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Venus, Jupiter, Saturn und Merkur Reigen der Abendsterne im Dezember

Alle Planeten sind zu sehen - die meisten gleich am frühen Abend: Venus, Saturn und Jupiter stehen als Perlenkette in der Dämmerung. Ende Dezember gesellt sich Merkur dazu. Im Finstern können Sie Neptun und Uranus finden. Und wenn es wieder hell wird, taucht auch der Mars wieder auf.

Von: Heike Westram

Stand: 30.11.2021 09:00 Uhr

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten Planeten strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht stark reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Dezember im Überblick

Der frühe Abend ist im Dezember die beste Zeit, um Planeten zu gucken. Kurz nach Sonnenuntergang schälen sich tief im Südwesten nacheinander drei Planeten aus der zunehmenden Dämmerung: Venus, Jupiter und Saturn. Und am Monatsende kommt noch Merkur dazu, der dicht bei der Venus auftaucht. Wenn bald darauf die Dezembernacht richtig finster geworden ist, sind die fernen Gasriesen Neptun und Uranus noch zu finden. Fehlt nur noch ein Planet im Sonnensystem: Mars. Der erscheint nach langer Abwesenheit in der zweiten Monatshälfte am Morgenhimmel.

Wenn Sie sich sputen, können Sie eine wunderschöne Planetenkonstellation im Dezember sehen: Wie eine schimmernde Perlenkette reihen sich von Südwest nach Süden drei Planeten, am Monatsende sogar vier. Das erste Licht, das in der Abenddämmerung nach dem frühen Sonnenuntergang auftaucht, ist die Venus. Etwa gegen fünf Uhr wird sie sichtbar, eine gute Handbreit über dem Horizont im Westen.

Was die Venus so hell macht

Mit etwa -4,5 mag scheinbarer Helligkeit ist die Venus das hellste Objekt nach Sonne und Mond am Firmament. So hell, dass sie auch in ihrer derzeit ungünstig tiefen Stellung leicht zu sehen ist. Die immer früheren Nächte helfen ihr: Es ist bereits stockfinster, bevor die Venus untergeht.

Venus am dunklen Nachthimmel

Am finsteren Himmel strahlt das Licht der Venus umso auffälliger. Bis kurz vor sieben Uhr können Sie die Venus Anfang Dezember beobachten.

Die Auffindkarte etwas weiter unten zeigt Ihnen, wo Sie die Venus und die anderen Planeten im Dezember finden.

Heller Jupiter mit seinen Monden

Kurz nach der Venus wird Jupiter links über ihr sichtbar, drei bis vier Handbreit entfernt. Der größte Planet im Sonnensystem ist zwar gut zwei Größenklassen dunkler als die Venus, übertrifft mit -2,2 mag aber alle Sterne am Firmament bei Weitem. Er steht viel höher als die Venus und damit günstiger: Jupiter ist weiter vom Dunst und der Helligkeit am Horizont entfernt, das erhöht seine Sichtbarkeit. Zwischen Venus und Jupiter steckt auf halber Strecke noch ein dritter Planet, der aber erst etwas später erkennbar wird: Saturn ist mit nur 0,7 mag scheinbarer Helligkeit etwa so hell wie hellere Sterne, daher muss der Himmel noch etwas dunkler werden, bis er auftaucht. In klaren Nächten sollte Saturn aber spätestens um halb sechs Uhr sichtbar sein.

Anfang Dezember ist Saturn fast bis acht Uhr abends zu sehen, Jupiter zwei Stunden länger. Am Monatsende sind die beiden jedoch weit in den Westen gesunken, wenn der Abend dämmert: Jupiter ist dann noch bis halb neun Uhr sichtbar, Saturn versinkt jedoch schon kurz nach sechs Uhr im Dunst des Horizonts, wenn es gerade finster geworden ist.

Venus, Saturn, Jupiter und Merkur im Dezember

Die Lichterkette der drei Planeten markiert wie eine nach links ansteigende Linie deutlich den Verlauf der Planetenebene (Ekliptik) am Abendhimmel. In etwa auf dieser Ebene umkreisen alle Planeten die Sonne, auch die Erde. Und auf fast der gleichen Ebene umkreist auch der Mond die Erde. Das können Sie besonders schön sehen, wenn die Mondsichel vom 5. bis zum 10. Dezember an den drei Planeten vorüber wandert - als ob er die Ekliptik mit seiner Bahn unterstreichen würde.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Am 5. Dezember taucht der Mond erstmals nach Neumond wieder auf, zwei Handbreit rechts unter der Venus und nur ein zarter Strich, der schon um Viertel nach fünf Uhr untergeht. Am folgenen Abend bleibt die Mondsichel schon eine gute Stunde länger und ist nur noch drei Fingerbreit von der Venus entfernt. Am 7. Dezember steht der Mond fast mittig zwischen der Venus und Saturn, von beiden jeweils gute vier Fingerbreit entfernt. Abends darauf ist die schon deutlich angewachsene Mondsichel fast mittig unter Saturn (rechts über dem Mond) und Jupiter (links über dem Mond) zu sehen, am 9. Dezember dann drei Fingerbreit links unter Jupiter. Am 10. Dezember lässt der Mond die Planeten ganz hinter sich: Anderthalb Handbreit ist er dann schon von Jupiter entfernt.

