Forschung über Verträge Nobelpreis für Wirtschaft geht an Hart und Holmström

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an Oliver Hart und Bengt Holmström. Das teilte die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm mit.

Von: Christine Bergmann

Stand: 10.10.2016 | Archiv

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Bengt Holmström Bild: picture-alliance/dpa/Markku Ulander

Der 1948 geborene Brite Hart lehrt an der Harvard-Universität. Der 1949 in Finnland geborene Holmström ist Professor für Volkswirtschaft am Massachusetts Institute of Technology. Die beiden Wissenschaftler werden für ihre Forschungsarbeiten zur Vertragstheorie im Wirtschaftsleben geehrt.

Forschungsergebnisse bedeutend für Wirtschaft und Gesellschaft

Der Brite und der Finne hätten mit ihren Forschungen einen wichtigen Beitrag zur Erstellung von Verträgen geleistet, die nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Gesellschaft zusammenhalten, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zur Begründung mit.

Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie bei der Verkündung in Stockholm Bild: Reuters (RNSP)

Beide Preisträger sind nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch Mathematiker. Ein Fach, das in der Ökonomie eine große Rolle spielt. Ihre Arbeiten dazu seien "wertvoll für das Verständnis von Verträgen und Institutionen sowie potentiellen Fallstricken bei der Vertragsgestaltung", so das Komitee. Damit eine Gesellschaft gut funktioniert, braucht es Verträge, sie helfen Interessenskonflikte zu lösen beziehungsweise gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen wie Managerverträge gestaltet werden, wie ein Selbstbehalt bei Versicherungen wirkt, oder wie Verträge aussehen sollten, wenn staatliche Aufgaben privatisiert werden.

Die Verleihung der Nobelpreise findet am 10. Dezember statt - dem Todestag von Nobel. Alle sechs Auszeichnungen sind mit acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert.

Der umstrittenste Nobelpreis

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften nimmt unter den Nobelpreisen eine Sonderstellung ein: Er wurde erst 1969 zum ersten Mal verliehen. 2009 erhielt erstmals eine Frau diesen Preis. Und bei den männlichen Preisträgern überwiegen deutlich Ökonomen, die an US-Universitäten oder in den Vereinigten Staaten gearbeitet haben. Insgesamt gilt der Ehrenpreis als umstritten. Denn er geht nicht auf Alfred Nobels Testament zurück, sondern wurde erst nachträglich von der Schwedischen Reichsbank gestiftet - "in Gedenken an Alfred Nobel".

Dem Chemiker und Industriellen Alfred Nobel selbst sollen die Wirtschaftswissenschaften jedoch nie ganz geheuer und deshalb niemals preiswürdig gewesen sein. Jedoch werden die Preisträger wie bei den Nobelpreisen für Physik und Chemie von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften nominiert und auch im Rahmen der gesamten Preisverleihung überreicht. Doch ihre Namen tauchen im Verzeichnis der Nobelpreisträger nur in einem Anhang auf und werden statt auf die Flächen der Nobel-Medaille auf deren Rand eingraviert.

Wirtschafts-Preisträger der vergangenen Jahre

  • 2015: Angus Deaton (Schottland) für seine bahnbrechenden Arbeiten über Konsum, Armut, Ungleichheit und Gesundheit
  • 2014: Jean Tirole (Frankreich) für seine Arbeiten zu den Themen Marktmacht und Regulierung, vom "Zähmen mächtiger Firmen"
  • 2013: Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller (alle USA) für ihre empirischen Analysen von Aktienkursen
  • 2012: Die Spieltheoretiker Alvin E. Roth (USA) und Lloyd S. Shapley (USA) für ihre grundlegenden Erkennisse, wie verschiedene wirtschaftliche Akteure optimal für alle zusammenkommen.
  • 2011: Thomas Sargent und Christopher Sims für ihre empirische Untersuchung von Ursache und Wirkung in der Makroökonomie
  • 2010: P. Diamond, D. Mortensen, C. Pissarides: für ihre Such-Theorie für Märkte wie den Arbeitsmarkt
  • 2009: Elinor Ostrom, Oliver Eaton Williamson, USA: für ihre Studien über eine konfliktfreie Organisation der Märkte
  • 2008: Paul Krugman, USA: für seine Studien als Handelstheoretiker
  • 2007: Leonid Hurwicz, Eric Maskin, Rober Myerson, alle USA: für die Entwicklung der Theorie des Mechanism Design
  • 2006: Edmund Phelps, USA: für die Erforschung des Zusammenhangs von Preisentwicklung und Arbeitsmarkt
  • 2005: Robert Aumann, Israel und USA, Thomas Schelling, USA: für die Weiterentwicklung der Spieltheorie auf Konfliktsituationen
  • 2004: Finn Kydland, Norwegen, Edward Prescott, USA: für ihren Beitrag zur dynamischen Makroökonomie
  • 2003: Robert Engle, USA, Clive Granger, Großbritannien: für Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen
  • 2002: Daniel Kahneman, USA und Israel, Vernon Smith, USA: für die Einführung psychologischer Herangehensweisen in die Wirtschaftswissenschaft
  • 2001: George Akerlof, Michal Spence, Joseph Stiglitz, alle USA: für ihre Analyse von Märkten asymmetrischer Information

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