Wissen - Sternenhimmel


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Venus, Mars, Jupiter & Saturn Planeten-Rennen im März

Im März können Sie fast alle hellen Planeten des Sonnensystems entdecken: Venus erscheint als erstes Licht nach Sonnenuntergang und kommt dem fernen Uranus nahe. Morgens gibt es ein spannendes Wettrennen zwischen Mars, Jupiter und Saturn.

Von: Heike Westram

Stand: 28.02.2020

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im März im Überblick

Im März ist einiges los in der Planetenwelt, denn zwei sehr flotte Planeten ziehen übers Firmament: Den Anfang macht die Venus, die als heller Abendstern gleich nach Sonnenuntergang im Südwesten zu sehen ist, wo sie bis in die finstre Nacht hinein strahlt. Sie rast an Uranus vorüber und führt Sie zu dem fernen Gasriesen, der sich jetzt im März verabschiedet. Morgens wird es turbulent: Jupiter, Mars und Saturn erscheinen fast zugleich vor Sonnenaufgang im Osten und liefern sich ein Wettrennen: Mars zieht ganz knapp an Jupiter vorüber und rückt dann dicht auf Saturn zu.

Auffallender Abendstern Venus

Was die Venus so hell macht

Die Venus ist der erste Planet, den Sie im März erblicken können: Der Abendstern macht seinem Zweitnamen alle Ehre und taucht schon wenige Minuten nach Sonnenuntergang im Südwesten auf. Zu Monatsbeginn ist die Venus schon um Viertel nach sechs in der Abenddämmerung zu sehen, dann steht sie noch über drei Handbreit hoch im Südwesten. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,5 mag ist sie nicht zu übersehen. Die Venus ist jetzt etwa so hell wie die Mondsichel.

Venus erreicht größten Abstand zur Sonne

Unsere innere Nachbarin im Sonnensystem kam im Herbst wieder hinter der Sonne hervor und hat im März auf ihrer fast kreisrunden Bahn um die Sonne ihren größten seitlichen Abstand - aus Sicht der Erde: Am 24. März erreicht die Venus ihre größte östliche Elongation. Aus unserem Blickwinkel ist sie jetzt 4,5 Handbreit von der Sonne entfernt - so weit wie selten.

Venus am dunklen Nachthimmel

Dadurch bleibt die Venus abends lange am Firmament: Anfang März versinkt sie gegen zehn Uhr im Dunst über dem westlichen Horizont, am Monatsende können Sie sie noch eine Stunde länger sehen, fast bis elf Uhr (Mitternacht in der dann geltenden Sommerzeit). Bis dahin ist es längst stockdunkel, sodass die helle Pracht der Venus richtig zur Geltung kommt.

Venus führt Sie zu Uranus

Venus und Uranus im März

Wenn der Himmel richtig finster geworden ist - etwa um acht Uhr abends -, können Sie in der ersten Monatshälfte bei der Venus noch einen versteckten Planeten finden: Uranus. Doch für den fernen Gasriesen brauchen Sie einen sehr klaren Himmel und am besten ein gutes Fernglas mit Stativ oder gar ein kleines Teleskop. Denn Uranus ist so weit von uns entfernt, dass er mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 5,9 mag fürs bloße Auge nur bei Idealbedingungen zu finden ist. Und er ist nur ein winziges, blasses Pünktchen mit einem scheinbaren Durchmesser von bloß 3,3 Bogensekunden. Doch die Venus, im Durchmesser fast sechsmal so groß wie Uranus, führt Sie direkt zu ihm: Anfang März steht die Venus etwa vier Fingerbreit rechts unter Uranus, dann rast sie auf ihn zu: Am 9. März ist die Venus nur einen Fingerbreit entfernt rechts über Uranus, am Ende des kleinen, markanten Bogens des Sternbilds Widder. Jetzt brauchen Sie unbedingt ein Fernglas oder Teleskop, weil die helle Venus Uranus überstrahlt. Damit können Sie das Treffen sehen, obwohl hinter Ihnen im Osten der Vollmond aufgegangen ist.

