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Assistenzhündin Emma Ein Hund für alle Fälle

Der Hund ist seit über 40.000 Jahren nicht nur der beste und treueste Freund des Menschen, schon lange arbeitet er auch für seinen Besitzer: als Wachhund oder Hütehund für die Schafe oder als Gehilfe bei der Jagd. Auch bei der 17-jährigen Kyra lebt ein Hund mit einer besonderen Aufgabe. Emma ist nicht nur ein "Familienhund", sondern arbeitet auch als "Assistenzhund" für das Mädchen. Die Hündin steht Kyra in allen Lebenslagen zur Seite, denn Kyra hat eine seltene Krankheit.

Von: Veronika Baum

Stand: 05.04.2019

Assistenzhündin Emma mit ihrem Frauchen Kyra. | Bild: BR | Veronika Baum

Emma und Kyra sind seit vier Jahren ein Team: Wenn die Assistenzhündin für Kyra arbeitet, sieht man das auch an ihrer "Arbeitskleidung". Die Goldendoodle-Hündin mit dem weißen kuscheligen Fell trägt dann eine grüne Hundedecke mit der Aufschrift "geprüfter Assistenzhund". Daran ist auch ein Warnschild befestigt: eine durchgestrichene Hand. Das heißt: "Achtung! Bitte nicht streicheln!". Ein Assistenzhund ist bei seiner Arbeit auf sein Frauchen oder Herrchen konzentriert. Wenn jemand kommt und den Hund streichelt, ist das Tier abgelenkt und es kann leicht etwas schief gehen. Bei Kyra hieße das konkret, sie könnte das Gleichgewicht verlieren und hinfallen - und dann vielleicht aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen.

Seit Kyra zwölf Jahre alt ist, weiß sie von ihrer seltenen Krankheit: Sie hat "Friedreich-Ataxie" - das ist eine angeborene Nervenkrankheit. Kyra kann ihr Gleichgewicht nicht so gut halten und auch feinmotorisch ist sie im Nachteil: Es fällt ihr zum Beispiel schwer, kleine Dinge vom Boden aufzuheben oder mit der Hand zu schreiben. Kyras Krankheit ist in ihren Genen "gespeichert" und kann nicht durch ein Medikament geheilt werden.

Tierische Helferin im Alltag

Hier kommt Emma ins Spiel. Als "geprüfte Assistenzhündin" hilft sie ihrem Frauchen im Alltag: Emma kann Geldmünzen vom Boden aufheben. Auch ein rohes Ei zerbricht nicht, als die Hündin es vorsichtig in ihr Maul nimmt. Dabei müssen Hunde für so einen "Trick" vor allem das Ausspucken üben. Für ihre Hilfe bekommt Emma von Kyra immer eine Belohnung. Mal sind es nur Worte, mal ein Leckerli. So funktioniert die gesamte Ausbildung der Assistenzhündin. Und Emma hat schon viel gelernt: Sie kann auf Kommando das Telefon oder das Handy holen, Türen mit ihrer Schnauze schließen, sie kann Kyra die Schuhe ausziehen - und wenn Kyra hinfällt, stellt sich Emma vor sie hin, damit sie sich beim Aufstehen auf den Hund stützen kann.

Treu und teuer, aber jeden Cent wert

Leider werden die Kosten für einen Assistenzhund nicht von der Krankenkasse übernommen. 8.000 Euro hat Kyras Familie bislang allein für Emmas Ausbildung bezahlt. Alle "Tricks", die Emma gelernt hat, haben die beiden viele Monate immer und immer wieder - auch unter Anleitung von Hundetrainern - geübt. Ein Leben ohne ihre Hündin kann sich Kyra nicht mehr vorstellen. Schließlich ist Emma neben ihrer "Arbeit" als Assistenzhündin auch ihr Kuschelhund und ihre treue Freundin. Nicht zuletzt hat die Hündin auch ihre Einstellung zum Leben - und zu ihrer Krankheit - positiv beeinflusst. Mit Emmas Hilfe ist Kyra viel ausgeglichener und selbstbewusster geworden.


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