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Zwei Abendsterne, zwei Morgensterne und der Mars Fünf helle Planeten im Mai

Zwei Planeten-Paare sollten Sie im Mai nicht verpassen: Venus und Merkur erstrahlen als helle Abendsterne, Jupiter und Saturn als mächtige Morgensterne. Und auch Mars begleitet uns weiterhin.

Von: Heike Westram

Stand: 30.04.2021

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten Planeten strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht stark reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Mai im Überblick

Gleich nach Sonnenuntergang können Sie im Mai Venus und Merkur entdecken, die innersten Planeten. Kurz darauf taucht auch Mars am Abendhimmel auf, wird aber immer schmächtiger. Das Morgen-Duo Jupiter und Saturn wird dagegen immer prächtiger.

Sobald nach Sonnenuntergang im Mai die erste Abenddämmerung einsetzt, können Sie die ersten beiden Planeten sehen: Merkur und Venus stehen in Westnordwest über dem Horizont. Zu Monatsbeginn sind die beiden Lichtlein noch zaghaft und etwas schwer zu entdecken - und vermutlich auch noch nicht gleichzeitig. Während die hellere Venus schon vor neun Uhr sichtbar wird, danach aber zu tief steht, schält sich der dunklere Merkur erst ab neun Uhr aus der Abenddämmerung, ist dafür aber bis halb zehn Uhr zu sehen. Sie brauchen aber sehr klaren Himmel und freie Sicht auf den Horizont - und für die Venus vermutlich noch ein Fernglas.

Venus und Merkur abends im Mai

Allabendlich werden die Bedingungen besser, da sich Venus und Merkur aus unserer Sicht immer weiter von der Sonne entfernen und bei deren Untergang jeden Abend etwas höher stehen als zuvor. Die Karte zeigt die Positionen der beiden Planeten immer 35 Minuten nach Sonnenuntergang. Merkur steigt steil in die Höhe und ist Abend für Abend einige Minuten länger sichtbar, Venus verbessert sich etwas langsamer.

Mondsichel bei Merkur und Venus

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Besonders hübsch ist der Anblick der Abendsterne am 13. Mai, denn da gesellt sich noch die hauchzarte Mondsichel zu den beiden Planeten und steht nur gut einen Fingerbreit entfernt links unter Merkur, vier Fingerbreit links über der Venus. Der Mond ist erstmals nach Neumond wieder zu sehen und nur zu zwei Prozent beleuchtet - ein schmaler Strich. Am folgenden Abend ist die Mondsichel etwa eine Handbreit über Merkur.

Der innerste Planet hat zur Monatsmitte beinahe seine höchste Position nach Sonnenuntergang erreicht und ist jetzt fast bis halb elf Uhr nachts zu finden. Die Venus ist dann längst untergegangen. Merkur wird allerdings immer dunkler: Während er Anfang Mai eine scheinbare Helligkeit von -1,1 mag erreichte, hat Merkur am 13. Mai nur mehr 0 mag scheinbare Helligkeit. Zum Vergleich: Die Venus, hellster aller Planeten, ist dann mit -3,9 mag vier Größenklassen heller als Merkur und daher auch leichter zu finden, obwohl sie tiefer und damit ungünstiger steht.

Venus und Merkur am Abendhimmel

Nach dem 18. Mai sinkt Merkur rasant tiefer. Weil er allabendlich auch dunkler wird, ist er nach dem 20. Mai bald nicht mehr zu finden. Am 29. Mai ist er auf Höhe der Venus angelangt und streift ganz dicht an ihr vorbei, ist dabei aber bestenfalls in einem guten Fernglas zu beobachten. Die Venus dagegen wird uns als immer prächtigerer Morgenstern die nächsten Monate begleiten. Ende Mai können Sie ihr strahlendes Licht schon bis Viertel nach zehn Uhr über dem Horizont sehen.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Der rote Planet Mars

Unser Nachbarplanet Mars begleitet uns auch im Mai noch, doch er verweilt immer weniger lang am Abendhimmel. Kurz nach dem Ende der bürgerlichen Dämmerung wird er sichtbar, ist aber lange nicht so hell wie Merkur zwei bis drei Handbreit rechts unter ihm. Anfang Mai ist Mars etwa ab kurz nach neun Uhr abends zu sehen, am Monatsende erst eine Dreiviertelstunde später, da die Tage länger werden und es später dunkel genug wird. Ende Mai ist der Planet auch nur noch gut anderthalb Stunden lang sichtbar, denn um Viertel nach elf Uhr versinkt Mars dann allmählich schon in den Dunstschichten, während er zu Monatsbeginn noch bis nach Mitternacht zu finden ist.

Mars zieht durch die Zwillinge

Mars im Mai

Mars ist sehr schnell unterwegs und zieht im Verlauf des Monats weit übers Firmament. Das können Sie im Mai sehr gut beobachten, denn der Planet wandert einmal quer durch das Sternbild Zwillinge. Er beginnt etwa eine Handbreit vom Stern Elnath entfernt und landet Ende Mai dicht bei den beiden hellsten Sternen Kastor und Pollux, mit denen er einen auffälligen Bogen bildet. Mars steht ganz links im Dreigestirn, rechts von ihm strahlt Pollux, keine drei Fingerbreit entfernt. Der Stern ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,14 mag etwas heller als Mars, der nur noch 1,7 mag erreicht. Kastor, ganz rechts in der Reihe, ist mit 1,98 mag noch heller.

Mondsichel bei Mars

Die noch sehr junge Mondsichel nähert sich dem Mars von rechts unten. Am 14. Mai steht sie fast mittig zwischen Mars und Merkur, der rund zweieinhalb Handbreit entfernt rechts unter Mars bis etwa halb elf Uhr zu sehen ist. Von Merkur ist der Mond an dem Abend eine Handbreit entfernt, von Mars anderthalb.

Am 15. und 16. Mai ist der Mond jeweils nur etwa drei Fingerbreit von Mars entfernt - erst rechts unter dem Planeten, am Abend darauf links über ihm. Dann geht der Erdtrabant wieder auf Abstand: Am 17. Mai ist er schon fast zwei Handbreit über Mars zu sehen.

Jupiter und Saturn Anfang Mai

Die beiden hellen Morgensterne werden im Mai wohl die meisten verpassen. Nur schlaflose Nachtschwärmer und extreme Frühaufsteher bekommen Jupiter und Saturn zu sehen. Denn die beiden Planeten tauchen Anfang Mai um vier Uhr morgens über dem Horizont im Südosten auf. Und schon um Viertel nach fünf Uhr wird es für Saturn zu hell, für Jupiter etwa eine Viertelstunde später. Zum Monatsende sind die Zeiten nicht viel günstiger: Jetzt sind beide schon ab etwa zwei Uhr morgens zu sehen, aber nur noch bis kurz nach halb fünf Uhr.

Jupiter und Saturn links der Milchstraße

Doch wer zu der Zeit draußen unterwegs ist, kann sie nicht übersehen: Wie ein strahlend heller Doppelpunkt stehen die beiden in der Morgendämmerung - etwa anderthalb Handbreit voneinander entfernt. Jupiter, der linke der beiden, ist dabei der weitaus auffälligere: Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,3 mag ist er um drei Größenklassen heller als Saturn mit nur 0,7 mag. Jupiter ist auch mehr als doppelt so groß im Durchmesser.

Durch seine enorme Helligkeit ist Jupiter früher und länger zu sehen als Saturn, der rechts über ihm und damit eigentlich günstiger steht. Doch Saturn geht zwar früher auf, hat aber mit dem Horizontdunst und dem Licht der Dämmerung viel mehr zu kämpfen als der hellere Jupiter.

Abnehmender Mond bei Jupiter und Saturn

Gleich zweimal wandert im Mai der Mond an den beiden Planeten vorüber: Anfang Mai nähert sich seine abnehmende Scheibe von rechts. Am 2. Mai ist der Mond noch gut zwei Handbreit von Saturn entfernt, am Morgen darauf nur noch halb so weit. Am 4. Mai steht der Mond unter beiden Planeten, drei Fingerbreit von Saturn entfernt, doppelt so weit von Jupiter. Am 5. Mai ist der Mond schon links von Jupiter angelangt, drei Fingerbreit von dem hellen Planeten weg, danach geht er deutlich auf Abstand (siehe Grafik weiter oben).

Jupiter und Saturn Ende Mai

Ende Mai nähert sich der abnehmende Mond erneut dem Planetenduo von rechts: Morgens am 30. Mai trennen ihn noch anderthalb Handbreit von Saturn, am Monatsletzen dann nur noch gut zwei Fingerbreit.

Unsichtbar im Sonnenlicht

Zwei Planeten bleiben im Mai ganz verborgen: Uranus und Neptun sind gerade hinter der Sonne vorbeigewandert und sind noch nicht wieder zu sehen.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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