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Vogelspinne Achtbeiner mit Gruselfaktor

Gäbe keine Spinnen, würden wir bis zu den Knien in Insekten stehen. Gruslig, oder? Trotzdem ekeln sich viele, wenn ihnen eine Spinne über den Weg krabbelt. Besonders die Vogelspinne hat einen schlechten Ruf – völlig zu Unrecht!

Von: Anja Mösing, Veronika Baum und Crisanta Hoffmann

Stand: 12.06.2018

Es gibt viele Vogelspinenarten: Die "Acanthoscurria sternalis" aus Argentinien. | Bild: Crisanta Hoffmann

Alle Spinnen auf der Welt fressen zusammen pro Jahr angeblich zwischen 400 und 800 Millionen Tonnen Insekten und andere Kleinsttiere. Ohne Spinnen wäre der Boden bei uns also bald zehn bis 20 Zentimeter hoch mit Insekten bedeckt. Keine schöne Vorstellung, oder?

Vogelspinnen leben bereits seit mehr als 350 Millionen Jahren auf der Erde. Es gibt fast tausend verschiedene Arten. Man unterscheidet Bodenbewohner, Baumbewohner und Röhrenbewohner. Vogelspinnen sind – wie alle Spinnen – keine Insekten, sondern Gliederfüßer. Dazu gehören auch Webspinnen, Weberknechte, Skorpione, Milben, aber auch Zecken. Da es Vogelspinnenarten gibt, deren Hinterleib so groß wie ein Tennisball werden kann, sind Vogelspinnen auf der Rangliste der größten Spinnen mit Abstand die Nummer 1!

Ihr Name? Ein Missverständnis!

Ihren Namen bekam die Vogelspinne, weil die Menschen früher glaubten, dass sich die Tiere tatsächlich ausschließlich von Vögeln ernähren würden: ein Missverständnis! Die Naturforscherin Maria Sibylla Merian zeichnete 1705 nach ihrer Südamerikareise eine Vogelspinne, die auf einem Ast sitzt und über einen toten Kolibri krabbelt. Zwar leben einige Vogelspinnen tatsächlich auf Bäumen, aber ihre Lieblingsspeise sind eher Insekten wie beispielsweise Schaben oder Heuschrecken. Außerdem überwältigen und fressen sie kleine Reptilien und kleinere Säugetiere – und eher selten mal ein Vogelküken.

Spinnennetze? Fehlanzeige!

Vor ihre Höhle spannt die Vogelspinne Signalfäden: Wenn ein Beutetier sie berührt, ist die Spinne bereit.

Bei Vogelspinnen ist vieles anders als bei gewöhnlichen Spinnen. Sie spinnen zum Beispiel keine Fangnetze, sondern nur Spinnpolster. Auf die legen sie sich dann, strecken gemütlich ihre acht Beine in die Luft, lauern auf Beute und häuten sich. Als Jungtiere häuten sie sich natürlich oft, später nur noch etwa einmal pro Jahr. Weibliche Tiere wachsen das ganze Leben lang.

Ihre Beute packen Vogelspinnen mit ihren kräftigen Beißklauen. Anschließend spritzen sie Gift in ihre Opfer. Dieses Gift zersetzt den Körper des Beutetiers und verwandelt ihn in Insektenbrei. Die Vogelspinne hat nämlich nur eine klitzekleine Mundöffnung: Die so zersetzte Beute wird am Ende einfach aufgeschlabbert. Für uns Menschen ist das Gift übrigens nicht gefährlich. Der Biss einer Vogelspinne ist vergleichbar mit einem Wespenstich.

Wie bekommen Vogelspinnen Nachwuchs?

Vogelspinnen verpaaren sich, wenn sie erwachsen sind. Männchen leben danach oft nicht mehr lange. Weibchen hingegen können ein stolzes Alter von bis zu 30 Jahren erreichen. Hat das Männchen die Eier im Körper des Weibchens befruchtet, verlässt es das Weibchen wieder. Die Eier legt das Weibchen in einen Kokon: Diesen trägt die Spinne entweder mit sich herum oder hängt ihn in Form einer Hängematte in ihrem Gespinst auf und bewacht ihn. Nach einigen Wochen schlüpfen die kleinen Spinnen mit Hilfe der Mutter, die den Kokon öffnet, aus dem Kokon.

Pelztiere? Die Haare der Vogelspinne

Das Typische an den großen Krabblern ist ihre Behaarung. Die ist nämlich nicht nur zur Zierde da: Die Haare vieler Vogelspinnen sind gefährlich. Sie können durch heftiges Bürsten ihre Haare vom Hinterleib sprengen, so dass um die Spinne eine richtige Haarwolke entsteht. Mögliche Feinde, wie große Mäuse oder Vögel, die diese giftigen Haarwolken einatmen, bekommen Lungenprobleme und werden somit eingeschüchtert. Außerdem können Vogelspinnen mit ihren Haaren ausgezeichnet tasten und sie haben sogar Riechhaare.

Keine Streicheltiere

Schon gewussst?

Bei Gefahr oder bei Verletzungen können Vogelspinnen ihre Gliedmaßen abwerfen oder verlieren. Das stellt für die Tiere aber keine Einschränkung dar. Sie können auch ihre Beine, aber auch Augen, Taster und Beißklauen in kurzer Zeit nachbilden. Dazu muss sich die Spinne nur mehrfach häuten, bei Jungtieren genügt eine Häutung.

Vogelspinnen kann man als Haustiere halten. Aber natürlich sind sie keine Streicheltiere. Da sie sich so beruhigend langsam bewegen, sind sie gut zu beobachten. In einigen Gegenden Südamerikas und Asiens gelten zubereitete Vogelspinnen als Delikatesse. In Kambodscha werden beispielsweise Vogelspinnen gebraten und als "Fingerfood" auf der Straße verkauft.


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