Uranus im Teleskop

Es ist eine der letzten Gelegenheiten, um Uranus zu erblicken. Denn der verschwindet im März vom Firmament: Zu Monatsbeginn ist Uranus noch etwa von halb acht bis zehn Uhr sichtbar, dann geht er allabendlich früher unter, während die Tage länger werden. Uranus wird demnächst hinter die Sonne ziehen und ist in der zweiten Märzhälfte kaum noch zu sehen.

Die flotte Venus: immer heller, immer größer, immer näher

Ganz anders die Venus: Ihre Runde um die Sonne geht scheinbar anders herum aus Sicht der Erde, sie kommt uns immer näher, bevor sie zwischen uns und der Sonne hindurch wandern wird. Dadurch wird sie in den nächsten Wochen noch größer und heller werden, bis sie Ende April ihren größten Glanz erreicht. Auch am Firmament können Sie die schnelle Bewegung der Venus leicht beobachten:

Liebesgöttin bei den Nympen

Mondsichel dicht bei der Venus

Vom Widder, wo sie Uranus getroffen hat, zieht der flotte Planet weiter auf das Sternbild Stier zu, dass die Venus Ende März erreicht. Dann ist sie nur wenige Fingerbreit vom schönen Siebengestirn entfernt, dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Besonders hübsch ist der Anblick am 28. März, wenn die Mondsichel nur gut drei Fingerbreit unter der Venus steht, die in etwa gleicher Entfernung unter dem Siebengestirn angelangt ist. Wenn Sie das sehen möchten, dann gehen Sie am besten gleich in eine Sternwarte in Ihrer Nähe, denn der 28. März ist auch der Tag der Astronomie - und der widmet sich genau diesen drei Lichtern!

Sie haben genügend Zeit für einen Samstagabend in der Sternwarte, denn die Venus ist jetzt fast bis elf Uhr abends zu sehen (Winterzeit), schält sich aber dank der längeren Tage im März erst ab sieben Uhr aus der Dämmerung.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Mars, Jupiter und Saturn morgens im März

Nachdem die Venus untergegangen ist, ist in der Märznacht kein Planet mehr zu sehen. Erst in den Morgenstunden tauchen wieder helle Lichter auf. Und die sind im März besonders sehenswert, denn drei Planeten liefern sich ein Wettrennen in der Morgenddämmerung: Mars, Jupiter und Saturn sind zu sehen.

Mars und Jupiter im Südosten

Unser äußerer Nachbar Mars ist Anfang März der erste Planet, der morgens aufgeht: um kurz nach vier Uhr. Doch er ist nicht der erste, den Sie entdecken können, denn Mars braucht fast eine Stunde, bis er über den Dunst des Horizonts im Südosten geklettert ist. Erst kurz nach fünf Uhr werden Sie ihn finden. Dann ist bereits der zweite Planet zu sehen, der Mars große Konkurrenz macht: Jupiter geht zu Monatsbeginn um Viertel vor fünf Uhr auf und ist so hell, dass er sich schon wenige Minuten später bemerkbar macht.

Heller Jupiter mit seinen Monden

Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2 mag müsste sich Jupiter bestenfalls der Sonne, dem Mond oder der Venus geschlagen geben. Der größte Planet im Sonnensystem ist auch ein Gigant am Firmament mit einem scheinbaren Durchmesser von rund 35 Bogensekunden - ein dicker, heller Brummer. Mit nur sechs Bogensekunden nimmt sich Mars eine Handbreit über Jupiter dagegen bescheiden aus. Er ist auch drei Größenklassen dunkler, dennoch aber heller als die meisten Sterne.

Saturn - der Dritte im Bunde

Ringplanet Saturn

Eine Stunde später, kurz nach sechs Uhr, taucht einige Fingerbreit links unter Jupiter der dritte Planet in der Morgenddämmerung auf: Saturn. Anfang März hat er es noch schwer, da der Himmel schon gegen halb sieben zu hell wird. Auch Mars verblasst dann in der Dämmerung. Lediglich Jupiter hält einige Minuten länger stand.

