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Rückkehr der Venus & Uranus in Opposition Die Planeten im Oktober

Im Oktober sind weiterhin die beiden hellen Riesen Jupiter und Saturn zu sehen, aber nicht mehr lange. Für Neptun und Uranus ist die Herbstnacht jetzt ideal. Und mit ein wenig Übung können Sie sogar die Venus wieder finden. Wir verraten, wann.

Von: Heike Westram

Stand: 30.09.2019

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Oktober im Überblick

Alle Planeten, die Sie im Oktober sehen können, tauchen ganz bequem am Abend auf. Und weil es immer früher dunkel wird, können Sie auch immer früher Planeten sehen. Den Anfang machen kurz nach Sonnenuntergang Jupiter und Saturn Westen. Sobald es richtig finster geworden ist, sind die äußersten Planeten Neptun und Uranus zu finden. Und zum Monatsende gibt es eine erste Chance, Abendstern Venus wieder zu entdecken, aber nur ganz kurz.

Jupiter und Saturn am frühen Abend im Südwesten

Jupiter und Saturn Anfang Oktober

Den ganzen Sommer über stand Jupiter strahlend hell am Abendhimmel und führte uns durch die Nacht. Jetzt im Oktober wird er immer unauffälliger. Er bleibt nur deshalb noch gut sichtbar, weil die Abende immer früher anbrechen: Anfang Oktober taucht Jupiter ab halb acht Uhr abends Sommerzeit in der Abenddämmerung auf, Ende Oktober schon eine Stunde früher um halb sieben Uhr (halb sechs Uhr Winterzeit). Dann steht Jupiter aber schon ziemlich tief im Südwesten und ist nur noch etwa zwei Stunden lang zu sehen, Ende Oktober nur noch anderthalb.

Doch der größte Planet im Sonnensystem ist nach wie vor das erste Objekt, das Sie in der Abenddämmerung erblicken, denn mit einer scheinbaren Helligkeit von -2 mag ist Jupiter bei Weitem heller als jeder Stern.

Schöne Konstellation am Abendhimmel

Jupiter und Saturn bei der Milchstraße

Noch bevor Jupiter untergeht, wird der Himmel richtig finster und Sie können sehen, welch schönes Plätzchen der Planet am Firmament innehat: Links von Jupiter ragt die Milchstraße steil in die Höhe. Im Verlauf des Monats wandert Jupiter ein deutliches Stück in die Milchstraße hinein, so schnell zieht der Planet über den Sternenhimmel. Doch Ende Oktober ist das schwer zu erkennen, weil es erst dunkel genug für die Milchstraße wird, wenn Jupiter schon fast im Horizontdunst versinkt.

Saturn auf der anderen Seite

Ringplanet Saturn

Auf der anderen Seite der Milchstraße ist gleich der nächste Planet zu sehen: Saturn erscheint dort etwa zwanzig Minuten nach Jupiter. Denn Saturn, der kleiner und viel weiter von uns entfernt ist, ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,5 mag über zwei Größenklassen dunkler als Jupiter. Saturns scheinbarer Durchmesser ist mit gut 16 Bogensekunden nicht einmal halb so groß wie Jupiters. Dafür steht Saturn jetzt im Oktober besser und ist deutlich länger am Abendhimmel zu sehen: Am Monatsanfang fast bis halb zwölf Uhr Sommerzeit, Ende Oktober immerhin noch bis halb zehn Uhr (halb neun Uhr Winterzeit).

Mond bei Jupiter und Saturn

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Vom 3. bis 6. Oktober wandert die junge Mondsichel an dem Planeten-Duo vorüber: Am 3. Oktober ist die zunehmende Sichel einen knappen Fingerbreit rechts von Jupiter, am Abend darauf steht sie mittig zwischen ihm und Saturn. Der hat mit dem Mondlicht wahrscheinlich etwas zu kämpfen, wenn der Halbmond am 5. Oktober dann einen knappen Fingerbreit unter ihm steht. Am 6. Oktober ist der Mond bereits auf eine Handbreit Abstand ostwärts weitergezogen (siehe Grafik weiter oben).

Jupiter und Saturn Ende Oktober

Am 31. Oktober taucht der junge Mond noch einmal dort auf und steht ganz dicht neben Jupiter, nur einen halben Fingerbreit von dem Planeten entfernt. Etwa von halb sechs Uhr bis sieben Uhr (Winterzeit) können Sie die beiden sehen. Doch Sie sollten es vielleicht schon ein wenig früher versuchen, auch an den beiden Abenden davor, denn da führt die Mondsichel uns zu einem dritten Planeten in der Abenddämmerung:

Venus kehrt als Abendstern zurück

Ende Oktober gibt es eine erste Chance, den Abendstern zu erblicken: Die Venus kehrt ans Firmament zurück! Die vergangenen Monate war unsere innere Nachbarin nicht zu sehen, weil sie hinter der Sonne vorbei gezogen ist. Jetzt gewinnt sie zu dieser langsam wieder Abstand. Aus unserer Sicht steht sie Ende Oktober schon zwei Handbreit links der Sonne. Doch leider verläuft die Planetenebene (Ekliptik) jetzt abends sehr flach zum Horizont im Westen. Ihre Bahn führt die Venus ab dem 25. Oktober sogar noch unterhalb der Ekliptik entlang. Das heißt, nach Sonnenuntergang steht die Venus selbst schon sehr, sehr tief.

