13

Georg Friedrich Telemann Vergessener Alleskönner

Er war berühmter als Bach oder Händel und hat mehr komponiert als sie beide zusammen: Georg Philipp Telemann war zu seiner Zeit der berühmteste Komponist in Deutschland! Alles Mögliche und Unmögliche hat er in Musik verwandelt, zum Beispiel Ebbe und Flut: Da rauscht das Wasser nur so durch die Ohren! Oder er lässt ein Gewitter durchs Orchester donnern. Sehr gefühlvoll geht es zu, wenn Telemann einem verstorbenen Kanarienvogel eine Trauermusik widmet. Es war ja schließlich sein eigener Vogel, der da eines Tages von der Nachbarskatze verspeist wurde.

Von: Uta Sailer und Veronika Baum

Stand: 25.06.2017 | Archiv

Telemann ist schon als Kind verrückt nach Musik. Er saugt alles auf, was mit Musik zu tun hat. Lehrer braucht er keinen. Alles bringt er sich selber bei, sogar die Instrumente! Er kann Klavier, Geige, Bratsche, Flöte, Oboe, Schalumeau, Gambe, Bassposaune und Kontrabass spielen! Dazu lernt er noch Musiktheorie, Dirigieren und natürlich Komponieren. Seine Mutter findet das gar nicht gut. Sie verbietet dem kleinen Georg Philipp die Musik, nimmt ihm die Noten weg und schickt ihn in eine andere Stadt auf eine andere Schule, damit er endlich ordentlich lernt. Aber das hilft alles nichts. Telemann macht weiter Musik, oft nachts, heimlich. Mit zwölf Jahren ist seine erste Oper fertig, die er auch aufführt – mit sich selbst in der Hauptrolle: Was für ein Spaß! Die Mutter macht ein Donnerwetter und nennt ihren Sohn einen Gaukler, Seiltänzer und Murmeltierführer!

Paragraphen pauken statt muntere Töne machen?

Lebensdaten

Georg Friedrich Telemann wurde am 24. März 1681 in Magdeburg geboren. Er starb am 25. Juni 1767 in Hamburg. Achtung: Da zu Telemanns Lebzeiten eine Kalenderumstellung stattfand, finden sich manchmal auch andere Angaben zu seinem Geburtstag.

Später tut Telemann dann doch, was die Mutter will: Er studiert Jura statt Musik! Aber es ist nur ein Trick: Denn die Stadt, in der Telemann Jura studiert, ist eine wichtige Musikstadt: Leipzig! Telemann befasst sich dort weniger mit Gesetzen als mit Noten und feiert dort auch seine ersten öffentlichen Erfolge. Am Ende hat Telemann es geschafft: Er ist ein bekannter Musiker und Komponist geworden! Zu seiner Zeit galt er als "göttliches Genie". Erst heutzutage sind Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel die sehr viel bekannteren Komponisten des Barockzeitalters.

Telemann, das Multitalent

So viele Noten! Insgesamt schrieb Telemann mehr als 3.600 Werke!

Telemann muss ein echtes Energiebündel gewesen sein. Ein Beruf allein reicht ihm nicht, er hat gleich mehrere. Nach seinem Umzug nach Hamburg ist er Musikdirektor an fünf Kirchen, Opernchef, Musikverleger, Konzertveranstalter, Dichter, Komponist und Lehrer!

Schüler in Latein unterrichten macht ihm allerdings keinen Spaß. Viel lieber erfindet er Musik: Mehr als dreitausendsechshundert Stücke in sechsundachtzig Lebensjahren! Wenn man zurückrechnet, dass er mit ungefähr sechs Jahren angefangen hat, dann macht das jedes Jahr fünfundvierzig Kompositionen, also fast jede Woche eine.

Telemann, der Geschäftsmann

Die Hamburger sind stolz auf ihren Telemann und passen gut auf ihn auf. Andere haben es nämlich auch auf diesen Barock-Superstar abgesehen. Der Rat der Stadt Leipzig sucht einen neuen Kantor für die Thomaskirche und will Telemann abwerben: Hamburg wirft Telemann einen fetten Köder hin: mehr Geld, weniger Arbeit und eine größere Wohnung. Die Angst, er könne vielleicht tatsächlich Leipzig abhauen, ist groß. Aber es klappt, Telemann bleibt in Hamburg.

Inzwischen ist er so berühmt, dass viele Leute ihn sehen und hören wollen. Wieder hat er eine gute Idee, damit Geld zu verdienen: Er macht einfach Wohnzimmerkonzerte bei sich daheim. Mit Eintrittsgeld. Den Kartenvorverkauf übernimmt er auch gleich noch. Wahrscheinlich mit Extragebühr ...

Telemann ist fast immer beschäftigt. Vielleicht arbeitet er so viel, weil er mit seiner Familie nicht so glücklich ist: Seine erste Frau ist früh gestorben, seine zweite Frau gibt viel zu viel Geld aus. Sie soll spielsüchtig gewesen sein und hat wohl deswegen Schulden gemacht. Später brennt sie angeblich mit einem schwedischen Offizier durch ...

Telemann, der Gärtner

Telemann war ein leidenschaftlicher Gärtner. Eines seiner Werke heißt "Dem Gärtner muss das Herze lachen".

Telemann sucht sich eine neue Liebe: Blumen! Er erwirbt ein Gartengrundstück auf dem Land: Sät und pflanzt, schaut und staunt, kompostiert und komponiert. Ganz viele unterschiedliche Pflanzen gibt es in seinem Garten: Gartenanemone, Herbstzeitlose, Adonisröschen, Kornblume, Zwergglockenblume, Dichternarzisse, Kardinalsblume, Mutterkraut, Nachtviole und viele mehr! Immer wieder hört man zwischen Vogelgezwitscher und Bienensummen die Türglocke läuten: Dann bekommt Telemann wieder mal Post von Freunden, die ihm aus aller Welt Blumenzwiebeln schicken. Und so hat Telemann einen wundervollen Garten voller Blumen - so schön und bunt wie die vielen Kompositionen, die aus Telemanns Herz geflossen sind.


13