Planeten-Rennen am Morgen

Jupiter, Mars und Saturn im März

Weil die Tage länger werden und immer früher beginnen, verblassen die Planeten jeden Morgen zwei Minuten eher. Dafür gehen sie aber auch jeden Morgen drei, vier Minuten früher auf, zumindest Jupiter und Saturn. So sind die beiden immer früher zu sehen und stehen immer höher, wenn es ihnen zu hell wird. Ganz anders der Mars: Auch er geht zwar täglich früher auf, aber nicht so viel wie die Sonne. Ende März erscheint Mars zwar vierzig Minuten früher, die Sonne aber eine ganze Stunde.

Das liegt am Lauf der Erde: Wir umrunden die Sonne so viel schneller als die anderen Planeten, dass wir sie immer weiter hinter uns und der Sonne zurücklassen - sie entfernen sich aus unserem Blickwinkel von der Sonne und gehen immer früher auf. Doch unser Nachbar Mars läuft der Erde schneller hinterher als Jupiter und Saturn und macht dadurch einen Teil dieser scheinbaren Bewegung wieder wett: Seine Aufgänge verfrühen sich nur etwa halb so viel wie die der äußeren Planeten.

Mars dicht bei Jupiter

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Diese schnelle Bewegung von Mars können Sie im März toll am Morgenhimmel beobachten, denn die Planeten-Konstellation ändert sich tagtäglich ein wenig: Während Jupiter und Saturn täglich früher erscheinen und zur gleichen Uhrzeit von Tag zu Tag etwas höher und weiter rechts stehen, läuft ihnen Mars entgegen. Anfangs ist der rote Planet noch eine Handbreit rechts über Jupiter, dann kommt er ihm immer näher. Vom 17. bis zum 24. März sind die beiden Planeten nie mehr als einen Fingerbreit voneinander entfernt. Am 20. März trennt sie nicht mal mehr ein halber Fingerbreit - der Vollmond könnte sich gerade noch dazwischenquetschen.

Zwei Tage zuvor ist der Mond auch da: Am 18. März steht die Mondsichel in einer Linie mit den beiden Planeten, rechts unter ihnen, und ist nur einen guten Fingerbreit von Mars entfernt. Am nächsten Abend finden Sie den Mond dann genau unter Saturn, eine Handbreit weiter links unten.

Mars rückt auf Saturn zu

Doch Saturn bleibt nicht lange allein, denn der schnelle Mars ist auf dem Weg zu ihm und hat ihn am Monatsende erreicht. Am 31. März ist Mars nur noch einen halben Fingerbreit von Saturn entfernt. Gute Gelegenheit, den Unterschied der beiden zu beobachten: Saturn ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,6 mag minimal heller als Mars mit jetzt 0,8 mag. Doch Saturn ist mit 16 Bogensekunden dreimal so groß im scheinbaren Durchmesser wie Mars. Und er steht schon ein kleines bisschen günstiger als Mars, nämlich über ihm: Ende März geht Saturn bereits vier Minuten vor Mars auf - und das wird sich im April noch steigern. Gegen halb fünf Uhr werden die beiden Ende März sichtbar (halb sechs Uhr Sommerzeit). Jupiter ist dann schon seit über einer Stunde zu sehen. Eine Stunde später wird der Himmel zu hell: Gegen halb sechs Uhr (halb sieben Uhr Sommerzeit) verblassen Saturn und Mars, Jupiter wenige Minuten später.

Unsichtbar im Sonnenlicht

Zwei Planeten sind im März nicht zu sehen: Neptun befindet sich aus unserer Sicht gerade hinter der Sonne in Konjunktion. Merkur bleibt in unseren Breiten ebenfalls unsichtbar, obwohl der innerste Planet im Sonnensystem Ende März seine größte westliche Elongation hat und diese auch noch besonders groß ausfällt: Fast drei Handbreit ist Merkur am 24. März von der Sonne entfernt und sollte eigentlich links unter den drei großen "Morgensternen" zu sehen sein. Doch da die Planetenebene, die Ekliptik, jetzt morgens sehr flach zum Horizont im Osten verläuft, bleibt Merkur so dicht am hellen Horizont, dass sein winziges Pünktchen bei uns nicht zu sehen ist. Die gut sichbare Venus ist nur um die Hälfte weiter von der Sonne weg, doch sie steht ja abends im Westen, wo im Frühjahr die Ekliptik steil zum Horizont steht.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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