Wissen - Sternenhimmel


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Venus, Merkur und Jupiter am Morgen Alle Planeten im Dezember zu sehen

Im Dezember können Sie sämtliche Planeten des Sonnensystems am Sternenhimmel finden: Mars und Saturn erhellen den frühen Winterabend, begleitet von den fernen Riesen Uranus und Neptun. Doch so richtig zur Sache geht's am Morgen: Venus, Merkur und Jupiter treffen sich!

Von: Heike Westram

Stand: 30.11.2018

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Dezember im Überblick

Alle sieben Planeten des Sonnensystems sind im Dezember zu sehen, wenn auch nicht alle zur gleichen Zeit. Anfang Dezember können Sie am frühen Abend noch kurz den Ringplaneten Saturn entdecken, unter dem roten Licht unseres Nachbarn Mars, der weiter den Abendhimmel dominiert. Verborgen bei ihnen können geübte Beobachter auch Neptun und Uranus noch finden, weil es so früh dunkelt. Doch wirklich sehenswert ist die Planetenpracht morgens: Unter der strahlend hellen Venus taucht zunächst der kleine Merkur auf, der nicht oft zu sehen ist. Drei Wochen lang ziert er den Morgenhimmel, dann wird er von einem gigantischen Licht abgelöst: Jupiter kehrt zurück.

Abschied von Saturn

Wollen Sie den großen Ringplaneten Saturn im Dezember noch mal erblicken, müssen Sie sich beeilen: Nur zu Monatsbeginn taucht er auf, und nur am frühen Abend. Der Himmel muss sehr klar sein und Sie brauchen freie Sicht zum Horizont im Westen, denn wenn der Himmel etwa ab fünf Uhr abends langsam dunkel genug wird, steht Saturn schon tief: Anfang Dezember ist er um diese Uhrzeit noch eine knappe Handbreit vom Horizont entfernt und fast eine Stunde lang zu sehen. Saturn ist kein sehr auffälliges Licht mehr, obwohl er mit einer scheinbaren Größe von 15 Bogensekunden recht groß ist und seine scheinbare Helligkeit von 0,5 mag auch alle Sterne ringsum noch übertrifft.

Saturn früh abends im Westen

Allabendlich steht der Planet zur gleichen Uhrzeit tiefer und geht früher unter. So ist er immer schlechter zu beobachten. Vom 8. bis 10. Dezember hilft Ihnen die Mondsichel bei der Suche und führt Sie dicht an den Planeten heran. Danach werden Sie Saturn vermutlich nicht mehr finden.

Mars läuft seinem Untergang davon

Der rote Planet Mars

Obwohl er nur halb so groß wie Saturn und unwesentlich heller ist, können Sie unseren Nachbarn Mars im Dezember weitaus besser sehen. Denn der rote Planet befindet sich einige Handbreit links über Saturn, viel weiter von der Sonne entfernt. Dadurch steht er auch dann noch mehrere Handbreit hoch, wenn der Himmel um Viertel nach sechs Uhr stockfinster geworden ist. Bis nach elf Uhr abends ist Mars sichtbar.

Mars auf der Flucht

Und daran ändert sich nicht viel im Monatsverlauf: Der Planet läuft seinem Untergang erfolgreich davon und verschwindet am Monatsende nur wenige Minuten früher als Anfang Dezember. Das Sternbild Wassermann, in dem Mars zu Monatsbeginn zu finden ist, geht dagegen Ende Dezember zwei Stunden früher unter, wie jedes Objekt am Fixsternhimmel. Doch dann ist Mars längst schon in die Fische geflohen. Am 14. und 15. Dezember steht der zunehmende Halbmond jeweils nur wenige Fingerbreit von dem Planeten entfernt und strahlt mit ihm um die Wette.

