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Geschichte der Imkerei Von Zeidlern und hohlen Bäumen

Zu allen Zeiten haben Menschen den Bienen ihren Honig geraubt. Im Mittelalter wurde ein richtiger Beruf daraus: der Zeidler. Der trug gelbe Hosen, kletterte zu seinen Bienen auf Bäume, belieferte Klöster und Kirchen mit Wachs.

Stand: 28.09.2017

Der Leiter des Zeidelmuseums in Fürth zeigt verschiedene Honigkörbe, in denen frühe Imker ihre Bienen gehalten haben. Um an den Honig und das Wachs zu kommen, mussten die Waben zerstört werden. | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt eine Höhlenmalerei bei Valencia in Spanien, die 8.000 bis 12.000 Jahre alt ist. Eine unerschrockene Person ist meterhoch einen Baumstamm nach oben geklettert und steckt dort ihren Arm tief in einen Honigstock hinein. Um sie herum schwirren aufgeregte Bienen. Es ist die älteste bekannte Darstellung eines menschlichen Honigräubers aus der Steinzeit.

Solche Höhlenmalereien von Honig sammelnden Menschen findet man auch im heutigen Algerien, Libyen oder Südafrika. Sie erzählen die Geschichte der Imkerei, wie die Menschen erst Honig sammelten, später gezielt für sich produzieren ließen.

Bienenhaltung in der Antike

Bienenhaltung gibt es wahrscheinlich erst seit rund 7.000 Jahren. Zumindest gibt es aus dieser Zeit die frühesten Aufzeichnungen: aus Zentralanatolien. Auch im antiken Ägypten wurden schon Bienen gehalten. Es gibt einige Hieroglyphen, auf denen Imker dargestellt sind.

Die früher Imker heißen in Mitteleuropa "Zeidler". Das kommt vom lateinischen "cidlarii" und bedeutet so viel wie "das Produkt von einem Tier wegholen", man kann also auch Kühe zeideln (melken) oder Hühner (also ihre Eier einsammeln).

Honig für Lebkuchen und Met

Honigschleuder im Zeidelmuseum in Feucht

Der älteste Nachweis eines Zeidlers in Bayern stammt aus dem Jahr 748 und dokumentiert diesen Beruf am Donauufer und in Schwarzach. Der Deutsche Kaiser Karl der Große förderte in dieser Zeit die häusliche Bienenhaltung. Honig war ein Luxusgut, es gab ja noch keinen Zucker. Nur mit Honig ließen sich Süßspeisen, Lebkuchen oder Met herstellen. Doch auch das Wachs war begehrt: für Kerzen in Klöstern und Kirchen. In Nürnberg zum Beispiel kauften die Sebaldus- und die Lorenzkirche im Jahr eine Tonne Bienenwachs auf.

"Doch damit wurden auch fränkische Bauernschränke eingelassen, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Selbst die Kleidung aus Leinen wurde mit Wachs behandelt, um sie wasserdicht zu machen. Wachs brauchte man natürlich auch um Urkunden zu besiegeln."

Wolfgang Mittwoch, Zeidelmuseum Feucht

Bienen für den Kaiser

Bienenwaben in Baumstamm

Die Bienen gehörten dem Kaiser, doch die Nutzungsrechte an ihren Produkten, die überließ er den Zeidlern. Die Imkerei von damals war aber völlig anders als heutzutage. Viele Bienenstöcke waren nämlich in hohlen Bäumen im Wald untergebracht, bis zu mehrere Meter hoch, mehrere übereinander. Wenn ein Zeidler im Wald ein wildes Bienenvolk fand, durfte er in den zugehörigen Baum sein Zeichen einschlagen - dann durfte der das Volk nutzen.

"Die waren mehr oder weniger wilde Bienen, das heißt, die waren bösartig, die haben ganz furchtbar gestochen."

Wolfgang Mittwoch, Zeidelmuseum Feucht

Tracht der Zeidler

Auch Schutzkleidung hatten die Zeidler schon erfunden: robuste Lederjacken und eng anliende Hosen aus dickem Wollstoff, breitrandige Hüte und ein Schleier aus handgeflochtenem Pferdehaar. Die Ausgehtracht der Zeidler zeigte auch ihren Beruf an: Eine grüne Leinenjacke als Symbol für den Wald und eine gelbe Bundhose, symbolisch für den Honig. Besonders auffällig war die Kugelmütze, die mit Stoffresten ausgestopft wurde und hoch stand, das konnten schon mal 20 Zentimeter sein.

Waldschützer und Honigproduzenten

Wappen am Zeidelmuseum Feucht

Die Armbrust über der Schulter ist auf vielen Symbolen für Zeidler dabei, sie erinnert an eine weitere Aufgabe der Männer: Dienst an der Waffe, sie gaben dem Kaiser im Wald Geleitschutz. Darüber hinaus mussten sie gegen Schädlinge im Wald vorgehen, bei Waldbränden helfen und die Köhler kontrollieren.

Ab 1660 veränderte sich das Leben der Zeidler drastisch: Rohrzucker aus Südamerika löste den Honig als Süßungsmittel ab, Klöster wurden nach der Reformation aufgelöst, sie brauchten weniger Wachs und statt Met wurde immer mehr Bier gebraut.

Vom Zeidler zum Imker

Viereckige Bienenstöcke

Aus Zeidlern wurden Imker, die Bedeutung der Bienen für die Honigherstellung trat hinter ihre Bestäubungsleistung zurück. Seit 1865 gab es die Honigschleuder und bewegliche Holzrähmchen mit herausnehmbaren Waben revolutionierten die Imkerei. Mittlerweile versorgen in Deutschland rund 120.000 Imker rund 830.000 Bienenvölker (Stand: 02.01.2018, Deutscher Imkerbund), die meisten im Nebenerwerb. Doch bis heute gibt es noch ein paar Zeidler - zum Beispiel im Steigerwald, hier kümmern sich Waldimker um Bienen in Baumhöhlen. Aber viele Imker wohnen mittlerweile auch in Städten.

  • "Die Geschichte der Imkerei - Das Geschäft mit der Biene": am 2.10.2017 um 9:05 Uhr und am 23.10.2017 um 15:05 Uhr, radioWissen, Bayern 2
  • "Zeidler-Honig - Bienen in Baumhöhlen": am 14.07.2017 um 19 Uhr, Unser Land, BR Fernsehen
  • "Ich mach's - Tierwirt/in (Fachrichtung Imkerei)": am 21.10.2013 um 19 Uhr, ARD-alpha
  • "Honig - Das süße Gold der Bienen": am 14.01.2016 um 15:05 Uhr, radioWissen, Bayern 2
  • "Balkon für Wildbienen": am 04.07.2016 um 19 Uhr, Querbeet, BR Fernsehen

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