Wissen - Sternenhimmel


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Merkur und Mars, Jupiter und Saturn Sichtbare Planeten im Juni

Für ein paar Planeten müssen Sie im Juni sehr schnell sein: Merkur und Mars sind nur einen kurzen Moment zu sehen und auch für die Venus bleiben nur wenige Minuten. Doch die beiden Giganten Jupiter und Saturn erstrahlen die ganze Nacht.

Von: Heike Westram

Stand: 31.05.2019

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Juni im Überblick

Jupiter und Saturn dominieren als strahlend helles Duo die gesamte Nacht. Doch Sie können im Juni noch drei weitere Planeten entdecken. Für manche haben Sie allerdings nur wenige Minuten Zeit, wie bei der Venus, die jeden Morgen für fünf Minuten auftaucht. Mars ist in der ersten Junihälfte abends noch kurz zu sehen. Und dicht bei ihm erscheint für zwei Wochen auch der kleine Merkur, der nur selten zu sehen ist.

Seltener Merkur taucht am Abendhimmel auf

Merkur am Abendhimmel

Ende Februar war er auch schon kurz am Abendhimmel zu sehen, seither hat er unbemerkt eine ganze Runde um die Sonne gedreht: Merkur kehrt im Juni wieder ans Firmament zurück. Doch Sie müssen genau im richtigen Moment nach ihm suchen, wenn Sie ihn entdecken wollen, denn Merkur ist nur für kurze Zeit sichtbar.

Der innerste Planet im Sonnensystem ist so dicht bei der Sonne, dass Merkur nur selten aus unserer Sicht genügend Abstand zu ihr hat, um vor oder nach ihr am halbwegs dunklen Himmel aufzutauchen. Am 24. Juni erreicht er seine sogenannte größte östliche Elongation mit rund 25 Grad Abstand zur Sonne und steht zweieinhalb Handbreit links von ihr am Abendhimmel. Das ist nicht viel, aber genug für ein kurzes Auftauchen in der Dämmerung.

Etwa ab dem 5. Juni wird Merkur sichtbar, ganz tief im Nordwesten, wo die Sonne kurz nach neun Uhr untergeht. Gegen zehn Uhr abends ist es dunkel genug für Merkur, denn mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,7 mag ist Merkur viel heller als die meisten Sterne. Doch Sie brauchen absolut freie Sicht zum Horizont, denn Merkur steht nur noch wenige Fingerbreit darüber. Ein Fernglas ist insbesondere an den ersten Tagen hilfreich. Etwa zwanzig Minuten später schluckt der Horizontdunst den kleinen Planeten.

Allabendlich verzögert sich der Untergang von Merkur ein klein wenig. Vom 13. bis 18. Juni ist er fast bis Viertel vor elf Uhr zu finden, wird allerdings auch Abend für Abend dunkler. Es lohnt sich doppelt, in dieser Zeit nach Merkur Ausschau zu halten, denn er hat Gesellschaft:

Zwei Jahre Mars und Schluss

Merkur und Mars in der Abenddämmerung

Seit September 2017 begleitet uns der rote Mars am Sternenhimmel, jetzt nimmt er Abschied: Nur noch bis Mitte Juni können Sie unseren äußeren Nachbarn im Sonnensystem entdecken, danach verschwindet er hinter der Sonne. Mit dem spektakulär hellen, roten Licht vom vergangenen Sommer, als er in Opposition stand, hat Mars jetzt allerdings kaum noch Ähnlichkeit: Mit einer scheinbaren Helligkeit von nur noch 1,8 mag ist er in der Dämmerung so schwer zu finden, dass Sie sich von Merkur führen lassen sollten, der sich am 5. Juni eine Handbreit entfernt rechts unter Mars befindet. Und von der Mondsichel, die am gleichen Abend nur anderthalb Fingerbreit links von Mars steht.

Planeten-Rennen in der Dämmerung

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Merkur und Mars rasen in den wenigen Tagen, die sie gemeinsam zu sehen sind, aufeinander zu: Mars steht allabendlich zur gleichen Zeit etwas tiefer, Merkur klettert in einem weiten Bogen höher. Ab dem 15. Juni sind die zwei Planeten weniger als einen Fingerbreit voneinander entfernt, am 18. Juni passt nicht mal mehr ein halber Vollmond dazwischen. Mars, der anderthalb Größenklassen dunkler ist als Merkur, ist dann allerdings nur noch in einem lichtempfindlichen Fernglas zu sehen. Sein Scheibchen ist nurmehr halb so groß wie das Merkurs, der mit einer scheinbaren Größe von nur etwa sieben Bogensekunden im Durchmesser selbst ein Winzling ist.

Danach wird Mars bis in den späten Herbst nicht mehr zu sehen sein. Und auch für Merkur geht es rapide abwärts: Sein Untergang erfolgt immer früher und Merkur steht immer tiefer, wenn die Sonne untergeht. Nach dem 20. Juni ist der Planet vermutlich nicht mehr zu entdecken. Er wird hinter der Sonne vorbei ziehen und im August kurze Zeit als Morgenstern zu sehen sein. Bei seiner darauf folgenden Runde können Sie Merkur dabei beobachten, wie er zwischen Erde und Sonne hindurch wandert: Am 11. November 2019 gibt es einen Merkurtransit!

