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Meteoriteneinschläge Bombardement aus dem All

Millionen kleinerer Himmelskörper rasen durch unser Sonnensystem. Unzählige Narben von Begegnungen mit diesen wilden Gesellen trägt unsere Erde. Und sie könnte jederzeit wieder getroffen werden - mit katastrophalen Folgen.

Stand: 23.06.2017

ein gewaltiger Meteorit schlägt auf der Erde ein (Illustration) | Bild: colourbox.com

Ein Blick auf die kraterzerfressene, narbenübersäte Oberfläche des Mondes könnte uns einen Schauer über den Rücken jagen: Sie zeigt die Spuren des permanenten Bombardements, dem jeder Körper im All ausgesetzt ist.

Auch unsere Erde trägt unzählige solcher Narben: Sie wurde vor rund vier Milliarden Jahren förmlich verwüstet von Meteoriteneinschlägen. Etwa 22.000 größere Krater vermutet man auf der Erdoberfläche, doch die meisten sind durch starke Erosion kaum noch zu erkennen. Und etwa 25.000 Mal in einem Jahr trifft die Erde ein neuer Brocken aus dem All.

Berühmte Meteoritenkrater

Einschlagloch eines kleineren Meteoriten

Die meisten sind viel zu klein, um mehr als eine Delle zu hinterlassen. Doch auch kleine Einschlagslöcher sind beeindruckend: Sie zeugen von der ungeheuren Wucht, die selbst wenige Zentimeter große Gesteinsbrocken durch die hohe Geschwindigkeit entwickeln.

Tsunami und Druckwellen gefährlich

Forscher aus Großbritannien haben im April 2017 eine Studie veröffentlicht, die beleuchtet, welche Szenarien eines Asteroiden-Einschlags denn am gefährlichsten wären. Dabei haben sie in einem Computermodell sieben wahrscheinlich auftretende Folgen miteinander verglichen: Tsunamis, fliegende Trümmer, Druckwellen, Hitze, Erdbeben, Winde und Kraterbildung.

Bei Einschlägen im Meer käme es zu den meisten Opfern durch Tsunamis. Doch Einschläge auf der Erde wären laut Studie noch gefährlicher und zwar wegen atmosphärischer Druckwellen, die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreiten. Dabei entstehen starke Winde. Sie wären für über 60 Prozent der Todesopfer bei Einschlägen von Asteroiden bis 400 Metern Durchmesser verantwortlich.

Menschen würden durch die Luft geschleudert und Gebäude würden einstürzen. Der Wind könnte nämlich in diesen Fällen die Geschwindigkeit von Orkanen überschreiten. Insgesamt kategorisierten die Wissenschaftler Asteroiden dann als tödlich ein, wenn sie einen Durchmesser von über 18 Metern haben. Kleinere Asteroiden verbrennen meist in der Atmosphäre.

Wichtig sei so ein Computermodell für Krisenmanager. Damit könne man auch einschätzen, wie man bei Asteroideneinschlägen am besten reagiert. Bei kleineren Einschlägen könne die Bevölkerung Schutz etwa in Kellern suchen, bei größeren Asteroiden seien Evakuierungen unumgänglich, so Studienautor Clemens Rump.

"Die Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags ist wirklich gering. Aber die Konsequenzen können unvorstellbar sein."

Clemens Rump, Universität Southampton, Großbritannien

Krater und Katastrophen

Was ein wirklich großer Meteorit anrichtet, zeigt der Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán:

Jupiter unter Beschuss

Bei einem der spektakulärsten Einschläge eines Himmelskörpers in einen Planeten hatten wir zum Glück nur einen Logenplatz:
1994 stürzte der Komet Shoemaker-Levy 9 in Jupiter. Dessen hohe Gravitationskraft hatte den Kometen angezogen, der bei Eintritt in sein Schwerefeld in 21 Teile zerbarst. Einzelne Stücke schlugen mit bis zu 200.000 Kilometern pro Stunde ein. Das größte Bruchstück setzte beim Einschlag eine Energie frei, die dem Vielfachen des Weltarsenals an Atombomben entspricht - eiskalter Krieg unbelebter Materie. 

Explosion von Tscheljabinsk-Meteorit

Am 15. Februar 2013 ist im russischen Tscheljabinsk ein Meteorit explodiert. Dabei hat die Explosion dreißig Mal mehr Energie freigesetzt als die Detonation der Hiroshima-Bombe 1945. Der Meteorit sei mit einer Kraft von 500 Kilotonnen TNT rund 30 Kilometer über der Millionenstadt zerborsten, so der Astronom Jiri Borovicka im Fachmagazin "Nature". Rund 7.000 Gebäude in der Region wurden beschädigt. "Das Ergebnis erinnert uns daran, welche Schäden solche Steine verursachen können – und da draußen treiben weitaus größere Brocken", so der Wissenschaftler.
Die russische Forscherin Olga Popowa hat zudem in "Science" veröffentlicht, dass der Lichtblitz der Explosion dreißig Mal heller als die Sonne war. Popowa zufolge, hatte der Meteorit einen Durchmesser von etwa 20 Metern und ein Gewicht von schätzungsweise 10.000 Tonnen. Mindestens 76 Prozent des Meteorits seien bei der Explosion verdampft, der größte Brocken mit rund 600 Kilogramm sei in den Tschebarkul-See gefallen.

Längst fällig - die statistische Bedrohung

Im statistischen Mittel kommen Meteoriteneinschläge dieser Größenordnung etwa alle 50 Millionen Jahre auf der Erde vor. Rein statistisch ist also der nächste bereits fällig. Er würde nach den Dinosauriern wohl wieder eine Spezies komplett vernichten - den Menschen. Wann solch ein Einschlag tatsächlich stattfindet, lässt sich nicht berechnen. Doch ein Blick in die Vergangenheit gibt den Forschern die Möglichkeit, ein wenig vorauszublicken:

Näher, als uns lieb ist

Vor - oder besser: unter - den himmlischen Geschossen sind wir alle gleich: Jeder Fleck der Erde steht unter dem gleichen Risiko, einmal getroffen zu werden. In Bayern zeugt davon das Nördlinger Ries, ein gewaltiger Einschlagkrater. Und das war längst nicht der einzige Meteorit, der Bayern traf.

Vielleicht brachten die aggressiven Geschosse auch etwas Gutes: Forscher vermuten, dass durch sie überhaupt erst Leben auf der Erde möglich wurde. Viele Asteroiden tragen organische Materie mit sich. Selbst das Wasser könnte ursprünglich durch Kometen auf die Erde gelangt sein.

Erster Nachweis eines Kometeneinschlags

Über dem heutigen Ägypten ist nach Erkenntnissen südafrikanischer Forscher vor 28 Millionen Jahren ein Komet explodiert. Das soll ein 1996 gefundener kleiner schwarzer Kieselstein bezeugen. Nach der eingehenden Untersuchung des 30 Gramm schweren Fundes zeigten sich die Geologen um Jan Kramers von der University of Johannesburg im Oktober 2013 überzeugt, dass dies der erste Nachweis eines Bruchstücks aus einem Kometenkern auf der Erde ist. Die chemische Analyse des schwarzen Kieselsteins habe ergeben, dass er zu 65 Prozent aus Kohlenstoff bestehe. Dagegen liege der Kohlenstoffanteil von Meteoriten üblicherweise nur bei rund drei Prozent. Zudem enthielt das Gesteinsbröckchen noch winzige Diamanten, die sich nur durch hohen Druck - beispielsweise bei einem Einschlag - bilden.


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