Wissen - Sternenhimmel


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Mars, Jupiter und Saturn Mächtige Planeten im April

Vier Planeten können Sie im April am Sternenhimmel entdecken: Unser treuer Nachbar Mars nimmt sich allerdings jetzt deutlich zurück. Dafür erobert der Gigant Jupiter die Nacht, flankiert vom Ringplaneten Saturn. Auch die Venus ist noch zu sehen.

Von: Heike Westram

Stand: 01.04.2019

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im April im Überblick

Mars ist auch im April der erste Planet, den Sie abends entdecken können. Doch unser Nachbarplanet hat sich inzwischen so weit von uns entfernt, dass er sehr klein und wenig hell ist. Dafür erscheint Gigant Jupiter immer früher mit seinem großen, weißen Licht, dicht gefolgt vom Ringplaneten Saturn in den frühen Morgenstunden. Kurz vor Sonnenaufgang erscheint auch im April noch Morgenstern Venus, doch hat sie nur noch einen kurzen Auftritt.

Mars - unauffälliger Nachbar im Westen

Seit anderthalb Jahren begleitet uns Mars am Firmament: Im September 2017 war er frühmorgens im Osten zu sehen, tauchte dann immer früher auf und eroberte die Nacht. Im Sommer 2018 stand Mars in Opposition - strahlend hell, die ganze Nacht lang. Im Vergleich dazu ist Mars jetzt geradezu mickrig: Mit einer scheinbaren Helligkeit von nur noch 1,5 mag ist der Planet jetzt um drei Größenklassen dunkler als im Juli 2018 und sein Scheibchen misst mit etwas über vier Bogensekunden im scheinbaren Durchmeser nur mehr ein Sechstel im Vergleich zu seiner Oppositionsgröße. Denn Mars ist inzwischen weit von der Erde entfernt, die ihm auf der Innenbahn um die Sonne davonläuft.

Aus unserer Sicht nähert Mars sich immer mehr der Sonne: Er steht nach ihrem Untergang selbst schon tief im Westen. Doch weil unser Nachbar dennoch recht flott unterwegs ist, schafft er es auch im April noch, sich ins Dunkle zu retten: An seinen Untergangszeiten ändert sich auch in diesem Monat nur wenig. Ende April geht Mars nur eine Viertelstunde früher unter als zu Monatsbeginn und ist immer noch bis halb zwölf Uhr nachts zu sehen. Allerdings machen sich dann die längeren Tage des Frühjahrs bemerkbar: Ende April ist es erst um neun Uhr abends dunkel genug, um Mars zu finden. Zu Monatsbeginn können Sie ihn dagegen schon um Viertel nach acht Uhr entdecken.

Mars im April

Zu der Zeit steht Mars noch fast vier Handbreit hoch über dem Horizont. Aber er ist eben kein so auffälliges Licht mehr. Etliche der Sterne ringsum sind inzwischen heller als der Planet. Zum Beispiel Aldebaran, das helle Auge des Stiers, das links von Mars leuchtet. An ihm zieht Mars in diesem Monat auf seinem Weg quer durch das Sternbild vorbei.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Auch das Mondlicht macht Mars jetzt mehr zu schaffen, wenn der Mond zu dicht bei ihm steht. Am 7. April taucht die junge Mondsichel kurz nach Sonnenuntergang tief am Horizont auf, noch zwei Handbreit unter Mars. Am Abend darauf ist sie keine Handbreit mehr von ihm entfernt, am 9. April steht der Mond nur gut drei Fingerbreit links von Mars, genau über Aldebaran, und ist am 10. April bereits zwei Handbreit entfernt links über den beiden zu sehen.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Duo Jupiter und Saturn

Heller Jupiter mit seinen Monden

Nach dem Untergang von Mars dauert es ein wenig, bis der nächste Planet in der Aprilnacht auftaucht, zumindest zu Monatsbeginn. Doch dann kommt es dicke: Gegen halb drei Uhr macht sich im Südosten Jupiter bemerkbar, als unübersehbares Licht. Der größte Planet im Sonnensystem ist ein Gigant am Firmament, mit einem scheinbaren Durchmesser von vierzig Bogensekunden, Ende April sogar noch ein bisschen mehr. Dann ist Jupiter auch schon ab halb ein Uhr nachts zu sehen. Mit einer scheinbaren Helligkeit von bis zu -2,5 mag übertrifft Jupiter jeden Stern bei Weitem. Er ist so hell, dass er schon eine Viertelstunde nach seinem Aufgang sichtbar wird, obwohl er dann noch in den Dunstschichten am Horizont steckt.

Jupiter und Saturn im April

Und Sie können Jupiter bis in die späte Morgendämmerung sehen. Erst eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang verblasst er. Anfang April ist das erst um halb sieben Uhr morgens, zum Monatsende schon kurz nach halb sechs Uhr. Bis dahin ist Jupiter längst an seine höchste Position im Süden gezogen und ein weiterer Planet neben ihm sichtbar geworden:

Ringplanet Saturn

Etwa zwei Stunden nach Jupiter erscheint sein Nachbar Saturn am Firmament, Anfang April gegen halb fünf Uhr, Ende April zwei Stunden eher. Auch der Ringplanet ist in Wirklichkeit ein Riese, wenn auch nicht so groß wie Jupiter. Doch am Sternenhimmel ist der Unterschied zwischen den beiden gewaltig, weil Saturn viel weiter von uns entfernt ist: Er ist mit nur 0,5 mag scheinbarer Helligkeit fast drei Größenklassen dunkler als Jupiter, sein Scheibchen ist nicht mal halb so groß im scheinbaren Durchmesser. Dadurch dauert es bei Saturn etwas länger, bis er nach seinem Aufgang sichtbar wird. Und er verblasst auch schon eher in der Dämmerung als Jupiter.

