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Blindheit Wie lebt man, wenn man blind ist?

In Deutschland leben über 150.000 Menschen, die nie etwas sehen können. Sie sind blind. Manche von Geburt an, manche haben als Kinder, manche als Erwachsene eine Krankheit bekommen, wegen der sie nicht mehr sehen können. Trotzdem machen Blinde fast alles, was Sehende auch machen.

Von: Anja Mösing, Simone Wichert, Kerstin Öchsner

Stand: 27.02.2018

Blindes Kind ertastet mit den Händen die Brailleschrift | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn im Treppenhaus plötzlich das Licht ausgeht, erschrecken die meisten und suchen schnell den Lichtschalter. Im Dunkeln weitergehen, ohne etwas zu sehen? Lieber nicht ... Blinde machen dagegen fast alles, was Sehende auch machen. Sie gehen zur Schule, sind selber Lehrer, sind Vater oder Mutter von Kindern, sind Sportler - nur selbst Auto fahren, das geht nicht. Natürlich lesen Blinde auch Bücher, nur eben anders als Sehende - mit einer besonderen Schrift.

Gut gespitzte Ohren

Ein blinder Mensch hat ein viel besser trainiertes Gehör als einer, der sehen kann. Klar, er kann sich ja besser auf Geräusche konzentrieren. Ein Blinder hört ganz genau, wie weit jemand weg ist, der mit ihm spricht. Sogar ob man ihn anschaut, während man spricht, oder ob man beim Sprechen an ihm vorbeischaut, kann er hören.

Fühlen und Riechen

Rot? Gelb? Grün?

Um zu erkennen, welche Farbe ein Pulli oder die Socken haben, gibt es für blinde Menschen Farberkennungsgeräte, etwa so groß wie ein Handy. Die halten sie auf ein Kleidungsstück und ein Sprachcomputer sagt dann, welche Farbe es ist. Praktisch!

Auch auf Gerüche achten Blinde viel mehr, denn sie helfen, Dinge und Wege zu finden. Eine Bäckerei duftet ganz anders als ein Schuhladen. Und die Finger helfen auch zu sehen: Beim Saft einschenken einfach oben am Rand einen Finger leicht ins Glas ragen lassen, schon ist klar, wann das Glas voll ist. Mal ausprobieren!

So sieht die Blinden-s oder Brailleschrift aus.

Sogar lesen können Blinde mit den Händen: mit einer Schrift, bei der von hinten kleine Punktmuster in das Papier gepresst werden.

Man muss nur lernen, welches Muster für welchen Buchstaben steht und schon kann's losgehen. Diese Schrift hat Louis Braille schon 1825 erfunden - und nach ihm ist sie auch benannt: die Brailleschrift.

Blind in der Stadt

Mit ihrem weißen Blindenstab können Blinde sogar den Boden hören, auf dem sie gehen: Gehwegplatten machen ein anderes Geräusch als Straßenasphalt oder Sand. Und wenn sie mit dem Stab über den Boden vor ihren Füßen streichen, fühlen sie den Untergrund auch. So kann man sogar blind durch eine Stadt gehen. Aber man braucht eine große Portion Mut!

Mit einem Blindenhund ist vieles einfacher!

Manche Blinde haben einen Hund. Der ist speziell dafür ausgebildet, ihnen im Alltag zu helfen. Er kann sie durch die Stadt führen oder Sachen bringen und vieles mehr.

Einem Blinden helfen

Auf jeden Fall immer zuerst etwas sagen: "Entschuldigung, darf ich Ihnen helfen?" zum Beispiel. Blinde können euch ja nicht sehen. Dann könnt ihr euren Arm anbieten und so eingehakt kommt ihr prima zusammen zur gesuchten Bushaltestelle, dem Taxistand oder dem Briefkasten.


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