Ab Mitte Dezember wird es schnell schwieriger, die Venus zu beobachten: Abend für Abend geht sie einige Minuten früher unter, steht daher bei Sonnenuntergang schon immer tiefer im dämmrigen Horizontdunst. Der Grund: Unser innerer Nachbarplanet schickt sich an, auf ihrer Umlaufbahn zwischen Erde und Sonne hindurch zu ziehen. Daher rückt sie aus unserer Sicht immer näher auf die Sonne zu. Ende Dezember ist die Venus nur noch bis halb sechs Uhr zu sehen und beendet anschließend ihre Zeit als Abendstern. Doch das ist genau die Zeit, die doppelt lohnend ist für eine genauere Beobachtung, am besten mit Fernglas und Stativ.

Abnehmende Sichel der Venus

Denn genau weil die Venus zwischen Erde und Sonne hindurchzieht, hat sie Phasen wie der Mond: Sie nimmt im Dezember so stark ab, dass von ihr am Monatsende nur noch eine dünne Sichel zu sehen ist. Sie weist der Erde überwiegend ihre unbeleuchtete Planetenhälfte zu, von ihrer beleuchteten Halbkugel sehen wir nur noch ein kleines Segment. Im Durchmesser wird sie dabei immer größer, weil sich die Venus jetzt zugleich der Erde nähert.

Es gibt noch einen weiteren Grund, gerade an den letzten Dezemberabenden Ausschau nach der Venus zu halten: Dicht bei ihr taucht Merkur auf, der innerste Planet im Sonnensystem. Etwa ab dem 28. Dezember können Sie ihn entdecken, wenn Sie ein lichtstarkes Fernglas nutzen. An dem Abend steht Merkur zwei Fingerbreit unter der Venus und ist nur etwa von fünf bis Viertel nach fünf Uhr zu sehen.

Jeden folgenden Abend steht er ein kleines Stück höher und geht einige Minuten später unter, die Venus dagegen steht allabendlich ein bisschen tiefer und immer weiter rechts von Merkur. Am Silvesterabend finden Sie Merkur fast auf gleicher Höhe wie die Venus. Der Abstand zwischen den beiden ist dann auf auf drei Fingerbreit gewachsen.

Die Positionen finden Sie in der Auffindkarte weiter oben.

In Wirklichkeit sind Venus und Merkur sich gar nicht so nahe: Während die Venus in Kürze vor der Sonne vorbeiziehen wird, ist Merkur gerade hinter der Sonne aufgetaucht und übernimmt die Rolle als Abendstern: Bis zum 13. Januar wird er zu sehen sein, danach wandert auch er vor der Sonne vorbei.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Uranus und Neptun im Dezember

Wer geübt ist im Auffinden lichtschwacher Objekte und zudem eine gute Ausrüstung zur Hand hat - ein Teleskop oder zumindest ein lichtstarkes Fernglas mit Stativ - der kann auch im Dezember noch die beiden äußersten Planeten Neptun und Uranus beobachten. Uranus ist dann mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,7 mag in klaren Nächten theoretisch noch mit bloßem Auge sichtbar. Neptun ist mit nur 7,9 mag nie mit bloßem Auge zu sehen.

Uranus im Teleskop

Erst wenn der Himmel wirklich nachtschwarz ist, lohnt die Suche nach den beiden. Im Dezember ist das schon gegen halb sieben Uhr. Uranus ist bis in die frühen Morgenstunden zu finden, doch für Neptun müssen Sie auf die Uhr schauen: Anfang Dezember versinkt er gegen elf Uhr abends im Dunst am Horizont, Ende Dezember schon gegen neun Uhr. Zur Monatsmitte ist der Mond zu nahe bei den beiden lichtschwachen Planeten.

Noch ein Planet taucht zum Jahresende auf, wenn auch noch in bescheidenem Umfang: Mars kehrt ans Firmament zurück. Fast ein halbes Jahr war unser äußerer Nachbar nicht zu sehen, weil er aus unserer Sicht hinter der Sonne verschwunden war.

Mars in der zweiten Dezemberhälfte

Etwa ab Mitte Dezember können Sie Mars bei sehr günstigen Bedingungen - einem klaren Horizont, auf den Sie freie Sicht haben - kurz entdecken, womöglich nur mit einem Fernglas. Er geht wenige Minuten nach sechs Uhr auf und könnte um sieben Uhr erkennbar werden, wenn die Morgendämmerung gerade zu hell für ihn wird. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,5 mag ist Mars selbst nicht sonderlich hell und nur etwa drei Fingerbreit über dem Horizont schwer auszumachen.

Die Mondsichel kann Ihnen helfen, Mars zu finden: Am Morgen des 31. Dezember steht der Mond rechts über Mars, nur vier Fingerbreit entfernt. Ob Sie Mars sehen können oder nicht, hängt stark von der Luftfeuchtigkeit und den Dunstschichten ab, daher sind die Werte nur als ungefähre zu verstehen. Wer Geduld hat, der wartet lieber noch ein Weilchen: Mars wird in den kommenden Wochen immer früher und früher aufgehen und allmählich auch heller werden.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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