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Internationale Raumstation ISS Schwereloser Koloss im All

Vor über zwanzig Jahren wurde der Vertrag zur Internationalen Raumstation unterzeichnet, kurz darauf flogen die ersten Module ins All. Die ISS ist größer als alles, was Menschen je zuvor ins All gebracht haben. Seit dem Jahr 2000 leben und arbeiten Raumfahrer dort in der Schwerelosigkeit.

Stand: 25.01.2018

Am 29. Januar 1998, vor über zwanzig Jahren, bekam das Projekt Internationale Raumstation ISS einen völkerrechtlichen Rahmen: Die zuständigen Minister der beteiligten Staaten unterzeichneten in Washington ein Abkommen, das die Rechte und Pflichten der einzelnen ISS-Partner festschrieb. Baubeginn war rund zehn Monate darauf, am 20. November 1998: Eine russische Proton-Rakete brachte das erste Modul in den Orbit. Mehr als ein Jahrzehnt später, im Mai 2011, war das Hightech-Labor im All offiziell fertiggestellt.

Wann ist die Raumstation zu sehen?

Am besten ist die ISS am Himmel zu sehen, wenn es Nacht ist, die Raumstation aber von der Sonne angestrahlt wird. Wann das der Fall ist, ist auf folgenden Web-Seiten zu erfahren.

Die ISS umrundet in rund 400 Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von rund 28.000 Kilometern in der Stunde die Erde - alle 90 Minuten einmal. Bei klarem Wetter ist der fliegende 450-Tonnen-Koloss nachts mit bloßem Auge zu sehen. Seit dem 2. November 2000 ist die Forschungsinsel permanent besetzt. Anfangs waren immer drei Raumfahrer an Bord, seit 2009 können sechs Personen gleichzeitig die ISS bewohnen. Auch deutsche Astronauten zählten schon zur Besatzung.

Weltraum-WG mit stetig wechselnder Besatzung

Als erster Deutscher reiste 2006 der Astronaut Thomas Reiter zur ISS. Hans Schlegel machte im Jahr 2008 nur eine Stippvisite im All, als Europas Foschungsmodul Columbus zur ISS gebracht wurde. Am 28. Mai 2014 brachte eine Sojus-Rakete Alexander Gerst als dritten deutschen Astronaut zur ISS. Wie Reiter lebte und arbeite er ein halbes Jahr auf der Raumstation. Im Juni 2018 soll Gerst wieder für rund sechs Monate dorthin fliegen.

Die ISS und ihre Vorgänger

Die ISS ist alles andere als eine schwebende Traumherberge. Bei mäßiger Luft und bescheidenem Essen lebt die außerirdische Wohngemeinschaft fast ohne Privatsphäre zwischen Computern und Kabeln.

Alltag im All

Waschen

Die Morgentoilette erfolgt mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Das Waschen der Kleidung entfällt allerdings: Schmutzige Wäsche wird mit dem Müll im Raumtransporter zur Erde geschickt und verglüht.

Frühstück

Dreimal täglich gibt es für die Astronauten ein gemeinsames Essen. Die Astronautennahrung aus der Tube ist out. Es gibt Fertiggerichte, aus denen für jeden Tag ein Menü zusammengestellt wird. Während des Essens müssen sich die Crew-Mitglieder an ihren Sitzen festschnallen und fix sein: Wird der Löffel nicht schnell genug zum Mund geführt, heben die darauf liegenden Köstlichkeiten ab. Und Flüssigkeiten können nur per Strohhalm aufgesaugt werden.

Toilette

Aufgrund der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck in einen Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten "Progress-Raumtransporters", der als Müllcontainer dient. Das rund 14 Millionen teure Kosmos-Klo kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten.

Forschung

Über Tag ist die Crew mit Experimenten sowie der Pflege der Bordanlagen beschäftigt - mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde.

Fitness

Rund zwei Stunden Fitness stehen pro Tag auf dem Programm, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit im eigentlichen Sinne gibt es während der sechs Monate an Bord kaum. Jede Sekunde ist verplant.

