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Festgebissen Varroa-Milbe vernichtet Bienen-Brut

Sie gilt als der Bösewicht schlechthin, wenn es um das Bienensterben geht: die Varroa-Milbe. Mit importierten Bienen vermutlich nach Europa gelangt, hält sie Imker in Alarmbereitschaft.

Stand: 18.11.2016

schlüpfende Biene, die von einer Varroa-Milbe befallen ist | Bild: picture-alliance/dpa

Die Langzeitstudie "Deutsches Bienen-Monitoring" hat 2010 die Varroa-Milbe (Varroa destructor) als Hauptgrund für das Schwinden vieler Bienenvölker in den Wintermonaten identifiziert. Die Milbe beschäftigt Bienenforscher schon seit 1977, als sie vermutlich mit importierten Bienen nach Europa gelangte. Die 1,7 Millimeter kleine Milbe ernährt sich vom Blut der Bienen.

Über die Bisswunden, die die Milben den Bienen zufügen, können zusätzlich krank machende Viren in die Insekten eindringen. Die Vermehrung der Milbe findet auf der Brut statt. So sind die jungen Bienen schon beim Schlüpfen geschwächt und sterben meist bereits kurze Zeit danach. Der todbringende Parasit ist inzwischen weltweit ein Problem. Die UNO sieht durch ihn sogar die Nahrungsgrundlage der Menschheit in Gefahr. 

Schwester-Milbe wird gefährlich

Es gibt noch eine zweite Milbe (Varroa jacobsoni) aus der Familie der Varroa. Diese Milbe hat sich eigentlich auf die asiatischen Bienen spezialisiert. Forscher der Purdue Universität in Indiana, USA, konnten nun zeigen, dass Varroa jacobsoni auch europäische Bienen befallen kann, die Bienenart, die weltweit der häufigste Bestäuber ist.

Dazu haben die Forscher zahlreiche Gene der Milbe untersucht und konnten zeigen, dass sich einige von ihnen schon verändert haben. Die Forscher schließen daraus, dass hier momentan ein Anpassungsprozess im Gange ist. Glücklicherweise leben diese veränderten Milben bislang nur in Papua-Neuguinea, doch sollten sie sich im Rest der Welt ausbreiten, könnte das ähnlich schlimme Auswirkungen auf die Bienen haben, wie die Varroa destructor-Milbe jetzt schon.

Weiterer Parasit am Start

Bienenvölker auf dem Prüfstand

In den vergangenen Jahren wurden einheimische Bienen aber auch zunehmend vom eigentlich asiatischen Bienen-Parasiten Nosema ceranae befallen. Der Einzeller nistet sich im Darm der Bienen ein und verbreitet sich durch den Kot im Bienenstock. Er verursacht schwere Erkrankungen und bedroht ganze Bienenvölker. Zunehmend verdrängt er seinen Verwandten Nosema apis, der ursprünglich in Europa als Erreger verbreitet war.

Suche nach resistenten Stämmen

In der Wabe anfällig

Ihr Augenmerk in der Parasiten-Bekämpfung legen die Forscher vor allem auf die natürlichen Abwehrkräfte der Bienen. Manche werden mit Parasiten wie der Varroa-Milbe besser fertig als andere. Ziel ist es, solche Stämme gezielt zu vermehren und befallene Brutzellen schnell auszuräumen. So wird der Entwicklungszyklus des Schädlings unterbrochen. Experten appellieren zudem an die Imker, sich keine importierten Bienenvölker aus den USA, Nord- und Südafrika zuzulegen. Denn dort gibt es einen weiteren Schädling, von dem Europas Imker bis jetzt verschont geblieben sind: den Bienenbeutenkäfer.

