiet der Festkörper- und Tieftemperaturphysik. Unter 2.000 Mitbewerbern wurde er schließlich ausgewählt, um 1977 eine Ausbildung zum ESA-Astronaut zu beginnen. Er stach damit Ernst Messerschmid aus, der sich ebenfalls auf eine Zeitungsanzeige hin beworben hatte, aber erst 1982 das Rennen machte.

Besonderes Verhältnis zu Russland

Obwohl er 2004 in den Ruhestand trat, arbeitet er immer noch als Berater für die ESA. So war er auch 2014 auf dem Kosmodrom in der kasachischen Steppe dabei, als ESA-Astronaut Alexander Gerst vom Weltraumbahnhof Baikonur zur ISS startete. Zu Russland hatte Merbold stets ein spezielles Verhältnis: Sein Vater starb nach dem Krieg in sowjetischer Gefangenschaft im früheren KZ Buchenwald. Für seine Arbeit mit den Mir-Kosmonauten 1994 erhielt er als erster Ausländer den Freundschaftsorden des russischen Präsidenten. Zu zahlreichen Ehrungen wurde 2010 seine frühere Schule in Greiz nach ihm benannt: das "Ulf-Merbold-Gymnasium".

Europäische Zukunftsprojekte im All

Den Hobby-Piloten und Segelflieger begeistert immer noch, das "Raumschiff Erde" von oben zu betrachten. Und ihn treibt weiterhin der Wunsch an, dass die Europäer den Russen, Chinesen und US-Amerikanern den Weltraum nicht komplett überlassen. Ein Dorf auf dem Mond, "Lunar-Village", wofür der Generaldirektor der ESA, Jan Wörner, wirbt, oder auch eine bemannte Mars-Mission wären seiner Meinung nach am besten in internationalen Kooperationen zu verwirklichen. 2016 verband er seinen 75. Geburtstag mit dem Wunsch, die Erforschung des Alls weiter voranzutreiben - mit europäischer Beteiligung.

Deutsche Raumfahrer im All

  • Ulf Merbold in Eins zu Eins. Der Talk, am 13. März 2017 um 16:05 Uhr und 22:05 Uhr auf Bayern 2
  • Ulf Merbold in Eins zu Eins. Der Talk, am 7. August 2017 um 16:05 Uhr und 22:05 Uhr auf Bayern 2

13