Alkohol

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze. Der Grund: Alkohol wirkt im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut.

Schlafen

Zum Schlafen gibt es auf der ISS Einzelkabinen und Schlafkojen. Damit man nachts nicht davonschwebt, muss man sich anschnallen und den Schlafsack festzurren. Weil in der ISS-Umlaufbahn alle 47 Minuten die Sonne auf- und wieder untergeht, werden die "Schlafzimmer" abgedunkelt. Und was machen Astronauten vor dem Einschlafen? Na, sie lesen oder sprechen über Videotelefon mit ihren Lieben. Sie dürfen eine bestimmte Anzahl persönlicher Sachen mit ins All nehmen: Karten- oder Brettspiele sind da ebenso erlaubt wie CDs oder Videofilme.

Der Aufbau der ISS hat viele Milliarden gekostet. Auch der Unterhalt der Raumstation ist teuer. Neben den USA und Russland sind auch Japan und Kanada an der ISS beteiligt. Deutschland ist als Teil der europäischen Raumfahrtagentur ESA mit an Bord.

US-Astronauten wollen ISS nicht im Stich lassen

Die Fackel der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi war im All.

Seit den Anfängen 1998 gab es auf der Station mehr als 200 Außeneinsätze, sogar mit Olympia-Fackel, sowie hunderte Experimente. Theoretisch wäre es denkbar, dass Astronauten die Versuchsanordnungen an Bord der ISS nur vorbereiten und nach einigen Monaten wieder abholen, um sie auf der Erde auszuwerten. Das wäre deutlich kostengünstiger. Doch US-Astronauten machten wiederholt deutlich, dass sie ihr Domizil im All nur äußerst ungern unbewohnt zurücklassen würden. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten.

Die Raumstation ISS über der Erde

Die politische Wirkung der ISS

Ein Aspekt der ISS lässt sich aber nicht in Zahlen wiedergeben: Die Raumstation ist das Ergebnis einer gewaltigen, gemeinsamen Anstrengung vieler Nationen zusammen. Geplant wurde sie bereits in den 1980er-Jahren, als gemeinsames Projekt von West und Ost, als politisches Signal zu Zeiten des Kalten Krieges.

"Im Weltall haben sich Kosomonauten und Astronauten die Hand gegeben und zusammen auf unseren Planeten runtergeschaut, auf dem man auch keine Grenzlinien sieht."

Alexander Gerst im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk

Das Hinunterschauen auf unseren Planeten aus der Perspektive zeigt aber noch etwas anderes:

"Der Blick auf unseren wunderschönen Planeten, das Erkennen dieser dünnen Schicht von Atmosphäre, regt wohl jeden Besucher auf der ISS zum Nachdenken darüber an, wie wir auf der Erde miteinander umgehen - und wie wir mit den vorhandenen Ressourcen umgehen."

Thomas Reiter, Koordinator internationale Agenturen und Berater des ESA-Generaldirektors

ISS bleibt bis mindestens 2024 im All

Technisch gesehen könnte die ISS bis 2028 Im Einsatz sein. Wenn ihre Zeit abgelaufen ist, soll sie kontrolliert ins Meer stürzen. Die über hundert Meter lange Raumstation ist zu schwer, um als Weltraumschrott durch den Weltraum zu fliegen. Daher wird sie irgendwann das gleiche Schicksal ereilen wie die russische Vorgänger-Raumstation MIR. Diese stürzte im Jahr 2001 kontrolliert in den Pazifik.

  • "Alexander Gerst – Ein Mann mit einer Mission": am 29. Mai 2015 in "W wie Wissen", ARD
  • "Das fliegende Labor - Ist die ISS ein wissenschaftlicher Erfolg?": am 28. Mai 2014 um 18.05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2
  • "ISS - Was muss ein Weltraumzelt leisten?": am 27. Mai 2016 um 18:05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2

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