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George Gershwin Ein amerikanisches Musikgenie

Vom Tellerwäscher zum Millionär – ein amerikanischer Traum wird wahr: Der Komponist George Gershwin schafft es aus einfachen New Yorker Verhältnissen bis in die Glitzerwelt von Hollywood. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere verstirbt Gershwin. Er ist keine 40 Jahre alt. Seine Musik ist unsterblich und erfolgreich bis heute.

Von: Susanna Felix und Carmen Fiedler

Stand: 27.10.2020 | Archiv

George Gershwin kam am 26. September 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn zur Welt. Eigentlich war sein Name Jacob Gerschowitz, denn seine Eltern waren aus Russland nach Amerika eingewandert. Doch um sich in der neuen Heimat besser anzupassen, änderte die Familie kurzerhand ihren Nachnamen. Die Verhältnisse, in denen George mit seinen Geschwistern aufwuchs, waren eher ärmlich. Der Vater wechselte häufig den Job, und so hatten Gershwins Eltern wenig Geld.

Lebensdaten

George Gershwin wurde am 26. September 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als zweites von vier Kindern geboren. Und er starb mit nur 38 Jahren an einem von den Ärzten viel zu spät erkannten Gehirntumor am 11. September 1937 in einem Krankenhaus in Hollywood (Los Angeles).

Schule fand George nicht so besonders interessant, möglicherweise hatte er auch einfach keine Lust darauf? Jedenfalls trieb er sich viel lieber auf den Straßen New Yorks herum als brav im Klassenzimmer zu lernen. Zwischen den Häusern und auf den Plätzen seiner Heimatstadt entdeckte er seine Liebe zur Musik: Egal, ob eine Jazzband spielte oder die Melodie aus einem Klavierautomaten kam, ihn begeisterte und interessierte alles.

Eine außergewöhnliche Begabung

Einer seiner Klassenkameraden besaß ein Klavier. Dort übte George heimlich und erfand erste eigene Melodien. Er konnte keine Noten lesen und spielte deshalb alles nach Gehör nach. Als George zwölf Jahre alt war, kauften seine Eltern ein Klavier für seinen Bruder Ira. Doch als es geliefert wurde, setzte sich George an die Tasten. Das war eine große Überraschung für die ganze Familie und er bekam ab diesem Zeitpunkt Unterricht. Sein Lehrer Charles Hambitzer erkannte die außergewöhnliche Begabung des Jungen sofort.

Weil Schule immer noch nicht Gershwins Ding war, brach er sie kurzerhand ab und nahm mit 16 Jahren einen Job als so genannter "Song Plugger" an. Seine Aufgabe war, die neuesten Schlager eines Musikverlags bekannt zu machen, indem er sie am Klavier spielte und so "unters Volk" brachte. Gershwin wollte jedoch lieber selbst komponieren. Seine großen Vorbilder waren Irving Berlin und Jerome Kern. Der erste große Hit gelang ihm 1918 mit dem Song "Swanee". Bald komponierte er auch Musical Comedys für den Broadway. Ganz besonders interessierte sich Gershwin immer für die Musik der Afroamerikaner und für den Jazz.

Die "Rhapsody in Blue" als Riesenerfolg

1924 lernte Gershwin Paul Whiteman kennen, den "King of Jazz". Auch wenn sich manche ihrer Vorstellungen unterschieden, verfolgten Whiteman und Gershwin ähnliche Ziele. Beide träumten davon, den Amerikanern eine Musik zu präsentieren, die Elemente des Jazz mit sinfonischer Kunstmusik verband. Whiteman bat Gershwin ein entsprechendes Stück zu schreiben. Weil sich Gershwin beim Komponieren möglichst viel Freiheit wünschte, entschied sich für eine "Rhapsodie": Eine Rhapsodie ist eine Folge verschiedener musikalischer Gedanken, die nicht aufeinander aufbauen und die nur durch lose Überleitungen miteinander verbunden sind. Gershwin schrieb die "Rhapsody in Blue".

Am 12. Februar 1924 führte Whiteman das Werk in der Aeolian Hall in Ney Work auf – mit Gershwin am Klavier. Das Konzert wurde ein Riesenerfolg. Der charakteristische Anfang, bei dem die Klarinette die Töne in einem langen Glissando nach oben schleift, spricht das amerikanische Publikum sofort an. Auch die hektischen Rhythmen entsprechen ganz dem Lebensalltag in einer Stadt wie New York. Obwohl Gershwin hier Elemente des Jazz verarbeitet, unterscheidet sich die "Rhapsody in Blue" in vielem vom echten Jazz. Dennoch hat es Gershwin geschafft, in dem Stück eine Brücke zu bauen.

Ein Traum wird wahr

Die Uraufführung von "Porgy and Bess" (1935) war eine Sensation. Gershwin hatte sich dafür lange mit Alltag und Musik der Schwarzen beschäftigt.

Gershwin wurde zum gefeierten Star. Er hatte es geschafft, in seinem Leben den amerikanischen Traum vom Erfolg zu verwirklichen. Außer für den Broadway komponierte Gershwin auch Stücke für den klassischen Konzertbetrieb und trat weiterhin als Pianist auf. So gesehen führte er ständig ein Leben zwischen Konzertpodium und Revuebühne. Nach einem Abstecher nach Paris, begann er auch Filmmusik zu schreiben und 1935 seine Folk-Oper "Porgy and Bess".

Wie eine Menge erfolgreicher Broadway-Stücke entstammt auch die Oper der gemeinsamen Feder von George und seinem Bruder Ira. Zeitlebens gehörte der ältere Bruder zu den bevorzugten Textdichtern Gershwins. "Porgy and Bess" ist die erste eigenständige Oper Nordamerikas und handelt vom Leben der Afroamerikaner um 1870. Nach diesem letzten großen Erfolg ging Gershwin nach Hollywood, um sich nun noch stärker der Filmmusik zu widmen. Wenig später wurde er jedoch krank. Man entdeckte einen Gehirntumor, der nicht mehr erfolgreich operiert werden konnte. Am 11. Juli 1937 starb Gershwin im Alter von nur 38 Jahren.

"Gershwin war ein Komponist aus dem Volk und für das Volk, und seine Musik wird vom Volke lebendig erhalten werden."

Gilbert Chase, amerikanischer Musikwissenschaftler


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