Wissen - Sternenhimmel


730

Venus & Saturn, Neptun & Uranus, Merkur & Mars Drei Planeten-Duos im Dezember

Im Dezember können Sie fast alle Planeten des Sonnensystems entdecken, von abends bis morgens. Venus zieht dicht an Saturn vorbei, Merkur und Mars tauchen am Morgen auf. Und in tiefer Nacht können Sie mit etwas Übung Neptun und Uranus finden.

Von: Heike Westram

Stand: 29.11.2019

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Dezember im Überblick

Gleich nach Sonnenuntergang sind die ersten Planeten im Dezember zu sehen: Die helle Venus steht dicht beim Ringplaneten Saturn, tief im Westen. Für das nächste Planetenpaar braucht es ein wenig Übung: Sobald es finster ist, können Sie Neptun und Uranus entdecken. Und das dritte Planeten-Duo taucht morgens kurz vor der Sonne auf: Mars mausert sich im Osten als Morgenstern und wird anfangs noch vom seltenen Merkur begleitet.

Die helle Venus als früher Abendstern

Kurz nach dem Sonnenuntergang, der im Dezember schon gegen halb fünf Uhr stattfindet, taucht im Südwesten die Venus auf. Unsere innere Nachbarin im Sonnensystem ist so hell, dass sie sich schon gegen Viertel vor fünf Uhr in der ersten Abenddämmerung bemerkbar macht. Doch weil die Planetenebene (Ekliptik) am frühen Abend noch sehr flach zum Horizont im Südwesten verläuft, steht die Venus bereits sehr tief, nur etwa vier Fingerbreit hoch. Eine gute Stunde lang ist sie Anfang Dezember zu sehen, dann geht die Venus unter.

Ringplanet Saturn ganz in der Nähe

Ringplanet Saturn

Eine halbe Stunde nach der Venus wird ihr Gefährte sichtbar: Links über der Venus, etwa eine Handbreit weit entfernt, taucht Saturn auf, sobald es etwas dunkler geworden ist. Doch der große Ringplanet nimmt sich neben dem Abendstern recht bescheiden aus: Saturn ist mit einem scheinbaren Durchmesser von 16 Bogensekunden zwar ein wenig größer als die Venus, doch mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 0,6 mag nur ein schwaches Lichtlein im Vergleich zu ihr.

Was die Venus so hell macht

Denn die Venus ist nach Sonne und Mond das hellste Objekt am Firmament: Ihre scheinbare Helligkeit beträgt -4,0 mag - fast fünf Größenklassen mehr als die Saturns. Doch dieser steht zu Monatsbeginn besser da als die Venus: Saturn ist anfangs noch so hoch, dass er bis nach halb sieben Uhr abends zu sehen ist, fast eine Stunde länger als die Venus.

Venus zieht dicht an Saturn vorüber

Venus zieht an Saturn vorüber

Das ändert sich Tag für Tag: Auf ihrer schnellen Runde um die Sonne entfernt sich die Venus aus unserer Sicht immer weiter von ihr, Saturn dagegen scheint sich der Sonne zu nähern. So wandern beide Planeten scheinbar aufeinander zu. Am 11. Dezember zieht die Venus ganz dicht unter Saturn hindurch: Keinen Fingerbreit ist sie an dem Abend von ihm entfernt. Saturn ist jetzt allerdings schon so blass geworden, dass ein Fernglas Ihnen gute Dienste leisten wird.

Die Venus mausert sich, Saturn nimmt Abschied

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Die Untergänge der Venus verspäten sich durch ihre rasende Bewegung ostwärts: Sie geht allabendlich zwei bis drei Minuten später unter. Die Sonnenuntergangszeiten ändern sich dagegen im Dezember kaum. So steht die Venus jeden Abend etwas höher und ist länger zu sehen. Zum Jahresende können Sie ihr strahlendes Licht bis sieben Uhr im Südwesten finden, eine Stunde länger als zu Monatsbeginn. Saturn dagegen geht Abend für Abend ein bisschen früher unter und ist nach dem 20. Dezember überhaupt nicht mehr sichtbar.

Mondsichel beim Abendstern

Die Venus wird uns bis in den Mai begleiten und dabei als Abendstern immer strahlender und imposanter werden. Auch zum Jahresende wird sie Ihnen schon viel deutlicher auffallen. Besonders hübsch ist der Anblick, wenn sich zu ihrem hellen Licht noch die Mondsichel gesellt: Am 27. Dezember taucht anderthalb Handbreit rechts unter der Venus die hauchzarte Sichel des ganz jungen Mondes auf. Am 28. Dezember ist der Mond auf weniger als drei Fingerbreit Abstand an die Venus herangerückt, am Abend darauf in etwa gleicher Entfernung links über dem Abendstern zu sehen.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Ferne Gasriesen Neptun und Uranus

Wenn es im Dezember um Viertel nach sechs Uhr wirklich finstre Nacht wird, ist eine gute Zeit, um nach zwei sehr heimlichen Planeten Ausschau zu halten: Mit etwas Übung können Sie die beiden fernen Gasriesen Neptun und Uranus entdecken. Allerdings brauchen Sie dazu ein kleines Teleskop oder zumindest ein sehr gutes Fernglas, denn Neptun ist so weit von der Erde entfernt, dass sein Licht für uns nicht mehr zu sehen ist. Uranus können Sie unter idealen Bedingungen - einer wirklich dunklen, sehr klaren Nacht etwa in den Bergen - gerade noch mit bloßem Auge sehen. Mit nur wenigen Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser sind beide Planeten winzig klein und wirken erst in großen Teleskopen wie Scheibchen. Also auf in die nächste Sternwarte!