Venus Ende Oktober

Am 31. Oktober ist die Venus um 17.12 Uhr (Winterzeit) nur noch gut zwei Fingerbreit vom Horizont im Südwesten entfernt und wird kurz darauf untergehen. Sonnenuntergang ist gerade mal eine Viertelstunde zuvor, der Himmel ist also noch sehr hell. Doch die Venus ebenfalls: Sie erreicht eine scheinbare Helligkeit von -3,9 mag und ist damit heller als jedes andere Gestirn, von Sonne und Mond abgesehen. Allerdings schlucken jetzt im Oktober die Dunstschichten am Horizont einige Größenklassen ihrer Helligkeit, weil die Venus so tief steht. Wie gut sie zu sehen ist, hängt vor allem davon ab, ob Sie eine klare, freie Sicht zum Horizont haben und wie dunstig es in dem Moment ist.

Mondsichel dicht bei der Venus

Entsprechend schwer ist zu sagen, ab wann die Venus im Oktober auftauchen wird. Ein Versuch lohnt sich am 29. Oktober, denn dann führt die Mondsichel Sie direkt zum Abendstern: Der Mond ist an dem Abend selbst zum ersten Mal nach Neumond wieder zu sehen, als zarter Strich in der Abenddämmerung, tief im Südwesten. Die Venus finden Sie einen guten Fingerbreit links unter der Mondsichel. Am Abend darauf steht die Mondsichel mittig zwischen Venus und Jupiter, allerdings wird letzterer, gut zwei Handbreit links über der Venus, erst in der Dämmerung erkennbar, wenn die Venus schon fast weg ist.

Vielleicht können Sie auch die Abende vorher die Venus schon finden. Generell gilt: Für jeden Tag früher müssen Sie etwa ein bis zwei Minuten später nach ihr Ausschau halten. Frühestens am 20. August, dann um halb sieben Uhr Sommerzeit. Nehmen Sie am besten ein Fernglas oder Teleskop zur Hilfe.
Mit elf Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser ist sie noch etwas kleiner als Saturn. Und sie ist noch fast kugelrund, weil sie gerade erst hinter der Sonne hervorgekrochen ist. Wenn sie sich in den kommenden Monaten der Erde nähert, wird sie zur Sichelform abnehmen.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Ferne Gasriesen Neptun und Uranus

Neptun und Uranus

Geübte Beobachter können im Oktober zwei weitere Planeten entdecken: Die beiden fernen Gasriesen Neptun und Uranus sind jetzt ideal zu beobachten. Allerdings brauchen Sie dazu ein kleines Teleskop oder zumindest ein sehr gutes Fernglas, denn Neptun ist so weit von der Erde entfernt, dass sein Licht für uns nicht mehr zu sehen ist. Uranus können Sie unter idealen Bedingungen - einer wirklich dunklen, sehr klaren Nacht etwa in den Bergen - gerade noch mit bloßem Auge sehen. Mit nur wenigen Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser sind beide Planeten winzig klein und wirken erst in großen Teleskopen wie Scheibchen. Also auf in die nächste Sternwarte!

Beste Zeit für Uranus

Jetzt im Oktober ist die beste Zeit für Uranus. Denn die Nächte werden früher dunkel und die Luft ist klarer. Und Uranus steht am 28. Oktober in Opposition: Sonne, Erde und Uranus befinden sich genau in einer Linie, Uranus ist dabei aus unserer Sicht der Sonne gegenüber, auf der Nachtseite der Erde. Wie der Vollmond wird der Planet dadurch voll von der Sonne beleuchtet und ist zugleich in tiefer Nacht am höchsten.

So weit weg

Das Licht ist
vom Mond 1,3 Sekunden,
von der Sonne 8,3 Minuten,
von Uranus 2,6 Stunden,
vom nächsten Stern 4,2 Jahre
bis zur Erde unterwegs.

Die Opposition ist der Moment, an dem ein äußerer Planet kleinsten Abstand des Jahres zu uns hat. Bei Uranus sind das aber immer noch knapp 3 Milliarden Kilometer. Über zweieinhalb Stunden braucht das Licht von ihm zur Erde. Der Planet ist fast 19-mal weiter von uns entfernt als die Sonne. Auch Neptun steht im Oktober noch günstig: Seine Opposition war erst im September.

Wann Sie Neptun und Uranus beobachten können

Gegen neun Uhr abends Sommerzeit wird der Himmel Anfang Oktober schon stockfinster. Dann stehen Neptun und Uranus bereits günstig. Ende Oktober können Sie schon gegen acht Uhr Sommerzeit (sieben Uhr Winterzeit) nach den beiden spähen. Am günstigsten sind die Stunden vor Mitternacht. Uranus können Sie bis zur Morgendämmerung sehen, Neptun verschwindet dagegen um halb vier Uhr in den Dunstschichten am Horizont, Ende Oktober eine Stunde eher.

Etwa vom 9. bis 12. Oktober ist der fast volle Mond mit seinem hellen Licht zu nah bei Neptun, danach bis zum 16. Oktober zu nah bei Uranus.

Unsichtbar im Sonnenlicht verborgen

Zwei Planeten sind in diesem Monat gar nicht zu sehen. Unser äußerer Nachbar Mars zieht gerade hinter der Sonne vorbei. Und der innerste Planet Merkur ist zwar eigentlich ganz in der Nähe der Venus am Abendhimmel, steht aber in unseren Breiten zu tief am Horizont, um entdeckt zu werden.

Doch Anfang November werden Sie Merkur sehen können - auf ganz besondere Weise: Wenn er das nächste Mal zwischen Erde und Sonne hindurch zieht, wandert er genau über die Sonnenscheibe: Am 11. November 2019 gibt es einen Merkurtransit!

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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