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Stimmen zum Böhmermann-Strafverfahren "Böhmi bleib stark, noch ist gar nichts verloren!"

Die Bundesregierung hat Erdogans Strafantrag gegen Böhmermann wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes zugelassen. Wie sehen Kabarettisten und Rapper die Entscheidung? Wir haben unter anderem Idil Baydar und Fatoni gefragt.

Stand: 15.04.2016 | Archiv

Wegen seines satirischen "Schmähgedichts" wurde Jan Böhmermann vom türkischen Präsidenten Erdogan angezeigt. Dessen Antrag auf Strafverfolgung wegen Beleidung eines ausländischen Staatsoberhauptes hat die Bundesregierung gerade zugelassen. Was bedeutet diese Entscheidung für deutsche Künstler, die sich mit Humor und Satire kritisch äußern?

Idil Baydar, Kabarettistin und Sozialsatirikerin (“Jilet Ayse”)

"Noch ist alles offen – es könnte ja durchaus sein, dass Böhmermann vor Gericht gewinnt und dadurch noch ein stärkeres Signal gesetzt wird. Merkel hält sich einfach an Recht und Gesetz. Wenn Präzedenzfälle geschaffen werden, ist es immer etwas schwierig. Aber man muss auch sehen: Wir haben schon eine Meinungsfreiheit, die durch etwas eingeschränkt wird: Nämlich durch das Recht nicht diskriminiert zu werden. Das ist schon eine Einschränkung in der Meinungsfreiheit per se. Aber nun reden wir über einen Satiriker und in der Satire geht es eben darum, keine Grenzen zu haben, damit man gewisse Dinge verhandeln kann, die man sonst unter politisch korrekten Aspekten gar nicht aussprechen dürfte. Satire sollte frei bleiben, damit wir uns dahin entwickeln können, wo wir hin wollen als Gesellschaft.
Man mag halten von dem Gedicht, was man will – aber dass wir hier diese Debatten führen, ist ein riesiges Geschenk! Insofern hat er seinen Job gemacht. Also, Böhmi bleib stark, noch ist gar nichts verloren!"

Hustensaft Jüngling, rappender Grenzgänger

"Ich finde es generell schlecht, dass ermittelt wird, weil das die Kunstfreiheit einschränkt und ich generell den Trend in Deutschland beobachte, dass man nicht sagen darf, was man möchte und alles eingeschränkt und zensiert wird. Wenn ich etwas mit schwarzem Humor bei Twitter poste, dann wird sofort auf einen eingeprügelt von allen Seiten. In ganz Europa gibt es die Tendenz, dass viele Regierungen die Meinungsfreiheit einschränken und das ist ein Trend, den man aufhalten muss. Und in Deutschland haben wir es da ja noch gut im Vergleich zu anderen Staaten. Aber es besteht schon die Gefahr, dass das ein negativer Impuls ist. Und wenn man da nicht aktiv gegen angeht, indem man sich seine Rechte rausnimmt, dann wird das immer weiter eingeschränkt werden. Deswegen habe ich den Erdogan-Track aber nicht gemacht, sondern weil ich dachte, dass da gut Klicks abzugreifen sind."

Fatoni, subversiver Rapper



"I han K1 bok wiel jerde hamswursd jets s1 semf dadsu gibt jede dume leleck komt jetst mit 1 dunne m1ung! I bim in Gedankem bei Jan delay wiel i find er han nix falsch gmacht und er is der beeste dem wir haben! Mirkel wan no ni 1 getchillte persom! Un erdoam is 1 rihtig dume voze. Lol. Spas is nu sartire!!!! Zeig mi nit an du dume spasti!!! (daumen hoch emoji)."


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