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Schwertleite Was passiert beim Ritterschlag?

Ursprünglich hieß der Ritterschlag, also die feierliche Verleihung der Ritterwürde, Schwertleite. Bevor jedoch ein junger Mann zum Ritter geschlagen wurde, musste er jahrelang bei einem anderen Ritter in "Ausbildung" gehen. Zeit zum Spielen hatte er da nicht!

Stand: 29.05.2019

Ritterschlag: Eine Darstellung auf einem Sammelbilchen aus Frankreich, um 1880/90.  | Bild: picture alliance/akg-images

Wer als Junge im Mittelalter den "Berufswunsch" Ritter hatte, für den begann eine harte Zeit: Der junge Adlige musste schon im Alter von sieben Jahren seine Burg - und damit seine Eltern - verlassen. Zur Ausbildung kam er auf eine andere Burg, zu einem fremden vornehmen Ritter. Bei diesem Ritter arbeitete der "Page", so hieß der jugendliche Ritter-Lehrling, dann als Diener. Und er musste bei ihm viele wichtige Dinge lernen, die man als Ritter können muss. Zum Spielen blieb ihm keine Zeit und für Heimweh auch nicht.

Die Ausbildung des Pagen

Am Anfang kümmerten sich vor allem die Burgherrin und ihre Frauen um den den jungen Pagen. Neben Lesen und Schreiben gehörten zur Ausbildung auch das richtige Benehmen bei Tisch. Der Page musste den Tisch decken, in der Küche und im Weinkeller helfen und seinen Herren und dessen Familie bei Tisch bedienen. Auch beim Anziehen hatte er dem Burgherren zu helfen. Daneben stand natürlich auch so etwas wie Sport auf seinem Tagesprogramm: Der angehende Ritter lernte reiten und übte sich im Ringen, im Faustkampf und im Bogenschießen.

Aus Pagen werden Knappen

Mit ungefähr 14 Jahren wurde ein Page dann zum Knappen. Jetzt dürfte er sein eigenes Kurzschwert tragen und nun ging es mit seiner militärischen Ausbildung erst richtig los: Ein Knappe lernte Fechten, die Rüstung anlegen und übte, mit Lanze und Schwert zu kämpfen. Natürlich musste er sich auch mit Pferden seh gut auskennen. Ein Knappe begleitete seinen Herren auf die Jagd und manchmal auch zu einem Ritterturnier. Alles diente zur Vorbereitung auf die Ritterprüfung. Neben seinem Kampfesmut waren für einen angehenden Ritter vor allem die höfischen Tugenden wichtig: Ehrlichkeit, Nächstenliebe, Höflichkeit und Gastfreundschaft.

Der Ritterschlag

Erst mit ungefähr 21 Jahren wurde aus einem Knappen dann ein Ritter. Erst jetzt bekam er Schwert, Rüstung und ein eigenes Pferd. Die Nacht vor dieser Feier verbrachte der junge Mann betend in der Kirche.

In England werden noch heute Leute, die sich in irgendeiner Form um das Land verdient gemacht haben, zum Ritter geschlagen.

Ursprünglich hieß der Ritterschlag, also die feierliche Verleihung der Ritterwürde, Schwertleite. Bei der Schwertleite wurde dem zukünftigen Ritter der Schwertgürtel umgebunden, denn nur Ritter durften ihr Schwert in einer Scheide tragen. Alle anderen mussten die Klinge offen tragen. Manchmal bekam der Ritter von seinem Herrn auch einen Schlag ins Gesicht oder in den Nacken – mit der Hand. Damit zeigte der Herr noch einmal seine Macht, denn der Ritter durfte diesen Schlag nicht erwidern, also nicht zurückgeben. Er musste ihn demütig hinnehmen.

Dass man durch die Berührung mit der Schwertklinge an Schultern und Kopf zum Ritter ernannt wird, dieses Ritual entstand erst später. Vermutlich weil es einfach besser aussieht, wenn ein angehender Ritter niederkniet und mit einem Schwert – der wichtigsten und edelsten aller Waffen – gesegnet wird. Aber vor allem ist das Schwert DAS Sinnbild für Ritterlichkeit schlechthin. Bis heute. Mit dem Schwert kämpft der Ritter für König und Kirche, für Arme und Waisen.


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