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Jupiter und Saturn beherrschen die Nacht

Heller Jupiter mit seinen Monden

Während Sie noch im Nordwesten nach den zarten Lichtlein von Mars und Merkur spähen, erscheint schon im Südosten ein Gigant, der schlichtweg unübersehbar ist: Jupiter taucht Anfang Juni schon ab etwa zehn Uhr abends auf. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,6 mag ist er mit weitem Abstand das hellste Objekt der Nacht, vom Mond abgesehen. Und mit mehr als 45 Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser ist der größte Planet im Sonnensystem auch am Firmament ein Riese. Bis kurz vor Sonnenaufgang können Sie Jupiter Anfang Juni beobachten, am Monatsende nur noch bis halb vier Uhr.

Jupiter und Saturn im Juni

Jupiter hat noch einen zweiten Riesen zur Begleitung: Etwa zwei Stunden nach Jupiter geht Saturn im Südosten auf. Anfang Juni ist er kurz nach Mitternacht zu sehen, zum Monatsende schon ab kurz nach zehn Uhr. Doch mit nur 0,2 mag scheinbarer Helligkeit ist der Ringplanet fast drei Größenklassen dunkler als Jupiter, sein Scheibchen ist nicht mal halb so groß im scheinbaren Durchmesser. Daher muss Saturn auch höher über die Dunstschichten am Horizont klettern, um sichtbar zu werden. Sie finden Saturn knapp drei Handbreit links von Jupiter im Sternengewimmel des Sternbilds Schütze. Jupiter steht links über dem hübschen Sommersternbild Skorpion. Zwischen den beiden Planeten ragt in klaren, dunklen Nächten die Milchstraße empor. Die werden Sie allerdings nicht sehen, wenn der Mond in der Nähe ist: Vom 15. bis 20. Juni zieht der Mond an Jupiter und Saturn vorüber.

Jupiter in Opposition

So weit weg

Das Licht ist
vom Mond 1,3 Sekunden,
von Jupiter 36 Minuten,
von Antares im Skorpion 600 Jahre
bis zur Erde unterwegs.

Jetzt im Juni ist die beste Zeit für Jupiter, denn er steht am 10. Juni in Opposition: Die Erde überholt den äußeren Planeten gerade auf der Innenbahn, dadurch steht Jupiter aus unserer Sicht genau der Sonne gegenüber und hat zugleich den geringsten Abstand zur Erde: "Nur" rund 640 Millionen Kilometer ist Jupiter jetzt von uns entfernt.

Jupiter und der Mond - ein Blick in die Weiten des Alls

Nicht vorstellbar? Dann bekommen Sie etwas kosmische Hilfe: Schauen Sie mal am Abend des 16. Juni nach Jupiter, wenn der Vollmond nur einen Fingerbreit links neben dem Planeten steht. Die Mondscheibe ist mit einem halben Grad im scheinbaren Durchmesser gut 40-mal größer als das Scheibchen Jupiters. In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt: Der Durchmesser des Planeten ist rund 40-mal größer als der des Mondes. Aber Jupiter ist 1.500-mal weiter von uns entfernt. Jetzt ist's klar, oder?

Fünf-Minuten-Venus am Morgen

Morgenstern Venus

Wenn Jupiter und Saturn früh morgens in der Dämmerung verblassen, taucht noch ein letzter Planet am Junihimmel auf: Die Venus geht kurz vor Sonnenaufgang im Nordosten auf. Sie brauchen allerdings eine ganz exakt gestellte Uhr, um den Morgenstern in diesem Monat noch zu sehen. Um 4.29 Uhr geht sie Anfang Juni auf, zur Monatsmitte acht Minuten früher, Ende Juni wieder sechs Minuten später. Bei sehr klarem Horizont kann sie schon wenige Minuten nach ihrem Aufgang sichtbar werden, spätestens um 4.50 Uhr aber sollten Sie sie sehen. Denn unsere innere Nachbarin im Sonnensystem ist sogar noch heller als Jupiter:

Was die Venus so hell macht

Mit einer scheinbaren Helligkeit von -3,9 mag hält die Venus auch der hellen Morgendämmerung noch stand. Erst 15 bis 20 Minuten vor Sonnenaufgang verblasst sie - gegen fünf Uhr. Zu der Zeit steht die Venus gerade mal zwei Fingerbreit über dem Horizont, zur Monatsmitte ein klein bisschen höher. Am 1. Juni führt Sie die Mondsichel zur Venus: Sie finden den hellen Planeten eine Handbreit links vom Mond. Am Monatsletzten rückt der Mond wieder auf die Venus zu.

Unsichtbar im Sonnenlicht verborgen

Zwei Planeten sind im Juni nicht am Sternenhimmel zu sehen: Uranus und Neptun stehen zwar eigentlich am Morgenhimmel, sogar höher als die Venus. Doch die beiden sind so lichtschwach, dass sie nur im Finstern sichtbar wären. Und dazu sind die Sommernächte zu kurz.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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