Wann Sie Neptun und Uranus beobachten können

Neptun und Uranus im Dezember

Zu Beginn der Nacht - schon um Viertel nach sechs Uhr - ist für Neptun die beste Zeit, dann steht er hoch im Süden. Grobe Orientierung kann Ihnen das Herbstviereck Pegasus hoch im Süden links über Neptun geben, oder der helle Stern Fomalhaut rechts unter Neptun am Horizont. Zu Monatsbeginn haben Sie Zeit bis nach Mitternacht, danach steht Neptun zu tief. Ende Dezember versinkt er jedoch bereits gegen halb neun Uhr abends im Dunst des Horizonts. Uranus dagegen steht um halb neun Uhr abends am höchsten im Süden. Ihn können Sie aber auch zum Jahresende noch bis morgens um halb drei Uhr beobachten. Sie finden Uranus unmittelbar unter dem kleinen, markanten Sternbild Widder, mittig zwischen den Plejaden und Pegasus. Etwa vom 2. bis zum 6. Dezember ist der Mond mit seinem hellen Licht zu nah bei Neptun, danach bis zum 10. Dezember zu nah bei Uranus.

Mars und Merkur am Morgen

Der rote Planet Mars

Wenn Sie im Dezember vor Sonnenaufgang draußen unterwegs sind - was leicht vorkommen kann, da die Sonne zu Monatsbeginn um Viertel vor acht Uhr aufgeht, zum Jahresende dann erst nach acht Uhr - können Sie noch ein Planeten-Duo entdecken: Tief im Südosten erscheint vor der Sonne unser Nachbar Mars in der Morgenddämmerung. Gegen halb sechs Uhr erscheint sein Pünktchen über dem Horizont und steht eine Stunde später schon etwa eine Handbreit hoch.

Mars und Merkur im Dezember

Eine Handbreit links unter Mars ist zu der Uhrzeit ein noch helleres Licht erschienen: Merkur ist im ersten Drittel des Dezembers zu sehen. Eine seltene Gelegenheit, denn der innerste Planet im Sonnensystem kreist so eng um die Sonne, dass er nur selten genügend Abstand zu ihr hat, um am dämmrigen Firmament aufzutauchen. Doch Ende November war Merkur (nach dem Merkurtransit am 11. November) in seiner größten westlichen Elongation und stand aus unserer Sicht fast zwei Handbreit rechts der Sonne.

Innerster Planet Merkur viel heller

Mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,6 mag ist Merkur um gut zwei Größenklassen heller als Mars mit nur 1,7 mag. Weil er so viel heller ist, schält sich Merkur auch viel schneller nach seinem Aufgang aus dem Horizontdunst und ist Anfang Dezember ab zehn nach sechs Uhr sichtbar. Und er hält auch eine Viertelstunde länger als Mars der fortschreitenden Dämmerung stand, bis zwanzig nach sieben Uhr.

Merkurs scheinbarer Durchmesser ist anfangs mit mehr als sechs Bogensekunden fast doppelt so groß wie der von Mars. Doch das ändert sich schnell, denn Merkur entfernt sich immer weiter von der Erde, wird daher immer kleiner, Mars dagegen nähert sich uns und wird allmählich größer. Am 11. Dezember sind die beiden Planetenscheibchen fast gleich groß, Merkur ist aber immer noch der weitaus hellere der beiden.

Wenig Zeit für Merkur, viel Zeit für Mars

Aber Merkur geht tagtäglich drei Minuten später auf und steht daher zur gleichen Uhrzeit immer tiefer. Am 11. Dezember geht er erst vierzig Minuten später auf und Sie werden ihn vermutlich zum letzten Mal finden. Dann ist Merkur schon fast zwei Handbreit von Mars entfernt und erst ab zehn vor sieben Uhr für eine halbe Stunde zu sehen. Mars dagegen geht am Monatsende zehn Minuten früher auf und es wird erst gegen halb acht Uhr zu hell für ihn. So ist er zum Jahresende eine halbe Stunde länger sichtbar.

Mondsichel bei Mars

Vor Weihnachten zieht die Mondsichel kurz vor Neumond an Mars vorüber: Am 22. Dezember nähert sie sich von rechts oben, hält aber noch über eine Handbreit Abstand. Am 23. Dezember ist sie keine zwei Fingerbreit entfernt links von dem Planeten, am folgenden Morgen dann anderthalb Handbreit unter Mars, letztmals sichtbar vor Neumond.

Mars begleitet uns fast zwei Jahre lang

Nach seiner tollen Opposition im vergangenen Sommer ist unser äußerer Nachbar Mars noch kaum wiederzuerkennen: Er ist noch sehr klein, nicht besonders hell und schon gar nicht rötlich leuchtend. Doch all das wird wieder kommen, denn Mars mausert sich in den kommenden Monaten gewaltig. Er wird immer früher aufgehen, die Nacht erobern und immer größer und heller werden, bis er im Oktober kommenden Jahres wieder in Opposition steht. Bis zum Herbst 2021 ist Mars durchgängig am Firmament zu sehen.

Unsichtbar im Sonnenlicht

Ein einziger der Planeten ist im Dezember gar nicht zu sehen: Jupiter, der den ganzen vergangenen Sommer die Nacht erhellte, zieht gerade hinter der Sonne vorbei durch seine Konjunktion und bleibt in ihrem Licht verborgen.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


730