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Studie zum Erdbeben-Risiko Karte zeigt Gefahr von Erdbeben in Deutschland

Die Gefahr von Erdbeben ist in Deutschland relativ gering, doch vernachlässigen sollte man sie nicht. Immer wieder bebt die Erde mit einer Magnitude von sechs oder mehr. Eine Karte zeigt, wie das Risiko verteilt ist.

Stand: 11.09.2018

Karte Wahrscheinlichkeit von Erdbeben in Deutschland (Ausschnitt) | Bild: G. Grünthal et al., Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Nicht nur der Katastrophenschutz will wissen, wo in Deutschland Erdbeben wahrscheinlich sind. Auch wer ein Haus bauen will, muss das Risiko berücksichtigen, wann und wo die Erde beben könnte. Denn wie ein Bauherr erdbebengerecht zu planen hat, regelt eine DIN-Norm, nämlich die DIN EN 1998-1. Für deren neue Fassung hat das Deutsche Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam eine aktualisierte Karte der Erdbebengefahr in Deutschland erarbeitet und im Juni 2018 veröffentlicht. Die bisher gültige Einteilung der Gefahrenzonen war bereits rund zwanzig Jahre alt.

Tausend Jahre Erdbeben

Rote Gebiete auf der Karte haben ein relativ hohes Erdbebenrisiko, in den blauen Zonen ist die Gefahr geringer.

Die wichtigste Grundlage für die Karte war die Erdbebentätigkeit der letzten rund Tausend Jahre auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik samt der Umgebung in einem Umkreis von mindestens 300 Kilometern. Daten wurden beim Studium historischer Quellen gesammelt, die über einstige Beben berichteten. Dabei zeigte sich, dass in frühere Gefährdungsberechnungen Erdbeben eingegangen waren, die gar keine waren. Naturereignisse wie Stürme, plötzliche Bodensenkungen oder Nachrichten über entfernte starke Erdbeben wurden fälschlicherweise als lokale Erdbeben überliefert, fanden die an der Studie beteiligten Wissenschaftler heraus. Zum Beispiel hinterließ angeblich ein Erdbeben 1591 in Neuburg an der Donau Schäden am Pfarrhaus. In Wirklichkeit war es die Folge eines Bebens in Niederösterreich im Jahr zvor.

"Überraschenderweise haben wir viele 'Fake Beben' gefunden. Mehr als sechzig Prozent der im bisherigen deutschen Erdbebenkatalog aufgeführten Schadenbeben haben in manchen Gebieten nie stattgefunden. Spätere Chronisten oder Autoren verschiedener Erdbebenkataloge haben die Fehler einfach übernommen."

Gottfried Grünthal, Deutsches Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam

Auch der Mensch lässt die Erde beben

In Deutschland und den Nachbarstaaten haben Erdbeben aber nicht nur natürliche, tektonische Ursachen. Es gibt auch seismische Ereignisse aufgrund menschlicher Aktivitäten im Untergrund. Auslöser hierfür sind Kohle-, Erz- oder Salzbergbau, Öl- und Gasförderung oder auch Geothermiebohrungen. Diese können aber zugleich mit den Aktivitiäten unter Tage enden oder durch technische Verbesserungen in ihrer Intensität vermindert werden. Daher gingen sie nicht in die Berechnungen für die Karte ein.


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