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Igor Strawinsky Aufbruch zu Neuer Musik

Die Musik des Komponisten Igor Strawinsky war eine radikale Erweiterungen des bis dahin Gehörten. Seine Werke suchten neue Klänge und Harmonien und stellten die Ohren seiner zeitgenössischen Zuhörer auf die Probe.

Von: Thomas Schäfer

Stand: 07.02.2019 | Archiv

War Igor Strawinsky Russe, Franzose oder Amerikaner? Geboren wurde er 1882 in Russland. 1910 reiste er erstmals nach Paris, wo er ab 1920 lebte. 1934 wurde er sogar französischer Staatsbürger. Doch Paris blieb nur eine Zwischenstation: Strawinsky floh 1940 wegen des Krieges nach Amerika und heiratete in New York seine zweite Frau Vera. Und nochmals wechselte er die Staatsbürgerschaft: 1946 wurde er US-Amerikaner, was er bis zu seinem Tod 1971 in New York auch blieb. Strawinsky war also ein echter Weltbürger: Russe, Franzose und Amerikaner! 

Auf der Suche nach etwas ganz Neuem

Vor allem aber war Igor Strawinsky ein außergewöhnlicher Komponist. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Musik. Als Komponist fragte er sich: "Was kann nach den großen romantischen Orchesterstücken mit Riesenorchester noch kommen?" Zuerst komponierte er für noch größere Orchester. Drei seiner berühmtesten Stücke sind die Ballett-Musiken "Der Feuervogel", "Petruschka" und "Le sacre du printemps" ("Das Frühlingsopfer"). Sie gehören zu den wichtigsten Werken des Expressionismus. Bei "Le sacre du printemps" sitzen über 100 Musiker – 37 Bläser, 6 Schlagzeuger und 60 Streicher – auf der Bühne. Das wird ordentlich laut! 

Der Skandal um "Le Sacre du Printemps"

Lebensdaten:

Igor Fjodorowitsch Strawinsky wurde am 17. Juni 1882 in Oranienbaum in Russland geboren. Er starb am 6. April 1971 in New York City in den USA. Begraben ist er - nach seinem Wunsch - auf dem Friedhof San Michele in Venedig.

Als "Le Sacre du Printemps" 1913 zum ersten Mal aufgeführt wurde gab es einen Riesenskandal: Schon beim ersten Fagott-Ton, der sehr hoch ist, lachten die Zuhörer im Publikum. Als die Musik dann laut und schräg wurde, entstand ein Chaos, es wurde sogar von Schlägereien berichtet.

Auf diese ungewohnt schräge neue Musik mit vielen Dissonanzen war das Publikum nicht gefasst. Strawinsky war zwar gekränkt über diesen Vorfall, aber gerade dieser Skandal machte ihn berühmt. 

Russische, europäische und amerikanische Einflüsse: Echte Weltmusik

Szene aus dem zweiteiligen Ballettabend "Pulcinella" und "Sinfonie in drei Sätzen" nach der Musik von Igor Strawinsky. Probenfoto aus dem Jahr 2005. Anita Harb tanzt die "Pimpinella", Bartosz Ancykowski in der Rolle des "Pulcinella", die Choreographie besorgte der Niederländer Nils Christe. | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio Igor Strawinsky Konzertführer "Pulcinella"

"Pulcinella" war ein Spaßvogel. Auf Wanderbühnen, mit denen Schauspieler vor vielen hundert Jahren durchs Land zogen, hat er eine wichtige Rolle gespielt. Igor Strawinsky hat eine Ballettmusik über "Pulcinella" geschrieben. [mehr]

Später hatte er keine so großen Orchester mehr, für die er schreiben konnte. Er komponierte für kleine, solistische Kammerensembles und vermischte klassische Formen wie die Suite mit seinen neuen harmonischen und rhythmischen Ideen. Diesen neuen Stil nennt man Neoklassizismus. Strawinskys Musik greift immer Russische Volkslieder, später auch europäische und amerikanische Tänze oder sogar italienische Barockmusik auf. Er konnte vom Komponieren sehr gut leben, weil er für viele seiner Kompositionen Aufträge bekam, die gut bezahlt wurden. Deshalb musste er keinem anderen Beruf nachgehen und konnte sich ganz seiner Musik widmen. Viele seiner Uraufführungen dirigierte oder begleitete er am Klavier selbst.


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