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Fledermäuse Alle Arten Bayerns auf der Roten Liste

Mopsfledermaus, Kleine Hufeisennase, Fransen- oder Rauhautfledermaus: Das sind vier der mehr als zwanzig Fledermausarten, die noch durch Bayern flattern. Doch alle sind gefährdet.

Stand: 26.01.2018

In Bayern wurden bislang 25 verschiedene Fledermausarten nachgewiesen. Die mögen es gern warm: Je weiter südlich die Region, desto mehr Fledermausarten gibt es. Im Norden des Freistaats sind etwa 21 Arten bekannt, im Süden 25. Alle Fledermausarten sind gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht. Die Fledermaus, die bei uns am häufigsten vorkommt, ist das Große Mausohr. Experten schätzen, dass es rund 135.000 Tiere gibt. Mit einer Körperlänge von fast acht Zentimetern ist diese Art auch eine der größten bayerischen Fledermäuse.

Fledermäuse wohnen gerne in der Stadt

Fledermäuse siedeln nicht nur in verlassenen Burgen und einsamen Höhlen, sondern suchen oft die Nähe zum Menschen: Sie sind sogenannte "Kulturfolger", die gerne bei uns mit in Haus und Hof siedeln. Abends können Sie sie entdecken. Im Schein der Straßenlaternen zeigen sie ihre rasanten Flugkkünste, denn dort sammeln sich die Schnaken. Ein Festschmaus für Fledermäuse.

Hufeisennasen-Kolonie wächst

Von der Großen Hufeisennase.gibt es nur noch eine einzige Kolonie in Deutschland: In Hohenburg in der Oberpfalz (Landkreis Amberg-Sulzbach) leben die Tiere auf dem Dachboden eines jahrhundertealten Hauses. Seit 2012 bemüht sich der Landesbund für Vogelschutz (LBV) vor Ort in einem von der EU und dem Bayerischen Naturschutzfonds finanzierten Projekt, die Art vor dem Aussterben zu bewahren. Im Januar 2018 vermeldete der LBV, dass die Kolonie seit Projektbeginn von 67 Tieren auf 184 Exemplare angewachsen ist.

Auch die Kleine Hufeisennase ist sehr selten, nur noch im südlichen Oberbayern ist sie zu finden. Hufeisennasen machen ihrem Namen alle Ehre: Wie ein Schalltrichter stülpt sich ihr Riechorgan nach außen, denn sie produzieren ihre Ultraschalltöne durch die Nase. So können sie sich auch dann noch orientieren, wenn sie gerade die Schnauze voll haben.

"Fledermäuse sind streng geschützt. Nicht nur die Tiere, sondern auch ihre Quartiere stehen unter gesetzlichem Schutz."

Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern

Geschützte Kirchen für geschützte Fledermäuse

Das oberfränkische Pottenstein beherbergt eines der größten Fortpflanzungsquartiere für das Große Mausohr in Bayern. Um die alten Kirchdachstühle, in denen die Fledermäuse leben, und die Tiere selbst zu schützen, wurde die Friedhofskirche in Pottenstein gemeinsam mit den Kirchen in Oberailsdorf und Nankendorf zum Fauna-Flora-Habitat- (FFH)-Gebiet "Mausohrenkolonien in der Fränkischen Schweiz" erklärt. Sie wurden damit in das europaweite Schutzgebietsnetzwerk "NATURA 2000" aufgenommen. Für die Großen Mausohren wurde ein eigener Managementplan erstellt.

Jede AFledermausart braucht besonderen Schutz

Da jede Fledermausart ihre eigenen Lebensräume, Fress- und Lebensgewohnheiten hat, muss jede Art anders geschützt werden. "Einen Storch kann man auch nicht so schützen wie eine Meise", verdeutlicht Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern. Manche Fledermäuse leben auf Dachböden, andere in Wäldern, einige Arten jagen über Gewässern, andere am Boden.

Winzige Geschöpfe

Was alle Fledermäuse gemeinsam haben: Sie sind sehr klein. Selbst die größte bayerische Fledermaus, der Große Abendsegler, hat eine Körperlänge von nur rund acht Zentimetern. Seine Flügelspannweite misst im Vergleich dazu allerdings enorme vierzig Zentimeter. Die kleinste Fledermaus hierzulande, die Zwergfledermaus, wird dagegen nur rund vier Zentimeter groß und passt in eine Streichholzschachtel.

