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Anthropozän Zeitalter des Menschen

Klimaerwärmung, Plastik im Meer, Atomtests - der Einfluss des Menschen auf den Planeten ist groß. Warum also nicht das gegenwärtige Erdzeitalter nach dem Menschen benennen? Anthropozän - menschgemachtes Zeitalter. Das empfiehlt jetzt eine Arbeitsgruppe.

Stand: 29.08.2016

Ánthropos bedeutet im Altgriechischen "Mensch" und Zän ist die "Zeit". Gemeint ist ein neues geologisches Zeitalter, das vom Menschen bestimmt ist. Denn der Mensch greift seit Beginn der Industriellen Revolution vor rund 200 Jahren so massiv in die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde ein, dass die Auswirkungen noch in 100.000 bis 300.000 Jahren zu spüren sein werden. Denn mindestens so lange dauern die einzelnen Abschnitte in der Erdgeschichte, auch Epochen genannt.

Erdzeitalter, Periode, Epoche

Die Erdgeschichte wird unterteilt in vier Erdzeitalter: Erdfrühtum, Erdaltertum, Erdmittelalter, Erdneuzeit. Kürzere Abschnitte werden Perioden genannt, noch kürzere Epochen. Aktuell leben wir in der Erdneuzeit, in der Periode "Quartiär" und der Epoche "Holozän", die vor etwa 11.700 Jahren begann. Anhand des Gesteins können Geologen bestimmen, wann ein neues Erdzeitalter beginnt.

Das Anthropozän wäre damit das Erdzeitalter, in dem der Mensch über die Erde bestimmt. Das war nicht immer so. Denn der Mensch ist erst rund 200.000 Jahre alt, Erdzeitalter dauern aber Jahrmillionen. Wann ein neues Erdzeitalter beginnt, lässt sich an den Gesteinsschichten ablesen. Ständig entstehen neue Gesteinsschichten und jedes Erdzeitalter hinterlässt darin eine Art Fingerabdruck. Im Labor lässt sich nicht nur feststellen, wie alt ein Gestein ist, sondern auch, wie das Klima zu der Zeit auf der Erde war. Fossilien von Tieren und deren Abdrücke liefern die Spuren, die es zu entschlüsseln gilt.

Der Mensch als geologischer Faktor

Die Spuren der Dinosaurier beispielsweise lassen sich bis heute im Gestein feststellen und man sieht an ihnen auch, wann die Tiere ausgestorben sind. Der Mensch als Ursache für ein neues Erdzeitalter lässt sich dagegen an der Umwelt ablesen: Durch Umweltschädigungen hinterlassen die Menschen einen Fingerabdruck in den Gesteinsschichten. Auch neue Stoffe wie Beton oder Aluminium finden sich in den Sedimenten.

Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen

Paul Josef Crutzen

Der niederländische Chemiker und Atmosphärenforscher Paul Crutzen brachte im Jahr 2000 den Begriff Anthropozän ins Spiel. Auf einem Kongress in Mexiko sprach er von einem neuen Zeitalter des Menschen. Während im Holozän die Natur allmächtig ist, hat im Anthropozän der Mensch den Einfluss auf die Erde übernommen.

Der Einfluss des Menschen auf die Erde sei global nachweisbar und teils unumkehrbar, betont eine internationale Arbeitsgruppe aus 35 Forschern und empfiehlt, das Anthropozän mit in die geologische Zeitskala aufzunehmen. Am 29. August 2016 plädierten die Wissenschaftler auf dem Internationalen Geologischen Kongress im südafrikanischen Kapstadt mit 34 Stimmen und einer Enthaltung dafür, den Beriff einzuführen. 28 Forscher schlugen als Beginn des Anthropozäns die Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Ein wichtiges Datum wäre der erste Atombombentest am 16. Juli 1945. Die Folgen lassen sich weltweit auf der Erdoberfläche nachweisen. In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen Wissenschaftler klären, welche in den Erdschichten abgelagerten Stoffe als Referenz für das neue Erdzeitalter dienen sollen. Dies könne etwa eine Kombination von Kunststoff, Rückständen aus Atomwaffen-Tests oder Flugasche aus der industriellen Produktion sein, sagte Reinhard Leinfelder von der Freien Universität Berlin, der der Arbeitsgruppe angehört.

Entscheidung über das neue Zeitalter

Bis der Begriff des Menschen-Zeitalters tatsächlich übernommen wird, dürften noch Jahre vergehen: Der Vorschlag muss zuerst von der Subcommission on Quaternary Stratigraphy (SQS), dann von der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) bestätigt werden. Im letzten Schritt muss das Exekutivkomitee der International Union of Geological Sciences (IUGS) den Vorschlag ratifizieren.

Es gibt auch Geologen, die das Anthropozän als Zeitalter für unnötig erachten, wie Manfred Menning vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ):

"Der Begriff [bringt] für geologische Arbeiten rein gar nichts, [ist] deshalb in der Geologie entbehrlich und wir [brauchen] auch keine Epoche oder [...] Kategorie mit dem Namen Anthropozän."

Manfred Menning, Deutsches Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ)

Vordenker für die Zukunft der Erde

Nobelpreisträger Paul Josef Crutzen

Bei der Frage, das Anthropozän einzuführen oder nicht, geht es weniger um eine geowissenschaftliche Notwendigkeit zur Benennung des menschgemachten Zeitalters, sondern eher um ein grundlegendes Selbstverständnis: Das Umweltbewusstsein ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewachsen, ebenso das Verständnis von globalen Wirtschaftsmechanismen oder Stoffströmen. Die Klimadebatte und die internationalen Klimakonferenzen sorgen ebenfalls dafür, dass die Menschen sich ihrer globalen Verantwortung für die Zukunft der Erde bewusst werden. Doch noch wissen wir zu wenig über das System Erde, um vernünftig damit umzugehen. Paul Crutzen, der die Anthropozän-Debatte angestoßen hat, gibt uns deshalb einen Ratschlag mit auf den Weg:

"Das heißt nicht, dass jeder versteht, was Anthropozän wirklich bedeutet. Aber ich denke, Wissenschaftler kennen den Begriff und verwenden ihn häufig. Dafür muss es ja einen Grund geben: Wir Menschen sitzen jetzt am Steuer, was man früher so nicht gedacht hat. Wir sind uns jetzt bewusst, was wir da machen."

Paul Crutzen, niederländischer Atmosphärenchemiker


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