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Weltraumschrott bedroht Satelliten und die ISS. Mit einem Netz möchte die EU zukünftig die Schrottteilchen einfangen. Airbus hat das getestet.
© dpa-Bildfunk/Carmen Jaspersen
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Weltraumschrott bedroht Satelliten und die ISS. Mit einem Netz möchte die EU zukünftig die Schrottteilchen einfangen. Airbus hat das getestet.

Es ist eine kleine, sehr kreative Mission: "RemoveDEBRIS", gefördert von der EU. Sie soll zeigen, wie man mit verhältnismäßig einfachen Mitteln Weltraumschrott aufräumen kann.

Im Juni 2018 erreichte der vollgepackte Forschungssatellit die Internationale Raumstation ISS, jetzt im Herbst wurden schon die ersten erfolgreichen Experimente absolviert. Eines davon: Weltraumschrott fangen mit einem Fangnetz. Dazu haben die Forscherinnen und Forscher der Universität Surrey (Großbritannien) in Zusammenarbeit mit Airbus Defense and Space in Bremen ein sternförmiges Netz auf einen anderen kleinen Satelliten, quasi den Weltraumschrott, geworfen.

"Wir sind absolut begeistert von dem Ergebnis. Es klingt wie eine simple Idee, aber ein Netz im Weltall zu benutzen, um Weltraumschrott damit einzufangen, bedarf vieler Jahre an Planung, Ingenieursleistung und Koordination zwischen allen beteiligten Institutionen. Es ist eine aufregende Zeit für uns alle." Prof. Guglielmo Agliette, Direktor Surrey Space Centre

Eingefangener Satellit entwischt nicht mehr

Das Netz flog wie geplant auf den kleinen Satelliten zu und zog sich rasch um ihn herum, mit Hilfe von Motoren an seinen Enden.

"Damit der Fisch, den man gefangen hat, nicht mehr entwischt." Ingo Retat, Airbus Defense and Space, Projektleiter

Mit einem Netz soll Weltraumschrott eingefangen werden.

Mit einem Netz soll Weltraumschrott eingefangen werden.

Sechs Jahre lang wurde das Netz im Labor und bei Flügen in der Schwerelosigkeit getestet. Es ist einem Spinnennetz nachempfunden und hat ausgebreitet einen Durchmesser von fünf Metern. Die künstlichen Fasern sind sehr dünn aber stabiler als Stahl.

In einem weiteren Test Anfang 2019 soll eine Harpune ausprobiert werden. Sie ist zielgenauer als das Netz, aber kann bei rotierenden Objekten oder bei welchen mit einem Tank nicht eingesetzt werden, unter anderem wegen der Explosionsgefahr.

Weltraumschrott sichtbar machen

Um ein Stück Weltraumschrott zielgenau einsammeln zu können, müssen die Ingenieure auf der Erde auch ein gutes Bild davon bekommen. Auch das konnte im Rahmen der "RemoveDEBRIS"-Mission im Oktober schon getestet werden. Mit sensiblen Kameras bestimmten die Forscherinnen und Forscher die Entfernung, Richtung und Geschwindigkeit des Objekts.

"Dieses Experiment ist nicht so spektakulär, aber es könnte genauso entscheidend für so eine Mission sein." Prof. Guglielmo Aglietti, Surrey Space Centre

Der letzte Teil der Mission beschäftigt sich damit, wie man Weltraumschrott so abbremsen kann, damit er schneller in die Erdatmosphäre eintritt und dann verglüht. Dazu soll der Forschungssatellit selbst ein rund 25 Quadratmeter großes Segel entfalten, das ihn innerhalb von acht Wochen entsprechend abbremst, damit er verglühen kann. Ohne Segel würde das zweieinhalb Jahre dauern. So eine Methode funktioniert laut ESA nur bei kleineren Objekten gut, denn je größer der Satellit, desto größer auch das benötigte Segel.

Weltraumschrott mit Plasmastrahlen abbremsen

Die Europäer sind nicht die einzigen, die sich um das Problem "Weltraumschrott" kümmern. Forscher der Universität Tokio haben erst im September dieses Jahres gezeigt, dass man Weltraumschrott auch mit Plasmastrahlen abbremsen kann.

Insgesamt sind die Weltraumagenturen aufgerufen, keinen neuen Weltraumschrott zu produzieren. Ziel ist, dass Objekte spätestens nach 25 Jahren verglühen oder - das betrifft vor allem größere Kommunikations- und TV-Satelliten - auf eine sogenannte Friedhofsbahn 235 Kilometer weiter weg gebracht werden, wo sie keinen mehr stören.