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Venus & Merkur, Jupiter, Saturn & Mars Planeten-Begegnungen im Mai

Im Mai können Sie sich sattsehen: Fünf strahlende Planeten tanzen am Firmament. Abends taucht dicht bei der hellen Venus der kleine Merkur auf, morgens tummeln sich die drei Planeten Jupiter, Saturn und Mars in der Dämmerung.

Von: Heike Westram

Stand: 30.04.2020

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Mai im Überblick

Wie in den vergangenen Monaten ist auch im Mai die helle Venus abends das erste Licht am Firmament. Doch sie nimmt Abschied und verschwindet zum Monatsende. Dafür taucht Mitte Mai Merkur in ihrer Nähe auf und zieht ganz dicht an der Venus vorbei. In den Morgenstunden tummeln sich Jupiter, Saturn und Mars im Südosten und sind immer früher zu sehen.

Abendstern Venus verabschiedet sich

Venus bei den Stierhörnern im Mai

Ein halbes Jahr lang hat sie uns als prächtiger Abendstern begleitet, jetzt zieht sie sich langsam zurück: die Venus. Anfang Mai ist sie immer noch unübersehbar und steht hoch im Westen, wenn die Sonne um halb neun Uhr untergeht. Bis Mitternacht ist unser heller Nachbarplanet zu sehen. Sie nimmt ein hübsches Plätzchen am Firmament ein: Zu Monatsbeginn ist die Venus nicht weit von der einen Hornspitze des Sternbilds Stier entfernt, knapp unter dem hellen Stern Elnath. Da befindet sie sich mitten im hellen Wintersechseck - den strahlendsten Sternbildern des Nordhimmels. Doch die Venus übertrifft sie alle: Mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,8 mag ist sie bei Weitem heller als jeder Stern am Firmament.

Ihre Zeit als Abendstern geht zu Ende: Abend für Abend steht die Venus tiefer, sie rast aus unserer Sicht auf die Sonne zu. Anfang Mai ist sie um neun Uhr abends noch drei Handbreit über dem Horizont, Mitte Mai nur noch die Hälfte. Nach dem 28. Mai wird sie wohl nicht mehr mit bloßem Auge zu sehen sein. Doch gerade in der zweiten Maihälfte wird es spannend, denn die Venus bekommt Besuch:

Merkur ab Mitte Mai unter der Venus zu sehen

Venus und Merkur am Abendhimmel

Unter der Venus taucht Merkur auf, der innerste Planet im Sonnensystem. Etwa ab dem 15. oder 16. Mai könnte er zu sehen sein, eine gute Handbreit rechts unter der Venus. Merkur ist viel kleiner als die Venus: Sein Scheibchen misst im scheinbaren Durchmesser nur etwa sechs Bogensekunden, das der Venus dagegen über vierzig. Und Merkur ist mit -1,1 mag scheinbarer Helligkeit auch um mehr als drei Größenklassen dunkler - aber ebenfalls heller als alle Sterne ringsum. Anfangs ist Merkur nur wenige Minuten lang zu entdecken, bevor er untergeht: etwa von Viertel nach neun bis kurz nach halb zehn zur Monatsmitte. Doch allabendlich steht er bei Sonnenuntergang etwas höher und bleibt etwas länger sichtbar. Ende Mai können Sie ihn ab kurz nach halb zehn Uhr eine ganze Stunde lang sehen, die Venus dagegen gar nicht mehr.

Ganz dicht beieinander: Venus, Merkur und der Mond

Venus und Merkur im Mai

Denn die beiden Planeten wechseln den Platz am Firmament: Während Merkur Abend für Abend etwas höher klettert, rast die Venus dem Horizont entgegen und zieht an Merkur vorbei: Am 22. Mai sind die beiden nur einen halben Fingerbreit voneinander entfernt - die Venus rechts, Merkur links. Ab jetzt hat es Merkur leichter als die Venus, weil er höher in der Abenddämmerung steht. Allerdings verliert Merkur jeden Abend an Helligkeit: Ende Mai ist er über eine Größenklasse dunkler und nur noch so hell wie ein hellerer Stern.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Besonders hübsch ist der Anblick auch am 24. Mai, wenn sich die junge Mondsichel zu dem Planetenduo gesellt und dabei nur zwei Fingerbreit von Merkur entfernt ist. Nehmen Sie ein Fernglas mit Stativ zur Hand, denn nicht nur der Mond ist eine dünne Sichel:

