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Bahnbrechende Erfindung Die Geschichte der Dampfmaschine

Große Erfindungen verändern die Welt: das Rad, die Glühbirne, das Internet. Wie sähe unser Leben ohne sie aus? Schwer zu sagen! Manchmal brauchen große Erfindungen viel Zeit. Zumindest war das bei der Dampfmaschine so. Und dann wurden durch deren Erfindung die industrielle Revolution und der Bau riesiger Fabriken möglich und ein neues Zeitalter brach an.

Von: Luis Hautzinger und Simone Wichert

Stand: 26.01.2018

Dampfmaschine von 1872  in der Zuckerfabrik in Oldisleben (Thüringen). | Bild: picture-alliance/dpa

Ein alter Grieche namens Heron tüftelte gerne mit Feuer und Wasser. Er erfand schon vor 2.000 Jahren eine Anlage, die man als erste Dampfmaschine bezeichnen könnte, den "Heronsball". Leider setzte Heron sein Wissen nicht besonders sinnvoll ein. Er baute einen automatischen Türöffner, der mit Dampf betrieben wurde. Die wirkliche Arbeit erledigten aber noch Sklaven, die sehr viel weniger kosteten als eine neue technische Erfindung.

Wasser abpumpen im Bergbau

Schon lange vor den alten Griechen betrieben die Menschen Bergbau. Im Erdinneren lockten wertvolle Bodenschätze. Im 18. Jahrhundert wurden die Stollen immer tiefer. Wasser sammelte sich dort, behinderte die Arbeiten und musste deswegen abgepumpt werden. Das war sehr anstrengend. Thomas Newcomen, einem englischen Erfinder, gelang 1712 Großes: Er entwickelte eine Dampfmaschine, die eine Wasserpumpe betreiben konnte. Problem gelöst! Besonders kräftig war die Dampfmaschine Newcomens jedoch noch nicht. James Watt verbesserte sie entscheidend und wurde dadurch berühmt. Sogar eine physikalische Einheit ist nach ihm benannt. Das ist eine besondere Ehre.

Antrieb für Maschinen

Die Dampfmaschine wandelt Feuer und Wasser in Arbeitskraft um. Das geht so: In einem geschlossenen Kessel wird Wasser erhitzt. Wenn es zu kochen beginnt, entsteht Dampf. Wasserdampf braucht tausend Mal so viel Platz wie Wasser: ein Kilogramm Wasser so viel, wie in einen Tetra-Pack passt, ein Kilo Wasserdampf einen Kubikmeter, das ist ein Würfel mit einem Meter Kantenlänge. Erzeugt man aus Wasser Wasserdampf, entsteht im Kessel ein sehr hoher Druck. Der Dampf wird aus dem Kessel in einen Zylinder geleitet und bewegt dort einen Kolben. Damit kann man ganz unterschiedliche Maschinen antreiben.

Auf dem Weg zur industriellen Revolution

Viele schwere Arbeiten erledigten nun Maschinen. Das Leben der Menschen veränderte sich. Viele zogen in die Städte, um dort in einer der Fabriken zu arbeiten, die nun dank der Erfindung der Dampfmaschine nicht mehr nur an Flüssen und Seen, wo man Wasserräder antreiben konnte, gebaut wurden mussten, sondern die auf jeder großen freien Fläche entstehen konnten. Dort konnten Waren in viel größerer Menge als in den kleinen Handwerksbetrieben gefertigt werden. Die industrielle Revolution hatte begonnen.

Von der Dampfmaschine war der Weg nicht weit zur Dampflokomotive, die rasend schnell das Land durchquerte. Viele Menschen fürchteten sich zunächst vor den rauchspeienden Drachen. Doch nach und nach ersetzten Lokomotiven die alten Pferdekarren. Die Menschen gewöhnten sich an das schnelle Reisen mit dem Zug und die Angst war bald vergessen.


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