Die Erforschung des Wintersterbens

Bienenwiegen

Mithilfe von Bienenstockwaagen wollen Wissenschaftler in Mayen bei Koblenz mehr über das Bienensterben herausfinden. Die Waage misst elektronisch alle fünf Minuten das Gewicht eines Bienenstocks. Ist es beispielsweise so kalt, dass die Bienen an einem Tag nicht ausfliegen können, wird der Bienenstock leichter, weil die Bienen von ihren Vorräten zehren. Die Wissenschaftler können dank der Waage permanent prüfen, wie viel Pollen, Nektar und Wasser im Stock landen. In Mayen laufen die Messdaten von 150 Bienenstockwaagen rund um die Uhr ein. Die Waagen sind über ganz Deutschland hinweg verteilt. So können die Forscher ein Jahr komplett dokumentieren.

Frühlingsbeginn entscheidend

Durch das Sammeln der Messdaten aus verschiedenen Regionen Deutschlands wollen die Forscher das Verhalten der Honigbienen besser verstehen: Wie verläuft die Sammelaktivität der Bienen in Abhängigkeit von der Witterung? Was sind die wichtigsten Faktoren dafür, dass ein Bienenvolk die kalte Jahreszeit übersteht?
In manchen Wintern gehen mehr als 100.000 Bienenvölker in Deutschland verloren. Nun haben Forscher wie Christoph Otten vom Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen erste Hinweise, woran dies liegen könnte. Die Datenanalysen offenbarten den Forschern einen Zusammenhang, den sie so nicht erwartet hatten.

Ursache für Wintersterben

Je später die Bienen im Frühjahr mit dem Sammeln beginnen, desto weniger kann die Varroa-Milbe die Bienenvölker schädigen.
Die bisherigen Untersuchungen zeigten: In Jahren mit einem frühen Frühjahr fallen die Winterverluste höher und in einem Jahr mit einem späten Frühjahr fallen die folgenden Winterverluste niedriger aus. "Hier vermuten wir," so Christoph Otten, "dass sich die Varroa-Milbe in Jahren mit einem frühen Trachtbeginn stärker vermehren und im Jahresverlauf die Bienen stärker schädigen als in Jahren, in denen die Bienen erst sehr spät Nektar finden und die Varroa-Milbe sich in solchen Jahren weniger stark vermehrt." Damit fallen auch die Schädigungen der Varroa-Milbe geringer aus, so der Forscher.

Gegen den Varroa-Befall

Ein Imker kratzt die Wachsdeckel von den Honig gefüllten Waben.

Bekämpfen dürfen Imker die Varroa-Milbe nur in der Zeit, in der die Bienen keinen Honig produzieren. Rückstände von Chemikalien könnten sonst in den Honig und von dort in den menschlichen Organismus gelangen. Juli und August, die Zeit nach dem Abschleudern also, sind die besten Monate. Wichtig sind aber auch danach noch regelmäßige Befallskontrollen und entsprechende Nachbehandlungen im Herbst und im Winter. Der Varroa-Befall soll im Frühjahr möglichst gering sein, damit die Bienen die Zeit bis zur nächsten Sommerbehandlung gut überstehen.

Verschiedene Methoden

Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe setzen die Imker zum Beispiel Ameisensäure ein, die auf einen Schwamm aufgetragen und zum Verdunsten in den Bienenstock gelegt wird. Allerdings, so stellte das "Deutsche Bienen-Monitoring" fest, ist diese Behandlung im Moment noch nicht ausreichend wirksam, um einen Rückgang des Milbenbefalls in der gesamten Region zu erzielen. Auch Milch- und Oxalsäure kommen als Mittel gegen die Varroa-Milbe zum Einsatz. Manche Imker versuchen, die Varrao-Milbe mit einer Art "Bienensauna" zu bekämpfen. Darin werden die Bienenstöcke auf 37 Grad erwärmt. Die Milben sind hitzeempfindlich und werden dadurch geschädigt.

Gegen einige Anti-Milben-Medikamente, sogenannte Akarizide, hat der Schädling bereits Resistenzen entwickelt. Außerdem bleiben Reste dieser Stoffe als Rückstände im Honig zurück. Daher kommen Akarizide nur im Notfall zum Einsatz.


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