Auf seiner schnellen Reise passiert der rote Planet im Dezember einen fernen Vetter - den äußeren Planeten Neptun - und führt Sie direkt zu ihm hin:

Neptun, von Mars präsentiert

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Neptun, der äußerste Planet im Sonnensystem, ist nicht ganz leicht zu entdecken. Doch der helle Mars führt Sie im Dezember direkt zu ihm: Anfang Dezember ist Mars noch zwei Fingerbreit rechts unter Neptun, dann rückt er täglich näher. Am 6. Dezember würde noch die Mondscheibe zwischen die beiden passen, am 7. Dezember ist Mars keine zehn Bogenminuten von Neptun entfernt - das entspricht einem Drittel der Vollmondscheibe. Dann entfernt sich Mars ebenso schnell, wie er sich genähert hatte: Am 8. Dezember würde bereits wieder der Mond zwischen die beiden Planeten passen, am Abend darauf beträgt der Abstand fast ein Fingerbreit. Zu Silvester ist Mars bereits anderthalb Handbreit links über Neptun.

Aber selbst mit Mars als Auffindhilfe werden Sie Neptun nicht mit bloßem Auge finden. Der Planet ist so weit von der Erde entfernt, dass Sie ein Teleskop oder zumindest ein lichtstarkes Fernglas mit Stativ benötigen. Neptuns scheinbare Helligkeit beträgt nur 7,9 mag, sein winziges Scheibchen hat einen scheinbaren Durchmesser von nur gut zwei Bogensekunden.

Dank der frühen Dezembernacht können Sie Neptun den ganzen Monat lang noch bequem beobachten. Ab etwa sechs Uhr abends ist es dunkel genug geworden, um ihn zu finden. Und bis etwa neun Uhr steht Neptun hoch genug über den Dunstschichten - zu Monatsanfang noch etwas länger, Ende Dezember etwas kürzer. Vom 13. bis 15. Dezember ist allerdings der Mond zu nah und überstrahlt sein schwaches Licht. Eine Aufsuchkarte für Neptun finden Sie ein Stück weiter oben auf dieser Seite.

Uranus, der zweite ferne Riese

Uranus und Neptun

Auch Neptuns Nachbar Uranus ist in den dunklen Winternächten ideal zu sehen. Und auch er ist so weit weg, dass sich die Beobachtung nur mit lichtstarker Optik lohnt. Unter günstigsten Bedingungen ist Uranus aber noch mit bloßem Auge erkennbar, dafür reicht seine scheinbare Helligkeit von 5,7 mag gerade noch aus.

Uranus im Dezember

Am frühen Abend steht Uranus im Dezember hoch im Süden, dann ist er ideal zu beobachten. Erst nach Mitternacht sinkt er zu tief: Anfang Dezember können Sie ihn bis nach drei Uhr finden, Ende Dezember bis nach ein Uhr. Vom 16. bis 19. Dezember ist allerdings der Mond mit seinem hellen Licht zu nahe.

Hell, heller - Venus

Was die Venus so hell macht

Besonders belohnt werden im Dezember die Frühaufsteher, denn morgens vor Sonnenaufgang geht es so richtig los mit der Planetenpracht. Den Anfang macht die Venus: Sie geht schon um vier Uhr auf und macht sich keine halbe Stunde später im Südosten bemerkbar, wenn der Himmel noch stockfinster ist. Wenn um sechs Uhr morgens die erste Morgendämmerung einsetzt, ist unsere innere Nachbarin schon anderthalb Handbreit hoch geklettert und nicht mehr zu übersehen.

Venus, Merkur und Jupiter im Dezember

Denn die Venus ist mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,9 mag (Ende Dezember etwas weniger) das mit weitem Abstand hellste Objekt am Firmament, nach Sonne und Mond. Der zieht gleich in den ersten Dezembertagen an der Venus vorüber: Am Morgen des 2. Dezember ist der Mond mit abnehmender Sichel noch zwei Handbreit von der Venus entfernt, rechts über ihr. Am 3. Dezember ist er auf eine Handbreit an sie herangerückt, am 4. Dezember steht die Mondsichel wenige Fingerbreit links der Venus. Bis halb acht Uhr können Sie das hübsche Duo sehen, dann wird's zu hell.

