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Ratten Clevere kleine Nagetiere

"Iiiiiiiiiih!" Das sagen oder kreischen viele, wenn sie eine Ratte sehen. Ratten haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als Schädlinge und Krankheitsüberträger. Dabei sind Ratten sehr intelligente Tiere und als Laborratten im Dienste der medizinischen Forschung haben sie schon viel Gutes für uns Menschen geleistet. Auch als Haustier wird die zahme Ratte immer beliebter.

Von: Olga-Louise Dommel und Veronika Baum

Stand: 07.07.2020

Das Wandern ist der Ratte Lust

Am meisten verbreitet ist bei uns die Wanderratte. Sie ist graubraun und wird zwischen 18 und 26 Zentimeter lang. Ihr Schwanz ist nicht ganz so lang wie ihr Körper. Ratten sind so genannte Kulturfolger. Das heißt, sie leben gern in der Nähe des Menschen. Denn dort finden sie hervorragende Lebensbedingungen: Keller und Kanalisation, in denen sie sich ungestört aufhalten können. Und vor allem: viel zu fressen.

Ratten sind Allesfresser. Sie essen Getreide, Obst, Abfälle und auch Fleisch. Weil ein Rudel Ratten manchmal aus 200 Tieren besteht, kann es in kurzer Zeit großen Schaden anrichten. Wenn sich 200 Ratten über einen Getreidesilo hermachen oder Wurzeln und Knollen im Garten annagen, bleibt nicht mehr viel übrig. In Notzeiten stehen schon mal Seife, Papier oder Stoff auf dem Speiseplan der Ratte. Ihren scharfen Nagezähnen hält nichts stand. Ratten können Kabel durchnagen, sich durch dicke Holzbretter und sogar durch Metall hindurch fressen.

Die Ratte als Überträger von Krankheiten?

Seit dem Mittelalter haben Ratten einen schlechten Ruf. Hartnäckig hält sich das Gerücht, sie hätten damals die schlimme Seuche der Pest übertragen, die vielen Menschen den Tod brachte. Heute weiß man, dass die Krankheit von einem Rattenfloh übertragen wird, der im Fell der Ratte lebt. Der Erreger der Pest gilt heute als nahezu ausgestorben. In ärmeren Ländern kann die Krankheit allerdings manchmal noch ausbrechen. Im Mittelalter kannte man kein wirksames Mittel gegen die Pest. Heute können Ärzte sie durch Medikamente (Antibiotika) behandeln. Übrigens: Es ist richtig, dass Ratten bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen können, das gilt jedoch für viele andere Wildtiere auch.

Feiner Geruchssinn

Ratten erkennen am Geruch ob eine Ratte zu ihrem Rudel gehört oder ob ein Weibchen brünstig ist. Ratten hören auch sehr gut. Und sie sind sehr intelligent. Wenn eine Ratte Rattengift gefressen hat und daran gestorben ist, merken sich das die anderen Mitglieder ihres Rudels und fressen nicht von dem vergifteten Lockmittel. Aus diesem Grund verwendet man heute Köder mit langsam wirkenden Giften.

Steckbrief der Ratte

Lateinischer Name: Rattus
Arten: Weltweit gibt es 65 Ratten-Arten. In Deutschland leben nur zwei wilde Rattenarten: die Wanderratte und die Hausratte. Die Farbratte ist eine zahme Zucht-Rattenart, die als Haustier gehalten wird. Sie stammt von der Wanderratte ab, ist aber kein Wildtier mehr.
Größe: 10 bis 28 Zentimeter
Gewicht: 100 bis 450 Gramm
Alter: Eine Ratte kann bis zu 3 Jahre alt werden
Verwandte: Maus und Ratte sind eng verwandt. Beide gehören zu den Nagetieren bzw. zur Familie der "Mäuseartigen".
Lebensraum: Die Wanderratte kann fast überall leben: in Kellerräumen, der Kanalisation oder auf Müllhalden. Die Hausratte mag es warm und lebt eher hoch oben, zum Beispiel auf dem Dachboden.
Nahrung: Allesfresser
Fortpflanzung: Nach ungefähr 20 bis 30 Tagen bringt das Weibchen einen Wurf mit bis zu 20 (!) Jungtieren zur Welt. Im Lauf eines Jahres kann eine Ratte also ungefähr 120 Nachkommen haben. Wenn man die Kindeskinder (also den Nachwuchs des Nachwuches) miteinrechnet, können aus einem einzigen Rattenpärchen innerhalb eines Jahres mehrere Tausend Ratten hervorgehen.
Feinde: Bussard, Eule, Fuchs, Katze, Marder, Wiesel
Bestand: Die Hausratte ist bei uns selten geworden. Sie steht seit 1975 auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Die Wanderratte ist weit verbreitet.
Besonderheit: Bei den Hindus in Indien gelten Ratten als heilig. Die Ratte ist treue Wegbegleiterin und Reittier des indischen Gottes Ganesha. Im Karni-Mata-Tempel in dem nordindischen Dorf Deshnok leben rund 20.000 Ratten.

Die Ratte als Haustier

Von der wilden Wanderratte stammt die so genannte Farbratte ab. Sie ist eine zahme Züchtung und kleiner als die Wanderratte. Sie ist verspielt und anhänglich und erfreut sich deshalb als Haustier immer größerer Beliebtheit. Also von wegen: iiiiiiiiiiih!


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