Der Gaumenschmaus der Fledermaus

Perfekt angepasst

Fledermäuse gibt es schon seit über fünfzig Millionen Jahren. Nach den Nagetieren sind sie die artenreichste Gruppe unter den Säugetieren. Sie zeigen eine große bioloische Viefalt und füllen so gut wie jede Nahrungsnische: Es gibt Vegetarier und Fleischfresser, Insektenjäger, Fischliebhaber und Froschgourmets, Blütenpollennascher und auch die legendären Vampire.

Spitze Zähne

In Bayern beschränken sich Fledermäuse auf Insekten als Nahrung. Ihre spitzen Zähne brauchen sie zum Knacken der harten Käferpanzer und nicht für Halsschlagadern. Menschen bekommen die Zähne nur dann zu spüren, wenn sie ein Tier in die Hand nehmen. Dann versucht das Tier sich zu verteidigen.

Mückenjäger

Viele Fledermäuse haben sich auf Nachtinsekten spezialisiert wie Nachtfalter, Schnaken und Stechmücken. Bis zu 60.000 Mücken kann eine einzelne Fledermaus in nur einem Sommer fressen. Fledermäuse sind daher sehr wichtig für das ökologische Gleichgewicht, denn kein anderes Tier hat sich auf die Nachtinsekten als Nahrung spezialisiert.

Schleckmäuler

In den Tropen sieht der Speiseplan von Fledermäusen anders aus. Spitzmauslangzüngler zum Beispiel ernähren sich von Nektar, den sie nachts mit einem wahren Heißhunger aus blühenden Pflanzen schlecken. Bis zu 15 Gramm Nektar verspeisen sie pro Nacht. Das entspricht 150 Prozent ihres eigenen Körpergewichts.

Schlabberzunge

Ihren Namen verdanken die Spitzmauslangzüngler ihrer vier Zentimeter langen Zunge, mit der sie ihre Nahrung aus den Blüten holen. Dabei misst ein ausgewachsener Spitzmauslangzüngler nur acht Zentimeter. Bei der "Anoura fistulata" aus Ecuador ist die Zunge sogar bis zu 8,5 Zentimeter lang, das Tier selbst nur fünf Zentimeter.

Fledermaus frisst Fledermaus

In den Tropen lebt auch der Falsche Vampir, der Jagd auf kleine Papageien, Mäuse und andere Fledermäuse macht. Nicht Hasen, sondern frischen Fisch liebt hingegen die Hasenmaulfledermaus.

Echte Vampire

Vampirfledermäuse stillen ihren Hunger mit frischem Blut von Säugetieren, zum Beispiel von Rindern. Sie landen dicht neben dem schlafenden Tier und schneiden mit ihren winzigen Zähnen einen feinen Schlitz in dessen Haut. Dann lecken die Fledermaus Blut, bis sie satt ist.

DDT mit drastischer Wirkung

Die Kleine Hufeisennase stößt ihre Laute durch die Nase aus. Deshalb ist diese wie ein Schalltrichter geformt.

Bis in die 1950er-Jahre kamen Fledermäuse bei uns häufig vor, doch der Einsatz von DDT in der Landwirtschaft machte der Fledermaus fast den Garaus: Das Pflanzenschutzmittel vernichtete im großen Stil ihr Hauptnahrungsmittel: Insekten. Der Fledermausbestand schrumpfte auf weniger als ein Zehntel der ursprünglichen Population.

Immer noch hungrig und zunehmend schlaflos

Seit etwa 35 Jahren erholt sich der Bestand der Fledermäuse in Bayern dank des intensiven Einsatzes von Naturschützern. Bei etwa zehn der 25 Arten sei die Entwicklung tendenziell positiv, sagt Matthias Hammer. Trotzdem ist Bayern für Fledermäuse kein Paradies: Die Zersiedelung der Landschaft schmälert das Angebot an Nahrung. Insekten gibt es vor allem in abwechslungsreichen Gebieten wie Streuwiesen, an Waldrändern, auf Trockenrasen und Wiesen mit Hecken. Und die sind selten geworden.

Braune Langohren im Fledermauskasten

Ebenso rar werden in Bayern Schlafplätze für Fledermäuse: Alte Bäume mit gemütlichen Hohlräumen als Unterschlupf fehlen zunehmend. Moderne Bauweisen ohne Fugen und Ritzen sperren die Fledermaus aus. Doch Sie können mithelfen - beim Projekt "Fledermäuse willkommen!"

  • Die Fledermaus - das bedrohte Nachtgeschöpf: am 23. November 2017 um 15.05 Uhr in "radioWissen am Nachmittag", Bayern 2

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