Der seltene Merkur taucht auf

Am folgenden Morgen, dem 5. Dezember, hat der Mond die Venus bereits fast zwei Handbreit weit hinter sich gelassen und taucht erst lange nach ihr am Morgenhimmel auf, am Morgen danach noch später. Doch dann sollten Sie mal genau hinsehen:

Erst nach halb sieben Uhr erscheint der Mond am 6. Dezember über dem Horizont im Südosten, als hauchzarte Sichel, die schwer zu sehen ist. Aber es lohnt sich, denn sie ist nicht allein: Gut zwei Fingerbreit rechts über dem Mond wird der kleine Merkur sichtbar. Der innerste Planet im Sonnensystem ist nur selten zu sehen, doch in den folgenden drei Wochen ist sein Abstand zur Sonne so groß, dass er vor ihr in der Morgendämmerung erscheint.

In den ersten Tagen ist es noch schwer, Merkur zur entdecken. Sein winziges und noch nicht so helles Pünktchen geht um Viertel nach sechs Uhr auf. Kurz nach sieben Uhr wird es dann schon zu hell für Merkur. Doch bis zur Monatsmitte wird er um eine ganze Größenklasse heller und erscheint täglich ein bisschen früher. Zugleich verschiebt sich der Sonnenaufgang nach hinten, sodass es bis halb acht Uhr dunkel genug für Merkur ist. Vom 10. bis 18. Dezember ist er recht gut zu entdecken, dann steht Merkur um sieben Uhr vier bis fünf Fingerbreit über dem Horizont, gut zwei Handbreit links unter der hellen Venus. Eine Karte mit den Positionen Merkurs finden Sie weiter oben, bei der Venus.

Auf seiner engen Runde um die Sonne dreht Merkur aber bald wieder ab. Nach dem 18. Dezember geht er jeden Morgen deutlich später auf und steht um sieben Uhr immer tiefer. So wird es tagtäglich schwieriger, ihn zu entdecken. Dafür lohnt sich die Suche nach Merkur doppelt, denn er bekommt Gesellschaft:

Jupiter kehrt zurück

Etwa ab dem 20. Dezember taucht bei Merkur auch Jupiter auf. Er ist im November hinter der Sonne vorbei gezogen, nachdem er im Sommer und Herbst am Abendhimmel prangte. Anfangs ist er noch schwer zu entdecken, doch das bessert sich täglich.

Am 21. oder 22. Dezember sollten Sie ein Fernglas zücken und früh rausgucken: Da wird's ganz eng am Morgenhimmel! Merkur und Jupiter stehen an diesen Morgen jeweils nur eine halbe Fingerbreit voneinander entfernt in der Morgendämmerung. Sie brauchen absolut freie Sicht zum Horizont, denn um sieben Uhr sind die beiden noch keine drei Fingerbreit weit über den Horizont im Südosten gekrochen. Und schon um halb acht Uhr wird es zu hell.

Merkur ist deutlich kleiner und dunkler als Jupiter: Er misst nur rund sechs Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser, Jupiter dagegen dreißig. Und mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,5 mag übertrifft Merkur zwar die meisten Sterne, kann aber Jupiter nicht das Wasser reichen: Der muss sich mit -1,8 mag nur der Venus geschlagen geben, die noch drei Größenklassen heller strahlt als er.

Dicke Planetenbrummer

Auch an den Weihnachtsmorgen stehen die drei zusammen am Himmel, Göttervater, Liebesgöttin und der kleine Götterbote. Doch dann eilt letzterer davon. Nach dem 26. Dezember werden Sie Merkur wohl nicht mehr entdecken. Dafür mausert sich Jupiter in den letzten Tagen des Jahres. Zu Silvester geht er schon gegen sechs Uhr auf und macht sich eine Viertelstunde später bemerkbar. Gut eine Stunde lang können Sie zusehen, wie sich sein mächtiges Licht in den Himmel hebt. Der Venus ist er schon ein ganzes Stück näher gekommen. Im Januar werden die beiden hellsten Planeten dicht beieinander am Morgenhimmel erstrahlen - doch davon dann mehr im nächsten Jahr auf dieser Seite.

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Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • Der Sternenhimmel im Dezember. IQ - Wissenschaft und Forschung, 03.12.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Rückkehr des Morgensterns - die Venus im November. IQ - Wissenschaft und Forschung, 02.11.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2

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