Wissen


24

Feuchtgebiete Moore als Klimaschützer

Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Moore sind wichtige CO2-Speicher. Außerdem bieten Moorflächen seltenen und zum Teil vom Aussterben gefährdeten Pflanzen und Tieren wichtigen Lebensraum.

Stand: 14.09.2017

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat schon vor Jahren dazu aufgerufen, die Moore im Freistaat als wichtige CO2-Speicher zu erhalten. Durch gezielte Renaturierungen könnten Bayerns Moorflächen jährlich bis zu fünf Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid speichern. Laut einer Moorbodenkarte, die vom LfU erstellt und 2016 aktualisiert wurde, sind für Bayern insgesamt 226.335 Hektar klimaschutzrelevante Moorflächen erfasst.

"Intakte Moore sind auch aktive Klimaschützer. Pro Hektar binden Moore im Mittel 700 Tonnen Kohlenstoff. Moore sind damit die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher."

LfU-Präsident Claus Kumutat

Moorarten in Bayern

Moore

Moore entstanden nach der letzten Eiszeit - vor rund 10.000 Jahren. Es gibt Hoch- und Niedermoore. Außerdem weist das Landesamt für Umwelt (LfU) auch sogenannte Anmoore aus. Es koordiniert das bayerische Moorschutzprogramm und hat dazu den gesamten Moorbestand Bayerns inventarisiert und in Karten dargestellt. 2016 wurde die Moorbodenkarte (MBK) nochmals überarbeitet.

Hochmoor

Die Hochmoore haben sich, daher der Name, im Laufe der Zeit hochgewölbt und sich vom Grundwasser gelöst. Sie werden von Regenwasser gespeist - und sind deshalb nährstoffarm. In einem intakten Hochmoor steht das Wasser nur eine Handbreit unter der Oberfläche. In Bayern gibt es rund 23.600 Hektar Hochmoore.

Niedermoor

Die größten Moorflächen in Süddeutschland sind Niedermoore, laut bayerischem Landesamt für Umwelt 93.300 Hektar. Sie haben sich an Flüssen und in Auenlandschaften entwickelt. Im Gegensatz zu den Hochmooren brauchen Niedermoore Grundwasser, um sich zu erhalten. Dank des Grundwasser-Kontakts sind ihre Böden nährstoffreich - und für die Landwirtschaft besonders geeignet. Dazu müssen Niedermoore allerdings stark entwässert werden.

Anmoor

Ausgewiesen werden in der Statistik auch Anmoore oder anmoorige Böden. So werden Mineralböden bezeichnet, die aufgrund von zu viel Wasser und zu wenig Sauerstoff einen hohen Anteil an organischer Masse beinhalten. Anmoore sind Böden mit einem Anteil an organischen Kohlenstoff ab neun Prozent aufwärts bis zur Niedermoorebene. Anmoorige Böden entstehen beispielsweise durch das Tiefpflügen von Moorflächen. Auch Waldböden, die einen hohen Anteil unzersetzter Laub- und Nadelstreu aufweisen, wie zum Beispiel Eichen- oder Nadelwälder, zählen dazu. In Bayern gibt es knapp 110.000 Hektar davon. (Zahlen aus MBK25, Stand Juli 2015)

Ausgetrocknete Moore als Gefahr

Niedermoor - Boden des Jahres 2012

LfU-Präsident Kumutat betont, wie wichtig es sei, die Moore nicht austrocknen zu lassen. Denn dann setzten sie eine große Menge an CO2 und Lachgas frei, das noch klimaschädlicher als das Kohlendioxid sei.

"Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt die gleiche Menge an Kohlendioxid frei wie ein Mittelklassewagen, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt. Moorrenaturierung ist daher hocheffektiver Klimaschutz."

LfU-Präsident Claus Kumutat

Moore als Lebensraum seltener Arten

Hochmoorgelbling auf Kuckuckslichtnelke

Hochmoore zeichnen sich durch eine extreme Nährstoffarmut aus. Der niedrige pH-Wert und die permanente Wassersättigung bedingen hochspezialisierte Pflanzen und Tiere. Viele der moortypischen Bewohner sind aber mittlerweile vom Aussterben bedroht. So zum Beispiel der Lungen-Enzian oder der Hochmoorgelbling. Der Bestand dieses Schmetterlings, der in Bayern im voralpinen Hügel- und Moorland und im Bayerischen Wald anzutreffen ist, ist stark rückläufig.

Moor-Renaturierung in Bayern

Das Landesamt für Umwelt ist für die Umsetzung des bayerischen Moorschutzprogramms zuständig. Durch dieses "Klimaprogramm Bayern KLIP 2020" werden seit dem Jahr 2008 Moorflächen gesichert und trocken gelegte Moorflächen wieder vernässt. Beispiele für Moorrenaturierung in Bayern gibt es im Breitfilz bei Tradlenz und im Kläperfilz im Landkreis Weilheim-Schongau, im Felmer Moos, Landkreis Oberallgäu, oder im Fichtelseemoor im Landkreis Wunsiedel.

UNESCO-Gedenktag

Der Welttag der Feuchtgebiete wird seit 1997 alljährlich am 2. Februar begangen. Er beruht auf der Ramsar-Vereinbarung der UNESCO, dem "Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Wattvögel, von internationaler Bedeutung". Die Vereinbarung wurde am 2. Februar 1971 im iranischen Ramsar unterzeichnet und bisher zweimal modifiziert. Derzeit haben 169 Länder die Konvention unterzeichnet.

Deutschland unterzeichnete das Abkommen 1976 und hat sich damit verpflichtet, die nach der "Ramsar-Konvention" geschützten 34 Gebiete in Deutschland vor allem als Lebensraum für die Vogelwelt zu erhalten. (Stand: Januar 2017)

Nach Artikel 1 der Ramsar-Vereinbarung sind Feuchtgebiete im Sinne dieses Übereinkommens, Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich, künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen. So zählen Auwälder genauso dazu wie Korallenriffs, Moorgebiete und das Wattenmeer.

Moore in Deutschland

Moore gehören zu den am stärksten zerstörten Ökosystemen in Deutschland. 1,5 Millionen Hektar oder 4,2 Prozent der Landfläche bedeckten sie laut NABU einst. Heute sind rund 95 Prozent davon entwässert, abgetorft, bebaut oder werden landwirtschaftlich genutzt. Moore sind jedoch Kohlenstoffspeicher: In ihnen lagert sich doppelt so viel Kohlendioxid ab wie in allen Ländern der Welt. Werden sie zerstört, setzen sie in kurzer Zeit große Mengen CO2 und andere Treibhausgase frei. Experten schätzen, dass sie rund drei bis fünf Prozent der deutschen Gesamtemissionen ausmachen.

  • "Patient Moor - Wie Wissenschaftler die letzten Moore retten": 15.09.2015, IQ, Bayern 2, 18.05 Uhr
  • "Unterschätzte Moore - Was sich im Torf verbirgt": 15.09.2017, radioWissen, Bayern 2, 9.05 Uhr

24

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: