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Texte-Test Subjektiv? Objektiv? Was ist Meinung? Was eine Nachricht - extra

Eine Nachricht und vier verschiedene Arten, sie zu erzählen: Hier hast du den direkten Vergleich, wie unterschiedlich eine Tatsache wiedergegeben und subjektiv gefärbt werden kann.

Stand: 21.03.2017

YouTuber (Reportage)

Hey Leute, habt ihr das gesehen? Viele Bauern waren mit ihren Traktoren auf dem Weg nach Berlin. Das Ganze war eine Protestaktion: Den Bauern geht es um den Milchpreis. Der Milchpreis ist in den letzten Tagen dramatisch abgestürzt. Und das bedeutet für die Bauern: Die haben ein echtes Existenzproblem. Die Bauern haben dann über mehrere Stunden die Straße blockiert. Und letztendlich gab es viele Buhrufe. Der Landwirtschaftsminister ist dann unter den ganzen Buhrufen rausgekommen und hat sich an die Demonstranten gewandt. Er hat versprochen, ich werde was gegen den Preisverfall unternehmen. Ob wirklich was passiert, bleibt abzuwarten.

 Hausfrau (Nachricht)

Milchbauern bekommen in einigen Regionen nur noch weniger als 20 Cent pro Liter Frischmilch. Die Preise sinken immer weiter, weil mehr Milch produziert als nachgefragt wird. Die Bundesregierung kündigte Hilfen für die etwa 77.000 Milchbauern an. Darüber soll Ende Mai beraten werden. Von den Milchbauern kam hingegen harsche Kritik. Die Politik habe sie lange Zeit mit den strukturellen Problemen alleine gelassen.

Reporterin (Subjektiver Senf)

Ich stehe hier direkt an der Straße, wo gleich der Demonstrationszug der Milchbauern vorbeikommt. Und mir steht's bis hier. Von den Sesselfurzern in irgendwelchen Gremien und Ministerien, denen es total egal ist, wenn die Mass Bier auf dem Oktoberfest zehn Euro kostet, kümmert das niemanden, aber 20 Cent fürn Liter Milch, das ist in Ordnung. Dass die Bauern nicht mehr davon leben können und die Tiere unter furchtbaren Umständen leben - scheißegal. Aber wer ist schuld? Ihr! Der Verbraucher, der will nicht mehr zahlen. Ich hab' die Schnauze voll.

Nachrichtensprecher (Kommentar)

Die Bundesregierung muss endlich etwas unternehmen. Nach dem Ende der Milchquote hat sie einfach zu lange zugesehen. Sich immer nur auf die Marktmechanismen rauszureden, zeugt von einer enormen politischen Einfallslosigkeit. Es ist zu kurzfristig gedacht, jetzt nur den Geldbeutel zu zücken. Die Milchseen, die Überproduktion, die bleiben. Die in Schwierigkeit geratenen Bauern warten dagegen seit Langem auf strukturelle Veränderungen gegen das Preisdumping bei Lebensmitteln. Vergebens. Denn für viele ist es schon zu spät. Alleine in meinem Ort mussten fünf Milchbauern zusperren. Ihre bäuerlichen Existenzen sind kaputt, ihre Ställe leer.

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