Venus in Sichelform

Abnehmende Sichel der Venus

Auch die Venus ist Ende Mai nur noch eine zarte Sichel, wie der junge Mond. Da sie dabei ist, zwischen Erde und Sonne hindurch zu wandern, sehen wir nur noch eine schmale Partie ihrer beleuchteten Hälfte. Dafür ist sie im Durchmesser riesig geworden: Fast 60 Bogensekunden misst die Venus Ende Mai, die Hälfte mehr als zu Monatsbeginn. Anfang Juni wird die Venus genau zwischen uns und der Sonne stehen. Merkur folgt ihr auf seiner Runde um die Sonne mit einem Monat Abstand. Bis Anfang Juni können Sie ihn noch abends erblicken. Nutzen Sie die Gelegenheit, denn Merkur wird in diesem Jahr nur noch zweimal zu sehen sein - als Morgenstern.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Jupiter, Saturn und Mars am Morgen

Wenn Sie morgens vor Sonnenaufgang freie Sicht nach Südosten haben, können Sie im Mai drei weitere Planeten sehen: Jupiter, Saturn und Mars reihen sich dort wie Lampions an einer Schnur. Der auffälligste der drei ist Jupiter, ganz rechts in der Reihe. Denn der größte Planet im Sonnensystem ist auch am Sternenhimmel ein Gigant: Seine Scheibe misst über vierzig Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser und damit dreimal so viel wie die des Saturn, sechsmal so viel wie die des Mars. Jupiter ist auch mit Abstand am hellsten: Mit rund -2,4 mag scheinbarer Helligkeit müsste er sich zwar der Venus oder dem Mond geschlagen geben, aber sonst keinem Objekt der Nacht. Er ist so hell, dass er selbst in der fortgeschrittenen Morgenddämmerung leicht zu sehen ist, bis kurz vor Sonnenaufgang.

Saturn, links neben Jupiter, hat dagegen mit der Dämmerung mehr zu kämpfen, denn er ist mit nur 0,5 mag scheinbarer Helligkeit um drei Größenklassen dunkler als Jupiter. Sie werden ihn im Mai dennoch leicht finden, denn Saturn weicht Jupiter nicht von der Seite: Die beiden Planeten sind im Mai nur zwei, drei Fingerbreit voneinander entfernt.

Jupiter, Saturn und Mars im Mai

Ein Stück weiter links taucht als Dritter im Bunde noch unser Nachbarplanet Mars auf. Anfang Mai ist er etwa zwei Handbreit von Saturn entfernt und so hell wie dieser. Bis Viertel nach fünf oder halb sechs Uhr ist das Planetentrio zu sehen, dann wird es ihnen zu hell. Dafür gehen sie inzwischen schon zeitig auf: Jupiter erscheint Anfang Mai ab halb drei Uhr im Südosten, Saturn eine Stunde später, gefolgt von Mars gegen halb fünf Uhr.

Mond beim Planeten-Trio

Mond neben Jupiter

Zur Monatsmitte führt Sie der abnehmende Mond an den drei Planeten entlang: Am Morgen des 12. Mai steht er rechts unter Jupiter, gut zwei Fingerbreit von dem hellen Planeten entfernt. Am Morgen darauf ist der Mond mit ähnlichem Abstand links unter Saturn, dem das Mondlicht allerdings zu schaffen macht. Dann verbringt der Mond einen Morgen mittig zwischen dem Duo und Mars, unter dem er am Morgen des 15. Mai zu sehen ist, zwei Fingerbreit links unter Mars.

Ende Mai, wenn die Sonne eine Dreiviertelstunde früher erscheint, können Sie die drei Planeten nur noch bis kurz nach halb fünf Uhr sehen. Dafür taucht Jupiter dann schon ab kurz nach Mitternacht tief im Südosten auf, gefolgt von Saturn gut eine Stunde später. Mars ist Ende Mai ab drei Uhr zu finden.

Am Monatsende hat sich Mars fast auf vier Handbreit von Jupiter und Saturn entfernt, die immer noch ein enges Duo bilden. Dafür hat Mars eine halbe Größenklasse an Helligkeit zugelegt und konkurriert damit mit den hellsten Sternen. Er wird in den kommenden Monaten immer auffälliger werden, bis er im Oktober 2020 in Opposition steht.

Unsichtbar im Sonnenlicht

Zwei Planeten sind im Mai gar nicht zu sehen: Neptun und Uranus sind zwar hinter der Sonne wieder hervorgekommen, befinden sich aber noch zu tief am zu hellen Morgenhimmel und können nicht beobachtet werden.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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