Dennoch wird Saturn Ihnen am Firmament auffallen. Denn er ist immer noch heller als die meisten Sterne. Und er wandert fast parallel zu Jupiter übers Firmament. Sie finden Saturn im April im Abstand von zweieinhalb Handbreit links von Jupiter, je nach Uhrzeit etwas tiefer als dieser oder auf gleicher Höhe.

Die beiden Planeten haben sich eine schöne Stelle zwischen den Sternen ausgesucht: Jupiter steht im Sternbild Schlangenträger, Saturn ein Sternbild weiter im Schützen. Rechts der beiden hebt das Sommer-Sternbild Skorpion seinen Kopf gegen Morgen über den Horizont, wo dann auch das schöne Band der Sommer-Milchstraße emporragt, solange die Dämmerung noch nicht eingesetzt hat. Und wenn der Mond mit seinem Licht nicht zu nahe ist: Vom 22. bis 26. April zieht seine abnehmende Scheibe erst an Jupiter, dann an Saturn vorüber. Jupiter strahlt mit dem Mond um die Wette, doch Saturn hat etwas zu kämpfen, wenn der Mond ihm zu nahe kommt.

Jupiter und Saturn kehren um

Bei Jupiter und Saturn müssen Sie genau hinsehen, wollen Sie ihre Bewegung beobachten, denn bei beiden ist sie jetzt im April sehr klein. Die zwei Planeten kehren im April um: Beide beginnen ihre sogenannte Oppositionsschleife, Jupiter am 10. April, Saturn am Monatsletzten. Während Planeten normalerweise ostwärts durch die Sternbilder ziehen, nach links, ziehen Jupiter und Saturn dann für einige Zeit scheinbar falsch herum, nach rechts gen Westen, auf die Milchstraße zu. Dabei ändern die beiden natürlich nicht wirklich ihre Richtung - es sieht nur aus unserer Sicht so aus, weil die Erde die zwei äußeren Planeten auf der Innenbahn überholt. Wir werden Jupiter und Saturn in den folgenden Wochen immer näher kommen, daher werden beide am Nachthimmel immer größer und heller.

Schlusslicht Venus

Ganz am Ende der Aprilnacht taucht noch ein vierter Planet auf: Die Venus erscheint morgens kurz vor Sonnenaufgang. Doch nach langen Monaten als unübersehbarer Morgenstern ist sie recht bescheiden geworden. Unsere innere Nachbarin im Sonnensystem fällt im April kaum noch auf. Denn auf ihrer engen Runde um die Sonne rückt sie dieser immer näher und hat immer weniger Vorsprung am Firmament: Anfang April geht die Venus gegen sechs Uhr auf und macht sich ab etwa Viertel nach sechs Uhr in der Morgendämmerung bemerkbar, ganz tief im Südosten. Zwanzig Minuten später wird es ihr bereits zu hell. Ende April erscheint die Venus zwar schon eine Dreiviertelstunde früher, die Sonne aber fast eine ganze. Jetzt bleiben nur noch etwa zehn Minuten nach halb sechs Uhr, um die Venus zu entdecken.

Was die Venus so hell macht

Sie brauchen freie Sicht zum Horizont im Südosten, wenn Sie die Venus sehen wollen - am besten von einem erhöhten Standort aus. Dann können Sie links unter dem Duo Jupiter-Saturn ihr gleißend helles Licht entdecken: Mit -4 mag scheinbarer Helligkeit ist die Venus nach Sonne und Mond das hellste Objekt am Firmament. Sogar Jupiter übertrifft sie um anderthalb Größenklassen, steht aber im April wesentlich ungünstiger als er.

Venus im April

Anfang und Ende April führt die Mondsichel Sie zur Venus: Am Morgen des 1. April ist der Mond noch eine gute Handbreit von der Venus entfernt und steht rechts von ihr auf gleicher Höhe über dem Horizont. Am 2. April finden Sie die Venus nur zwei Fingerbreit über der Mondsichel. Doch die ist selbst schon nicht mehr ganz leicht zu sehen, so kurz vor Neumond. Am 30. April rückt der Mond erneut von rechts an die Venus heran, ist aber noch zweieinhalb Handbreit von ihr entfernt. Anfang Mai wird er wieder dicht an ihr vorbei wandern.

Unsichtbar im Sonnenlicht verborgen

Drei Planeten sind im April überhaupt nicht am Sternenhimmel zu sehen: Uranus zieht aus unserer Sicht gerade hinter der Sonne vorbei durch seine sogenannte Konjunktion. Die hat sein Nachbar Neptun, der äußerste Planet, zwar schon hinter sich, steht aber zu tief über dem östlichen Horizont, um am Morgen sichtbar zu werden. Genauso geht es Merkur: Der innerste Planet hätte zwar sogar einen für ihn beachtlichen seitlichen Abstand zur Sonne, steht aber dennoch so tief in den Dunstschichten, dass er in der hellen Morgendämmerung nicht zu entdecken ist. Aber merken Sie sich schon einmal den 11. November 2019 vor: Da zieht Merkur genau vor der Sonnenscheibe vorbei - ein Merkurtransit!

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • Die Oppositionsschleife von Jupiter und Saturn. IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.04.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Jupiter, Saturn und Venus morgens im März. IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.03.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Seltener Merkur im Februar zu sehen. IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.02.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Venus und Jupiter morgens im Januar 2019. IQ - Wissenschaft und Forschung, 07.01.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Rückkehr des Morgensterns - die Venus im November 2018. IQ - Wissenschaft und Forschung, 02.11.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Jupiter verabschiedet sich - Planeten im Oktober 2018. IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.10.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2

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